Bauern wollen vom Wolf nichts wissen: Mahnfeuer und Kundgebung

Zur Not ein Viehscheidstopp

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Bei der abendlichen Mahnwache auf der Ellegger Höhe bei Wertach forderten Franz Hage (von links) vom Alpwirtschaftlichen Verein und die EU-Parlamentarierin Ulrike Müller politische Rückendeckung bei der Wolfsfrage.

Druck aufbauen und aufrecht erhalten wollen die Landwirte im Oberallgäu. Mit Mahnfeuern und einer Kundgebung machten der Kreisverband Oberallgäu im BBV und 300 Landwirte aus der Region auf die Bedrohung der Kulturlandschaft und der traditionellen Weideviehhaltung durch zuwandernde Wölfe aufmerksam.

In den vergangenen Wochen waren mehrere Kälber und Schafe von einem durchziehenden Wolf gerissen worden. Der Bauernverband fordert die Politik auf, den Weg für eine Wolfabwehr frei zu machen. „Weidetiere statt Wolfsreviere”, fasste ein Plakat bei der Kundgebung in Wertach die Erwartung der Bauern zusammen. Als letztes „Druckmittel” spielt der Verband mit dem Gedanken an einen organisierten Viehscheid-Boykott.

Zufall war es wohl nicht, dass die Kundgebung des Bauernverbandes unmittelbar vor einer großen CSU-Wahlkampfveranstaltung im Festzelt in Wertach über die Bühne ging. Es sei keine Demo gegen etwas, erst recht nicht gegen den Bayerischen Ministerpräsidenten, unterstrich BBV-Kreisobmann Alfred Enderle bei der Kundgebung am Wertacher Rathaus. Man verstehe es als Veranstaltung FÜR etwas – „für die Heimat, die Kulturlandschaft und den Tourismus im Allgäu”.

Ministerpräsident Markus Söder wurde dann kurzerhand zum Abschluss der Demostration gegen das Zuwarten beim Thema Wolf auf dem Podium mit den Forderungen der Landwirte konfrontiert und sicherte politische Unterstützung zu. Die Alm- und Alpwirtschaft in Bayern werde weiterhin gewähleistet, so Söder. Wie die Bauern erwarte er vom Umweltministerium „schnelle Ergebnisse”, und „wenn‘s nicht anders geht auch Entnahmen”. Letztlich müsse man nicht nur den Schutz der Tiere im Auge behalten, sondern auch den Schutz der Menschen. Söder: „Wir haben 200 Jahre in Bayern ohne Wolf gut gelebt; dann werden wir es auch 200 weitere Jahre können.” Zudem, so der Ministerpräsident, müsse mehr Raum für Entscheidungen vor Ort gegeben werden und „nicht alles in München geregelt werden”.

Franz Hage, Vorsitzender des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu AVA, stellte fest, das die Bedeutung der Alpwirtschaft „völlig unterschätzt” werde. Ohne Alpwirtschaft drohe über kurz oder lang das Aus für die attraktive Kulturlandschaft und letztlich den Tourismus. „Eben diese offene Kulturlandschaft ist mit der Rückkehr des Wolfes in Gefahr!”, so Hage. „Wir sollten stolz sein, dass unsere Älpler das so gut machen.” Beispiele in anderen Regionen Europas zeigten, dass es anders, also ohne Weideviehaltung, nicht gehe.

Gar nichts hält Hage von den Tipps und Empfehlungen für Weideviehhalter aus dem Landesamt für Umwelt LfU. Effektiver Herdenschutz klappe nirgendwo, weder mit Zäunen oder Herdenschutzhunden. In den Alpenregionen sei das ohnehin nicht praktibel. „Das brauchen wir nicht. Das bringt nichts!” Man könne den Älplern und Bergbauern nicht länger zumuten, morgens mit einem unguten Gefühl den Tag zu beginnen in der Angst, zerfetzte Tierkadaver auf der Weide zu finden.

„Wir brauchen den Wolf nicht!”, unterstrich Hage. Vom Gesetz her sei eine entschlossene Wolfabwehr durchaus möglich. Allein, die Politik stehe nicht hinter den Bergbauern, argwöhnte der AVA-Vorsitzende. „Wir werden weiter Druck machen, weil wir eine funktionierende Land- und Alpwirtschaft brauchen!” Als letztes Mittel schloss Hage auch einen flächendeckenden Viehscheid-Boykott nicht aus: „Das trifft alle!” Er hoffe zwar, dass es das nicht brauche; aber die Poltik müsse endlich in die Gänge kommen.

„Verantwortungslos in hohem Maß”, nannte die Oberallgäuer Kreisbäuerin Monika Mayer das Zögern der Politik. Heute seien es „nur” durchziehende Wölfe. Sie wolle gar nicht daran denken, was sei, wenn erst einmal 5000 Wölfe in Deutschland lebten. Das Allgäu dürfe nicht „Übungsgelände” für die Raubtiere sein, die hier lernten, dass es womöglich leichter sei auf einer Viehweide Beute zu machen als Wildtiere zu jagen. Mayer: „Handeln ist jetzt das Gebot der Stunde. Ein konsequenter, zeitnaher Abschuss tut Not!”, appellierte die Kreisbäuerin.

Bereits am Abend vor der Kundgebung hatten Landwirte mit mehr als 20 sogenannten Mahnfeuern im Landkreis Oberallgäu auf die in ihren Augen unhaltbare Situation aufmerksam gemacht. Die herbstlichen „Funkenfeuer” sollten Auftakt sein für das Bestreben des BBV, Druck aufzubauen, damit die politisch Verantwortlichen „beim Thema Wolf in die Gänge kommen“. „Die Bauern finden, dass etwas getan werden muss, bevor es zu spät ist”, brachte Alfred Enderle die Zielrichtung der Protestaktion auf den Punkt. „Die Politik muss in die Gänge kommen!” Das fand am Rande des Mahnfeuers in Wertach auch die Allgäuer Europa-Abgeordnete Ulrike Müller (Freie Wähler): „Entweder wir stehen zu Landwirtschaft und Tourismus und einer von Weidewirtschaft gepägten Kulturlandschaft in unserer Region oder der Lebensraum wird sich verändern.” In dieser Frage dürfe man sich „weder einen Wolf noch einen Bären aufbinden lassen”. Beides unter einen Hut zu bringen, werde nicht gehen, wie sich in anderen Regionen zeige. Zudem, so die EU-Abgeordete sei es sehr wohl möglich, den europäischen Schutzstatus des Wolfes zurückzustufen und so den Weg für „Entnahmen” frei zu machen. Das müsse man nur in die Gänge bringen.

Josef Gutsmiedl

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