In Würde alt werden

Heimleiterin Heike Hauber beobachtet einen "gravierenden Wandel" der Bewohnerklientel in den Seniorenheimen. Foto: Josef Gutsmiedl

Das AWO-Seniorenzentrum Immenstadt feierte sein 30-jähriges Bestehen. Bei dem kleinen Festakt wurde deutlich, wie sehr sich die Rahmenbedingungen der Pflege und Betreuung älterer Menschen verändert haben - und noch verändern werden. In seiner Festrede forderte der Vorstandsvorsitzende des Bezirksverbandes Schwaben der AWO, Eberhard Gulde, tragfähige Lösungen für die Pflege von morgen. Lösungen, die die Menschenwürde der Betroffenen wahre, und die Arbeitsbedingungen in den Pflegeberufen verbessere.

Dass das AWO-Seniorenheim am Kalvarienberg an einem der attraktivsten Plätze Immenstadts steht ist gar nicht so selbstverständlich. Alten Planungen zufolge, so rief Heimleiterin Heike Hauber in Erinnerung, gab es Überlegungen, hier das neue Landratsamt zu bauen. Jetzt könnten die rund 150 Bewohner des Seniorenheimes in sonniger Südlage die Ruhe und herrliche Sicht auf das Oberallgäu genießen. In den vergangenen 30 Jahren habe sich bei der Pflege und Betreuung „ein gravierender Wandel“ vollzogen, sagte Heike Hauber. „Der rüstige Rentner ist die Ausnahme“, so Hauber. In ein Seniorenheim gehe man erst, wenn es zuhause absolut nicht mehr geht. Sprich: Wenn die pflegenden Angehörigen „am Ende“ sind mit ihrer Kraft. Der AWO-Vorstandsvorsitzende, Eberhard Gulde, greift in seinem Ausblick auf die Pflege von morgen die allgemeinen Erfahrungen der Pflegeeinrichtungen auf. Entsprechend dem steigenden Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung gebe es auch mehr Pflegebedürftige. „Waren es im Jahr 1999 rund drei Millionen Menschen mit einem Alter von 80 Jahren und mehr, sind es jetzt schon 4,2 Millionen.“ Heute gehe man von knapp drei Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland aus. „Die pflegerischen Herausforderungen sind gewaltig“, meint Eberhard Gulde. Dabei gehe es nicht nur um die fachliche Betreuung auf hohem Niveau. „Es geht um die Würde des Menschen - dazu gehört auch die Möglichkeit, in Würde zu altern“, stellt Gulde fest. Der eigene Lebensraum, das Recht auf selbstbestimmte Lebensführung und die würdige Art der Pflege gehörten beachtet. Gulde rechnet mit einer neuen Pflegediskussion: „Gefragt sind tragfähige Lösungen für die Pflege von morgen.“ Daraus ergäben sich Anforderungen an Politik, Pflegende und Leistungserbringer. Die Rahmenbedingungen seien so zu gestalten, dass sie die Attraktivität der Pflegeberufe verbessert, wünscht sich Eberhard Gude. Von „informellen Pflegearrangements“ spricht Gulde mit Blick auf weite Bereiche der häuslichen Pflege. Der Bedarf an qualifizierter Pflege dürfe nicht durch ausbeuterische Pflegearrangements unter der Flagge „häusliche Pflege“ kompensiert werden. Schon zeichne sich ein eklatanter Fachkräftemangel ab. „Das Ansehen der Pflegeberufe zu fördern, muss erklärtes Ziel sein“. appelliert Gulde. „Die Beschäftigten bestimmen maßgeblich die Qualität der Pflege.“ An eine wichtige Form von Integration erinnerte schließlich Immenstadts Zweiter Bürgermeister, Thomas Wurmbäck: „Wir müssen die älteren Menschen als Teil unseres städtischen Lebens sehen.“ Isolation sei zu vermeiden: „Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“ „Richtig gefeiert“ wird das 30-Jährige des AWO-Seniorenheims im kommenden Jahr bei einem Sommerfest mit den AWO-Senioren, den Angehörigen und vielen Gästen.

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