Das Oberallgäu ist FSME-Risikogebiet - Gesundheitsamt rät zur Impfung

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Das Gesundheitsamt Oberallgäu rät jetzt zur raschen FSME-Schutzimpfung. Die Folgen einer durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis, einer Hirnhautentzündung, sind nicht zu unterschätzen.

Der Leiter des Gesundheitsamts im Landratsamt Oberallgäu, Dr. Alfred Glocker,  empfiehlt gerade jetzt im Frühjahr die FSME-Schutzimpfung: „Von April bis Oktober ist das Risiko am größten, sich mit der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung (Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME) anzustecken. 90 Prozent der an FSME Erkrankten infizieren sich bei Freizeitaktivitäten. Gerade wer sich oft in der Natur aufhält – sei es beim Sport, beim Wandern oder auch nur im im eigenen Garten - sollte sich unbedingt gegen FMSE impfen lassen. Für einen kompletten FSME-Impfschutz sind drei Impfungen innerhalb eines Jahres erforderlich. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten. Ich empfehle insbesondere den Eltern, jetzt den FSME-Impfschutz ihrer Kinder - aber natürlich nicht nur diesen - beim Haus- oder Kinderarzt überprüfen zu lassen - und sich selbst dabei nicht zu vergessen."  

Das Robert Koch-Institut hatte 2012 den Stadtkreis Kempten als 79. bayerischen Landkreis neu zum FSME-Risikogebiet erklärt, beim Landkreis Oberallgäu war dies bereits 2009 der Fall. 83 der 96 bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte sind mittlerweile als Risikogebiet klassifiziert. Damit ist auch die Empfehlung der Ständigen Impfkommission verbunden, Personen, die dort zeckenexponiert sind, gegen das FSME-Virus (Frühsommer-Meningoenzephalitis) zu impfen. Eine ursächliche Behandlung bei einer FSME-Erkrankung ist nicht möglich.     

FSME

Dem Gesundheitsamt wurden in den Jahren 2015 ein, 2016 sechs  und 2017 zwei FSME-Erkrankungsfälle gemeldet, 2018 ist im Oberallgäu noch keine Person erkrankt, in ganz Bayern schon wieder zwei. Die Zahlen von an FSME Erkrankten schwanken sehr stark, was insbesondere mit den Klimabedingungen und der Häufigkeit der das FSME-Virus übertragenden Zecken zusammenhängt. Es gibt keinerlei Anlass für Entwarnung. Die Zahl der FSME-Fälle in Bayern ist gerade in 2017 wieder extrem gestiegen – und zwar auf  234 Fälle.   

„Jeder FSME-Kranke ist ein Kranker zuviel!“ sagt Dr. Glocker „…und dies vor dem Hintergrund, dass es eine wirksame Schutzimpfung gegen FSME gibt und die Erkrankungen häufig mit schweren bleibenden Schäden verlaufen.“ Für Dr. Glocker wäre es sehr wichtig, dass das große gesundheitliche Gefährdungspotential durch FSME von der Bevölkerung endlich erkannt wird und sich die Menschen dagegen impfen lassen.    

Große Sorgen bereitet Dr. Glocker insbesondere aber die miserable Durchimpfungsrate der Oberallgäuer Kinder gegen FSME. Hatte die FSME-Impfrate der im Schuljahr 2010/2011 eingeschulten Kinder im Oberallgäu noch 31,5%, in ganz Bayern damals 48,8% betragen, so sank sie bei den im Schuljahr 2012/2013 im Oberallgäu eingeschulten Kindern auf nur noch 22,9%, was der Hälfte des bayerischen Durchschnitts von damals 40,5% entsprach. Diese katastrophal niedrige Durchimpfungsrate gegen FSME hat sich aber noch weiter verschärft! Die FSME-Impfquote bei der Schuleingangsuntersuchung der Oberallgäuer Kinder lag im Untersuchungsjahr 2014/2015 sogar nur noch bei 14,5%. Aktuell ist laut dem bayerischen Gesundheitsministerium nur etwa ein Drittel (33,3%) der Schulanfänger gegen FSME geimpft. Gerade Kinder zwischen fünf und neun Jahren sind aber besonders häufig davon betroffen. Das Oberallgäu erreicht nicht einmal die Hälfte davon!   

Dr. Glocker: „Ich appelliere dringend an das Verantwortungsbewusstsein der Eltern und ich fordere die ärztlichen Kollegen nachdrücklich auf, die fehlenden FSME- und auch die anderen öffentlich empfohlenen Impfungen bei Erwachsenen und Kindern bei Arztbesuchen anzusprechen und erforderlichenfalls rasch nachzuholen.“ 

Lyme-Borelliose   

Zecken können auch das Bakterium Borrelia burgdorferi übertragen, das die „Lyme-Borreliose“hervorruft, die viel häufiger als FSME ist. Deutschlandweit rechnet man mit 80.000 bis 120.000 Erkrankungsfällen im Jahr. Auch im Oberallgäu und in der Stadt Kempten treten Borreliosen auf. Es ist unstrittig, dass es sich bei der Borreliose um eine weit verbreitete Erkrankung handelt, die sehr ernst zu nehmen ist. Dem Gesundheitsamt Oberallgäu wurden 2013 66 Fälle, 2014 35 Fälle, 2015 11 Fälle, 2016 17 und 2017 37 und 2018 schon wieder 2 Fälle gemeldet (in Bayern mit Stand 26.03.2018: 159 Fälle). Gerade die erneute Zunahme der Häufigkeit der Borreliosen  2017 in Bayern, aber auch auch im Oberallgäu zeigt, dass es keinerlei Anlass für eine Entwarnung gibt. Erfreulicherweise handelt es sich bei den allermeisten Erkrankungen um vergleichsweise milde Verläufe („Wanderröte“), die mit Antibiotika gut behandelbar sind, aber auch zwingend behandelt werden müssen, damit keine Komplikationen auftreten – je früher, desto besser. 

Zudem ist es wichtig, Zecken möglichst schnell und mit einem dafür geeigneten Werkzeug zu entfernen. Bei einer Borreliose kann es Wochen bis Monate nach dem Stich noch unter anderem zu schmerzhaften Nervenentzündungen kommen. Gegen die Borreliose gibt es keine Impfung. Seit Beginn der bayerischen Meldepflicht für Lyme-Borreliose am 1. März 2013 wurden dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) 20.102 Fälle gemeldet (Stand: 05.03.2018). Im Jahr 2017 traten bayernweit 3.535 Fälle von Lyme-Borreliose auf.

Das sind über 900 durch eine simple Impfung völlig vermeidbare schwere Erkrankungen in den letzten 6 Jahren. Im laufenden Jahr 2018 wurden bislang zwei FSME-Fälle in Bayern gemeldet.  

FSME und Borreliose – von Zecken übertragen 

Die Hauptüberträger des FSME-Virus und der Borrelien sind Schildzecken (Ixodes ricinus, im Volksmund "gemeiner Holzbock" genannt). FSME-Viren sind die die Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), gegen die ein Impfschutz besteht. Borrelien rufen die Lyme-Borreliose hervor, gegen die es zwar keinen Impfschutz, aber Behandlungsmöglichkeiten mit Antibiotika gibt. Bei einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich kann es nach 7 bis 14 Tagen zu unspezifischen Krankheitszeichen wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und leichten Magen-Darm-Beschwerden ähnlich einer Sommergrippe kommen. Nach etwa acht beschwerdefreien Tagen entwickelt sich bei ca. 10 Prozent der Erkrankten eine Hirnhaut- und / oder Gehirn- und / oder Rückenmarksentzündung. Dauerhafte Folgeschäden nach Erkrankungen sind nicht selten, tödliche Ausgänge in 1 bis 2 Prozent der Fälle mit Befall des zentralen Nervensystems möglich.  

Erwachsene und Kinder können  sich vor FSME mit einer gut verträglichen Impfung schützen. Die aus drei Impfungen bestehende Grundimmunisierung vermittelt einen hochwirksamen und sicheren Schutz. Je nach Herstellerangaben ist alle drei bis fünf Jahre eine Auffrischimpfung erforderlich. Für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr steht ein spezieller, ebenfalls gut verträglicher Impfstoff zur Verfügung. Der Haus- oder Kinderarzt berät gern und führt auch die Impfungen durch.   

Während die Lyme-Borreliose praktisch überall in Deutschland vorkommt, wo es Schildzecken (Gemeiner Holzbock) gibt, ist das Vorkommen des FSME-Virus überwiegend auf bestimmte Naturherde - sogenannte Risikogebiete - konzentriert. In diesen Naturherden sind bis zu 5 % der dort vorkommenden Zecken mit dem FSME-Virus infiziert.   

Die Wechselwirkung der Zecke mit Wetter und Klima ist komplex. Zum einen überleben mehr Zecken einen wärmeren Winter, zum anderen reagieren die Larven sehr empfindlich auf Trockenheit. So kann ein sehr heißer, trockener Sommer durchaus dazu führen, dass die Zeckenpopulation deutlich reduziert wird. Die Abhängigkeit der Zeckenausbreitung vom Klima und damit die Übertragung von FSME und Borrelien werden stark vom menschlichen Freizeitverhalten überlagert.   

Schutz vor Zecken 

Ein Schutz gegen Zeckenstiche ist wichtig! Denken Sie daran! Wer sich viel in der freien Natur aufhält, sollte zeckendurchseuchte Gebiete meiden, nicht durch dichtes Gebüsch oder hohes Gras gehen, sondern auf den Wegen bleiben, auf möglichst geschlossene (lange Hosen und langärmelige Hemden), helle Kleidung (darauf lassen sich Zecken leichter entdecken) achten, geschlossene Schuhe tragen, und sich selbst und die Kinder nach einem Aufenthalt in Wald, Wiese und Gebüsch, aber auch in Gärten oder Parkanlagen intensiv nach den Blutsaugern absuchen. Unbekleidete Körperstellen können mit Anti-Zecken-Mitteln eingerieben werden. Nach einem Zeckenstich ist es sehr wichtig, die Zecke zügig zu entfernen, da die Wahrscheinlichkeit einer Erregerübertragung mit der Dauer des Saugakts zunimmt.  

Entfernung von Zecken 

Findet man trotz aller Vorsichtmaßnahmen eine am Körper festsitzende Zecke, so sollte diese umgehend entfernt werden. Am besten lassen sich Zecken mit Pinzetten oder so genannten Zeckenzangen entfernen. Die Zecken sollten möglichst nahe an der Haut gefasst werden und langsam ohne Drehen abgehoben werden.     

Weiterführende Informationen im Internet   

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) Borreliose und FSME: Erkrankungen durch Zeckenstiche: www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/fsme/   

Was mache ich bei einem Zeckenstich? https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borreliose/lyme_zeckenstich.htm   

Robert Koch-Institut FSME: Risikogebiete in Deutschland (Stand: April 2017) https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/17_17.pdf?__blob=publicationFile   

Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Zecken, Zeckenstich, Infektion, Stand: 06.03.2018 https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/FSME/Zecken/Zecken.html

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