Himmel 4.0

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Gebhard Kaiser, Vorsitzender des Kolping-Bildungswerks (von links), Gastredner Erik Händeler, Sonja Tomaschek, Vorsitzende des Kolpingwerks Diözesanverband Augsburg, und Herbert Barthelmes, stellvertretender Vorsitzender des Kolping-Bildungswerks.

Bad Wörishofen – Mehr als 100 Vertreter aus Kirche, Politik und Wirtschaft folgten der Einladung von Kolping in der Diözese Augsburg und kamen zu „Kolping & Wirtschaft“ in die KurOase im Kloster in Bad Wörishofen. Die Begegnungsveranstaltung steht stets unter einem anderen aktuellen Thema.

In diesem Jahr ging Erik Händeler, stellvertretender Vorsitzender des KKV Landesverbandes Bayern der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, auf wirtschaftliche Veränderungen und neue Chancen für den christlichen Glauben im Zeitalter der Digitalisierung ein.

Es sei bereits zu einer festen Tradition geworden, dass die Veranstaltung am Josefstag stattfinde, stellte Landrat a.D. Gebhard Kaiser, Vorsitzender des Kolping-Bildungswerks in der Diözese Augsburg, bei der Begrüßung heraus. Daher nutze er die Gelegenheit, den anwesenden Josefs zum Namenstag zu gratulieren, allen voran Staatsminister a.D. Josef Miller. Auch Bezirksrätin Renate Deniffel, einige Bürgermeister und Stadträte, Vertreter der Arbeitsagenturen und Jobcenter – darunter Maria Amtmann, neue Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen – und zahlreiche Teilnehmer aus der Wirtschaft und aus Partnerverbänden waren der Einladung in die KurOase im Kloster gefolgt. Neben einigen Vorsitzende der Kolpingsfamilien und den Leitern der verschiedenen Kolping Akademien begrüßte Kaiser auch Kolping-Diözesanpräses Alois Zeller, dessen Vorgänger Pfarrer Msgr. Josef Hosp sowie den Vorstand und die Geschäftsleitung von Kolping in der Diözese Augsburg. Seine Kollegin Sonja Tomaschek, Vorsitzende des Kolpingwerks Diözesanverband Augsburg, dankte in ihren Schlussworten dem Referenten Erik Händeler für sein „lebendiges Hinführen auf 4.0“.

Um die aktuelle wirtschaftliche Situation verstehen und einordnen und Prognosen für die Zukunft aufstellen zu können, sei es nötig, sich einen Überblick über die historischen wirtschaftlichen Veränderungen zu verschaffen, so Händeler. Die Grundlage für seine Ausführungen bildete die sogenannte Kondratieff-Theorie, die Theorie der langen Konjunkturwellen. Die Geschichte könne in verschiedene Strukturzyklen eingeteilt werden, die mehrere Jahrzehnte lang dauern. Dem wirtschaftlichen Aufschwung, der geprägt sei von hohen Investitionen in neue Techniken, folge stets der Abschwung, wenn sich die Innovationen allgemein durchgesetzt haben und sich daher keine weiteren Investitionen mehr lohnen. Der dann folgenden Wirtschaftskrise könne nur entgegengewirkt werden, wenn die Menschen erkennen, in welche Ressource als nächstes massiv investiert werden müsse, um die Produktivität zu steigern.

Die vergangenen Jahrzehnte waren laut Händeler geprägt von den Neuerungen im Bereich der Computertechnik. Computer ermöglichten, zeit- und ressourcensparender zu arbeiten und somit die Arbeit immer produktiver zu machen. „Doch die Arbeit, die uns der Computer abnehmen konnte, hat er uns weitestgehend abgenommen“, so Händeler. Hohe Investitionen in computertechnische Neuerungen würden sich nicht mehr lohnen, da dadurch die Produktivität und der Wohlstand nur noch in einem geringen Umfang gesteigert werden könnten. Mit Blick auf die verschiedenen Arbeitsmarktsektoren stellte Händeler heraus, dass derzeit der einzige steigende Sektor die Informationsbranche sei. „Hier liegt die Arbeit der Zukunft“, so der Wirtschaftswissenschaftler.

Die neue Wissensgesellschaft sei stark von Zusammenarbeit geprägt. Je komplexer die Sachverhalte seien, desto mehr seien die Menschen auf die Hilfe anderer angewiesen. Dafür müsse es klare Normen geben, die die Zusammenarbeit regeln. „Der Wohlstand hängt in der Wissensgesellschaft vom Sozialverhalten ab“, so Händeler. Eine gute Basis dafür sei der christliche Glaube und das Evangelium, das eine Anleitung für ein harmonisches Zusammenleben biete.

Eine wichtige Grundlage für die produktive Wissensgesellschaft sei neben den Normen und Werten auch die Ressource „Gesundheit“: „Ich glaube, dass Gesundheit der knappste Produktionsfaktor ist“, so Händeler. Dabei gehe es viel weniger um die materielle, körperliche, sondern um die immaterielle, seelische Gesundheit. Händeler forderte daher, in die Gesundheit zu investieren und eine neue Arbeitskultur zu etablieren: „Wir brauchen eine Arbeitswelt, in der es möglich ist, gesund im Beruf alt zu werden.“ Durch den Computer sei das Leben beschleunigt worden, was wiederum dazu führte, dass erholsame Pausen wegfielen. Diesen Stress könne der Mensch auf Dauer nicht aushalten. Händeler schlug daher vor, „weniger zu arbeiten, um länger arbeiten zu können“. Dies könne durch individuelle Teilzeitregelungen oder persönliche Auszeiten ermöglicht werden.

Passenderweise fand die Veranstaltung in der KurOase im Kloster statt – dem Ort, an dem Sebastian Kneipp als Beichtvater der Dominikanerinnen vor rund 150 Jahren seine Gesundheitslehre entwickelt hat. In der KurOase im Kloster, die in das Dominikanerinnenkloster integriert ist und von Kolping Augsburg betrieben wird, wird die Kneipp’sche Lehre von den fünf Säulen der Gesundheit bis heute praktiziert. Gut geschützt hinter den Klostermauern ist die Kur­Oase im Kloster der ideale Ort, um sich zurückzuziehen und eine Pause vom Alltag einzulegen.

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