Älpler wollen keine Wölfe

Mit Raubtieren ist auch im Allgäu zu rechnen

+
Der Wolf würde kaum ein Rind reißen, aber womöglich das Alpvieh nachts in Panik versetzen.

Oberallgäu - Ende Mai wurde im Raum Oberstdorf ein „wolfsähnliches Tier“ entdeckt. Anschließende gentechnische Untersuchungen ergaben, dass es sich tatsächlich um einen zugewanderten Wolf handelte.

Im Landratsamt Oberallgäu fand jetzt ein Expertengespräch statt, bei dem Fachleute und Vertreter der Behörden, Naturschutzverbände, Landwirtschaft und Jagd über die Folgen der Zuwanderung von Wölfen und anderen „großen Beutegreifern“ diskutierten. Vor allem in den Reihen der Land- und Alpwirtschaft im Allgäu hält man reichlich wenig von einer Rückkehr des Wolfes.

Der bei Oberstdorf gesichtete Wolf ist inzwischen „abgetaucht“ und wohl weitergezogen. Das Problem „große Beutegreifer“ ist damit allerdings nicht vom Tisch. Die Fachleute des Landesamts für Umweltschutz LfU in Augsburg stellten in der Expertenrunde fest: es gibt einen Trend der Zuwanderung einzelner Tiere nach Bayern, wenngleich eine dauerhafte Ansiedlung eines Wolfsrudels wohl so gut wie auszuschließen sei. „Mit dem Wolf muss man rechnen“, bringt der Oberallgäuer Landrat Toni Klotz die Lage auf den Punkt und rät zu einem sachlichen Umgang mit dem Thema. Nach der ersten Wolfssichtung habe er „eine hektische Betriebsamkeit“ bei den Medien und „beachtliche Emotionen“ bei Vertretern der Alpwirtschaft beobachtet.

Eine konkrete Prävention ist den Wolfsexperten zufolge nicht möglich. Das gelte für die Zuwanderung an sich ebenso wie für den Umgang mit dem Wolf vor Ort. „Aussperren geht nicht; Einzäunungen sind kein zuverlässiger Schutz und in den meisten Fällen gar nicht praktikabel“, fasst Klotz die Aussagen in der Gesprächsrunde zusammen.

Beim Alpwirtschaftlichen Verein im Allgäu AVA jedenfalls will man vom Comeback des Wolfes in den Allgäuer Alpen nichts wissen. Während Naturschützer die Rückkehr „großer Beutegreifer“ wie Luchs, Wolf und Bär befürworten, stehen die Vertreter der Jagd und der Landwirtschaft dem Wolf mehr als reserviert gegenüber. Vor allem die Alpwirtschaft warnt vor der Gefahr, die selbst einzelne Wölfe für Weidevieh darstellen.

So führte etwa Georg Mair, der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins in Oberbayern, anlässlich der jüngsten Mitgliederversammlung des Alpwirtschaftlichen Vereins im April, etliche Abstürze von Almvieh auf eine nächtliche Beunruhigung von Rinderherden durch umherstreifende Wölfe zurück. Und in der Schweiz, in Italien und Frankreich beklagten Schafhalter Jahr für Jahr beträchtliche Tierverluste durch Wölfe.

Für den Wolf sei hier kein Platz, der Lebensraum nicht für große Raubtiere geeignet, es könne nur Probleme geben., meinen Franz Hage und Dr. Michael Honisch vom Alpwirtschaftlichen Verein. Verharmlosen dürfe man das Phänomen Wolf keinesfalls. Dass ein Wolf ein Stück Alpvieh reiße, hält Hage für kaum wahrscheinlich. Er fürchtet wie sein Kollege Mair eher die nächtliche Beunruhigung von Weidevieh. „Eine aufgescheuchte Herde ist nicht zu halten – da können schnell zehn, zwanzig Tiere abstürzen“, weiß Franz Hage als Älpler mit jahrzehntelanger Erfahrung. Ein Schutz durch massive Einzäunungen sei in den Hochlagen ohnehin nicht machbar. „Den Wolf brauchen wir hier nicht!“ stellt Hage fest.

Die Vertreter der Jagd äußerten beim Gespräch im Landratsamt Oberallgäu in Sonthofen ihre Sorge über eine unerwünschte „Konkurrenz“ in den Revieren. Ausrichten gegen zugewanderte Wölfe können selbst die Jäger nichts: als geschützte Tierart unterliegen die großen Raubtiere strengen Artenschutzbestimmungen. Einen Wolf zu erlegen, stellt, auch für Jäger, eine Straftat dar. Klotz: „Auch die Jagd wird damit leben müssen, dass das eine oder andere Stück Reh- und Rotwild gerissen wird.“

Die Land- und Alpwirtschaft dürfe mit dem Problem Wolf nicht alleine gelassen werden, stellt Klotz klar. Zwar würden Tierverluste durch Wölfe aus einem speziellen Präventionsfonds – einem sogenannten „Wolfsfonds“ – großteils ausgeglichen, doch liege die Beweislast beim Geschädigten. Da müsse eine bessere Regelung her, fordert Klotz.

Josef Gutsmiedl

Meistgelesen

In Oberstdorf wird Wasser zu Bier
In Oberstdorf wird Wasser zu Bier
Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
"Bettl mit Dettl" - LaBrassBanda vs. Musikkapelle Burgberg
"Bettl mit Dettl" - LaBrassBanda vs. Musikkapelle Burgberg
Nordische Ski-WM ein kostspieliger Spaß
Nordische Ski-WM ein kostspieliger Spaß

Kommentare