Ulli Leiner verstärkt Allgäuer "Bauernfraktion" im Landtag

Ulli Leiner: Vom Stall in den Landtag

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Ziegenbauer Ulli Leiner aus Sulzberg will als Landtagsabgeordneter den Kontakt zur „Basis“ nicht verlieren.

Oberallgäu – Das Allgäu ist im Bayerischen Landtag „stark“ vertreten. Bei den jüngsten Landtagswahlen im September schaffte mit Ulli Leiner aus Sulzberg ein weiterer Landwirt den Sprung ins Parlament und verstärkt dort die Riege der Landwirte.

Insgesamt ist die Allgäuer „Bauernfraktion“ in München jetzt mit vier Abgeordneten – drei Männern und einer Frau – vertreten. Ulli Leiner schaffte bei der Wahl das Kunststück, vom letzten Listenplatz der Grünen ganz weit nach vorne zu „springen“. 

„Mit diesem Ergebnis hätte ich nie gerechnet“, sagt der 60-jährige Ziegen-Bauer aus Sulzberg. Dabei stand Ulli Leiner zunächst gar nicht auf der Grünen-Liste für Schwaben. Nach dem Tod seines langjährigen Freundes und Allgäuer Spitzenkandidat der Grünen, Adi Sprinkart, rückte der Sulzberger nach. Allerdings nicht automatisch auf den vakanten Platz, sondern ganz hinten auf der Liste. Das habe auch zu Irritationen geführt, erinnert sich Leiner. Da habe es geheißen, er wolle gar nicht kandidieren und gegebenenfalls für die Grünen in den Landtag. „Das stimmt so natürlich nicht. Ich gehe ja nicht auf die Liste, wenn ich nicht will“, so Leiner im Rückblick. Aber bei den Grünen sei es nun einmal so geregelt: Nachrücker reihen sich ganz hinten ein. Umso spektakulärer sein Abschneiden bei der Landtagswahl. Damit bleiben zwei Oberallgäuer Grüne im Landtag: neben Thomas Gehring aus Gunzesried jetzt ein Landwirt aus Sulzberg. 

Was wird jetzt anders auf dem Ziegenhof der Familie Leiner? Eine Erfahrung machte Ulli Leiner schon im Wahlkampf: Politik kostet Zeit. Lange Tage ist er als aktiver Bio-Bauer gewöhnt. Doch Versammlungen dort, Diskussionen da mit dem Tagesgeschäft auf dem Hof unter einen Hut zu bringen, erwies sich schnell als Kraftakt. „Jetzt sind wir dabei, Lösungen zu finden“, sagt Leiner. Immerhin warten daheim 68 Ziegen, die Käserei, die Stall- und Feldarbeit. „Derzeit können wir das mit einem Betriebshelfer überbrücken“, erklärt Ulli Leiner. Die Käserei ist – und bleibt – Aufgabe seiner Frau Monika, der leidenschaftlichen Sennerin. „Wir werden das nicht aufgeben. Wir werden eine Lösung finden“, ist sich der „neue Grüne“ im Landtag sicher. Am Samstag steht der Wochenmarkt auf dem Programm, am Sonntag Büroarbeit. Und nächsten Montag, dem sitzungsfreien Tag der Abgeordneten, müsse er erst einmal „Bschitte“, also Gülle ausbringen... erklärt Leiner am Rande einer Kreistagssitzung. 

Die Sache mit den Ziegen. Ulli Leiner ist gelernter Landwirt und studierter Berufsschullehrer für Landwirtschaft obendrein. Doch auch ein Mensch, den es mehr zur bäuerlichen Praxis zog als ins Klassenzimmer. Das Rüstzeug für das gemeinsame Leben als Bauersleute hatten Monika und Ulli Leiner als Hochzeitsgeschenk erhalten: eine vierköpfige Ziegenherde. Ende der 1980er Jahre ergab sich die Möglichkeit, die Leidenschaft für eine eigene Landwirtschaft auf Ziegenbasis auszuleben und einen Stall mit Grünlandflächen zu pachten. Der „Ziegenhof Leiner“ nahm Fahrt auf. Um die Stall und Büroarbeit kümmert sich Ulrich Leiner; die Käserei ist das Reich von Monika. Gemeinsam vermarkten sie „ihre Ware“ auf den Wochenmärkten in Kempten und Immenstadt. Und genau das will Leiner auch – nein: gerade – als Landtagsabgeordneter nicht aufgeben. Die Kontakte, ja die unmittelbare Nähe zu den Menschen im Wahlkreis will er ebenso wenig missen, wie das Leben auf dem Ziegenhof. „Dort, an unserem Stand, erfahre ich so viel, höre, was die Menschen bewegt.“ Seine politische Arbeit verstehe er nicht als abgehobenen Posten, sondern als Werkzeug, da und dort etwas zu verändern, zu bewegen. „Die Wahlanalyse hat gezeigt: wer sich in seinem Wahlkreis, in seiner Heimat engagiert hat, hat letztlich die besseren Ergebnisse eingefahren“, erklärt Leiner die zum Teil großen Unterschiede bei der Stimmenzahl. „Das sollten wir uns merken.“ 

Mit der Rolle des Exoten kommt der Landtagsabgeordnete, Ziegenbauer Leiner, inzwischen ganz gut zurecht. Das werde sich alles normalisieren. In den ersten Wochen nach der Wahl stand der Grüne Bio-Bauer natürlich im Rampenlicht der Medien. Schon in der Früh beim Melken beobachteten Filmteams großer TV-Sender das Treiben im Ziegenstall. Anrufe, Interviews fast zu jeder Tages- und Nachtzeit. Schwerpunkte seiner politischen Arbeit in München sieht Leiner vor allem bei den Themen Landwirtschaft, Gesundheit und Pflege sowie beim Tourismus. „Unsere Bäuerinnen und Bauern erhalten nicht nur die wertvolle Kulturlandschaft des Allgäus und produzieren gesunde Nahrungsmittel, sie schaffen damit die Voraussetzungen für einen attraktiven Tourismus in der Region.“ Zu diesen Aussagen aus seinem Wahlkampfprospekt stehe er als Allgäuer Bio-Bauer auch als gewählter Abgeordneter.

Josef Gutsmiedl

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