Zukunft im Liftverbund?

Die Betreibergesellschaft der Grasgehrenlifte will das Skigebiet zum Riedbergerhorn hin mit zwei Sesselbahnen ausweiten und erschließen. Nur so seien die traditionellen Skigebiete Grasgehren und Balderschwang auf lange Sicht überlebensfähig. Diese Überlegungen riefen jetzt den Deutschen Alpenverein DAV auf den Plan: Der DAV lehnt die weitere Erschließung am Riedbergerhorn kategorisch ab: Es gehe um einen „einzigartigen und sensiblen Naturraum“, den es zu erhalten gelte. In einer ersten Diskussionsrunde trafen in Obermaiselstein die Meinungen aufeinander. Eine Umweltverträglichkeitsstudie, von den Liftbetreibern in Auftrag gegeben, soll in Kürze vorliegen.

„Die kleinen Skigebiete werden sich schwer tun, zu überleben“, meinte der Geschäftsführer der Grasgehren-Lifte, Berni Huber. Die Wertschöpfung pro Skifahrer und Tag hinken im Vergleich mit größeren Skigebieten hinterher: „Wir sind einfach nicht Existenz sichernd“, räumt Huber ein. Schneesicher zwar, doch mit dem Handicap der steilen Passstraße und der Kleinräumigkeit belastet. Die Pläne, das Skigebiet attraktiver zu machen, zielen darauf ab, über zwei Sesselbahnen den Anschluss an das benachbarte - ebenfalls kleine - Skigebiet in Balderschwang zu erreichen. Ein Schulterschluss, den auch Balderschwangs Bürgermeister Werner Fritz begrüßen würde: „Wir sind fast zu 100 Prozent vom Tourismus abhängig und der Wintersport stützt sich bei uns auf funktionierende Skigebiete.“ Ein Zusammenschluss „mit relativ geringem Aufwand“ würde weiterhelfen. „Sonst wird’s schwer für uns. Wir kämpfen darum!“ Diesseits des Passes lenkt Obermaiselsteins Bürgermeister, Peter Stehle, den Blick auf den Nachbarort Bolsterlang: Mit der Modernisierung der dortigen Bergbahn habe man eine Steigerung der Übernachtungszahlen um 23 Prozent zu verzeichnen. Es gehe um die langfristige Sicherung des Standortes, um Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft. Das Kapital Umwelt und Natur könne trotzdem erhalten werden, meint der Bürgermeister. Ein Liftverbund sei „unverzichtbar“. Die Bevölkerung sehe das auch so. „Ringsum wird aufgerüstet, während unsere Attraktivität abnimmt“, sagt Stehle. Der Alpenverein versteht sich als Wortführer weiterer Naturschutzverbände und lehnt das Erschließungsprojekt ab. Das Riedbergerhorn sei „das Skitourengebiet der Region“ schlechthin. Durch die Erschließung würde das Riedbergerhorn entwertet - als Tourenberg ebenso wie als wertvoller Lebensraum. Das Gebiet gelte als als wesentliches „Quellgebiet für den Birkhuhnbestand“, wie Wildbiologe Albin Zeitler feststellt. Ein Lebensraum, den man nicht einfach verschieben könne, um Platz für Pisten zu gewinnen. Gegen eine weitere Erschließung sprächen vor allem die Inhalte des Bayerischen Alpenplans, stellt Manfred Berger vom DAV fest. Ein Liftprojekt im Bereich der Schutzzone C, in der das Riedbergerhorn liegt, wäre der erste Fall in dem in diese Tabuzone eingegriffen würde. „Der DAV versteht sich als Hüter des Alpenplanes“, betont Berger und warnt vor einem Präzedenzfall. Fischens ehemaliger Bürgermeister, Toni Vogler, sieht den Zusammenschluss der kleinen Skigebiete als absolut notwendig an: „Sonst sind Grasgehren und Balderschwang in zehn Jahren nicht mehr lohnend.“ Es gehe nicht um Bergbahnen, sondern um Existenzen, meint Vogler ausgewühlt und erntet den Beifall von gut 150 Besuchern der Podiumsdiskussion. Der Alpenverein dürfe sich nicht als Hüter der Alpen sehen: „Überdenken Sie Ihre Haltung!“ Auf der gleichen Linie argumentierte Hotelier Rudi Torghele aus Balderschwang: „Für uns ist das kein Politikum, sondern eine Frage der Existenz.“ Es gebe hier keine Alternative zum Wintersport. Jetzt sei zunächst das Gutachten abzuwarten, meint Berni Huber. Dann erst könnten Entscheidungen über ein Antragsverfahren getroffen werden und Planungen anlaufen. Beim DAV sei man sich sehr wohl bewusst, dass der Skisport die wichtigste Säule des Tourismus darstelle, fasst Manfred Scheuermann die Haltung seines Verbandes zusammen. Aber gegen solche Pläne müsse sich der Alpenverein aussprechen. „Wir werden im Gespräch bleiben“, versichert Manfred Berger abschließend. Wenn das Gutachten auf dem Tisch liege, werde man prüfen „wie es aussieht“, zeigt er sich optimistisch.

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