Hildesheimer Modell

Zahl der Senioren steigt weiter: Landratsamt präsentierte Bevölkerungsprognose  

Hildesheimer Modell
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Anhand des Hildesheimer Modells wird deutlich: Die Zahl der über 80-Jährigen wird bis 2045 stark steigen.

Oberallgäu – Das Landratsamt Oberallgäu stellte die mit dem Hildesheimer Modell erstellten Bevölkerungsprognosen für den gesamten Landkreis in den nächsten 25 Jahren vor. 

Bedarfsanalysen für Kindergärtenplätze, Schulen, Altenheime und Wohnbauprojekte sind für die Kommunal- und Regionalpolitik essentiell. Bisher wurden vor allem die Daten des statistischen Landesamts für die Prognosen herangezogen. Letztes Jahr führte der Landkreis Oberallgäu das sogenannte Hildesheimer Modell ein. Dieses kostengünstige excelbasierte Programm ist besonders für die kleinräumige Vorausberechnung von Bevölkerungsstrukturen geeignet.

Hildesheimer Modell erstmal angewandt

Alle 28 Gemeinden hätten ihre Daten übermittelt, sagte Projektleiterin Anja Maurus, diese seien "Echtdaten" aus den Einwohnermeldeämtern zu den altersspezifischen Einwohnerzahlen, Stichtag 31. Dezember 2020. Geburten- und Sterberaten sowie die sogenannten Wanderungssalden kämen aus dem Statistischen Landesamt. Der Vorteil des Hildesheimer Modells: Die Zahlen liegen viel schneller vor, als die des statistischen Landesamts. Kommunen können ihre Bedarfsplanungen daher frühzeitiger beginnen.

Die Bevölkerungsprognosen für das Oberallgäu zeigen: Der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen ist jetzt akut, die Zahl der unter Dreijährigen wird bis 2045 jedoch um 22 Prozent sinken. Bei den Kindergartenkindern ist bis 2025 noch ein Anstieg um 4 Prozent (das entspricht 205 Kindern) prognostiziert, im Jahr 2045 wird es aber 1 294 Kinder zwischen drei und sechs Jahren weniger geben. Dem gegenüber wird allein die Bevölkerungsgruppe der über 80-Jährigen im Jahr 2045 um 3200 Personen gewachsen sein. Auch die Zahl der 65- bis 80-Jährigen wird stark zunehmen. Dies stellt Kommunen vor eine große Vorausforderung. "Kindergärten müssten jetzt so gebaut werden, dass sie später als Altenheime nutzbar sind", stellte Kreisrätin Vera Huschka (SPD) treffend fest.

Die gesellschaftliche „Mitte“ bricht weg

Problematisch wird auch die Entwicklung der erwerbstätigen Bevölkerungsschicht gesehen, denn die Gruppe der 40- bis 65-Jährigen wird bis 2045 um 9 500 Personen schrumpfen. Als "doppelte Demografie-Falle" bezeichnete Ralph Eichbauer, Leiter der Abteilung Mensch und Gesellschaft im Landkreis Oberallgäu, diese Entwicklungen. Und in der Tat ging ein Raunen durch den großen Sitzungssaal, als der Wegfall von 9 500 Steuerzahlern in der Prognose klar wurde.

Neben Kitas und betreutem Wohnen solle man daher auch den "Mittelbau" im Blick haben, so Eichbauer. Während die Prognosen für den Freistaat Bayern ein Bevölkerungswachstum vorhersagen, sehen die Daten für das Oberallgäu ganz anders aus. Hier wird die Bevölkerung insgesamt bis 2045 voraussichtlich abnehmen. Grund ist, dass sich der Zuzug in Bayern hauptsächlich auf die Ballungsräume der Großstädte konzentriert. Ähnlich unterschiedlich fallen die Prognosen auch in den einzelnen Gemeinden aus. Mit dem Hildesheimer Modell kann diesen Unterschieden erstmals Rechnung getragen werden. Mit ihm lassen sich verschiedene Szenarien unter Berücksichtigung örtlicher Besonderheiten und regionaler Einflussfaktoren durchspielen. Zudem kann der Blick gezielt auf verschiedene Altersgruppen – wie Grundschüler, Jugendliche, Arbeitnehmer oder Senioren – gerichtet werden.

Hoffnungen auf Digitalisierung

„Mit den Prognosen des Bevölkerungsmodells können wir den Städten, Märkten und Gemeinden ein wertvolles, datenbasiertes Instrument an die Hand geben, das sie künftig bei ihren kommunalpolitischen Entscheidungen unterstützen kann", erklärte Landrätin Indra Baier-Müller. Dabei habe der Landrat nur die Bereitstellungs- und Beratungsfunktion. Welche (Bau-)Maßnahmen die einzelnen Gemeinden am Ende aus den Zahlen ableiteten, bleibe ihnen überlassen. Zum Schluss der Präsentation waren alle einig, dass Digitalisierung und Home-Office das Blatt noch wenden könnten. Ob dadurch wirklich mehr stadt-überdrüssige junge Erwerbstätige ins Oberallgäu ziehen, wird sich wohl erst zeigen.

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