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Zwang zur Höhe: Wohnbau-Projekt in Fischen-Weiler soll Fläche sparen

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Von: Josef Gutsmiedl

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Baulücke Fischen-Weiler
Wie diese Baulücke „gefüllt“ wird, ist noch nicht bis ins Detail geklärt. Jedenfalls soll bezahlbarer Wohnraum entstehen und viel Grünfläche erhalten belieben. © Josef Gutsmiedl

Fischen – Bei einer neuerlichen Bürgerinformation zum geplanten Wohnbauprojekt in Fischen-Weiler erläuterten Bürgermeister, Architekt und Investor das Vorhaben, denn es gibt Bedenken seitens der Anwohner.

Vor der Informationsveranstaltung hatten rund 30 Bürgerinnen und Bürger aus dem Ortsteil ihre Bedenken gegen die Pläne schriftlich formuliert. Viele Details des Vorhabens können allerdings erst im Zuge des Genehmigungsverfahrens konkret definiert werden. Erst dann, so Bürgermeister Bruno Sauter, werden sämtliche Einwände von Betroffenen behandelt, ebenso die Stellungnahmen der „Träger öffentlichen Belange“ und der Behörden.

„Der Prozess beginnt erst“, stellte Bürgermeister Bruno Sauter in der Versammlung fest. Nahezu alle Bedenken, die bislang vorgebracht worden seien, könnten erst in einer späteren Planungs- und Genehmigungsphase aufgegriffen werden. Gegebenenfalls könne das auch zu einer Umplanung führen. „Aber jetzt ist es dafür zu früh.“ Mit der neuerlichen Informationsmöglichkeit für die Anwohner wolle die Gemeinde mehr Klarheit in die Diskussion bringen und einige Missverständnisse ausräumen.

Fischen-Weiler: „Pilotprojekt für das Bauen im ländlichen Raum“

Derzeit liege noch keine „ausgereifte Planung“ für das Areal in Weiler vor, ergänzte Architektin Ursula Müller, selbst Gemeinderätin in Fischen. Man befasse sich mit dem Planentwurf des Büros Renn Architekten, der sich als klarer Sieger unter vier Entwürfen erwiesen habe (wir berichteten). „Das könnte zu einem Pilotprojekt für das Bauen im ländlichen Raum werden“, brachte Ursula Müller die Einschätzung der fachlichen Jury auf den Punkt.

Architekt Hans-Martin Renn sieht seinen Entwurf angelehnt an die früheren landwirtschaftlichen Gebäude in Weiler und somit als „Auseinandersetzung mit dem Ort“. Eine Weiterentwicklung laufe auf größere Häuser hinaus. Weniger verfügbare Fläche bedeute mehr Höhe.

Erster Entwurf überzeugte nicht

Mit dem ersten Wurf des Investors – praktisch 16 Einzelhäuser – konnte sich die Gemeinde nicht anfreunden. Zwar bestehe Baurecht, doch der Gemeinderat fand, „es müsse was Besseres möglich sein“, erinnerte der Bürgermeister an die Vorgeschichte. Die Kommune hatte zunächst eine befristete Veränderungssperre erlassen und sich an die Ausarbeitung eines Konzeptes zum „Zeitgemäßen Wohnbau“ gemacht. „Nicht, um dem Investor etwas zu ermöglichen, sondern, um mitreden zu können“, stellte Sauter klar und konterte den Vorwurf, dem Investor in die Karten zu spielen.

Das Mitspracherecht der Gemeinde werde quasi verbrieft in einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan, der genau regeln könne „was geht und was nicht geht“. Inzwischen hat die Kommune auch die zwingende Vorgabe des 65-Zentimeter-Kniestocks „über Bord geworfen“, sagte Sauter. Das reduziere Gebäudehöhen zum Teil deutlich.

Auf Wunsch der Gemeinde

Auch Investor Josi Kreuzhagen von der K&K Panorama Wohnbau blieb nicht untätig und stellte schließlich eine neue Planung vor, die eine wesentlich lockerere Bebauung vorsieht als der erste Entwurf für die knapp 5 000 Quadratmeter große Baulücke am Ortsrand. „Sicher, es besteht Baurecht. Aber wir wollen mit der Gemeinde etwas Vernünftiges machen“, unterstrich Kreuzhagen. Er wolle nicht partout mit der Gemeinde streiten. Im Gegenteil: „Wir gehen mit dem Wunsch der Gemeinde.“ Danach habe sich er als Investor zu richten, auch wenn er nicht mit allem einverstanden sei. Auch er erkenne, dass sich das Bauen generell verändere und weiter verändern werde.

Architektin Ursula Müller meinte, dass es „nicht weiter in die Breite“ gehen könne, wenn man bezahlbaren Wohnraum schaffen wolle. „Wie viele Generationen halten wir das noch durch?“, fragte sie und ergänzte: „Wir müssen in die Höhe, auch wenn es dem einen oder anderen nicht gefällt.“

Lärm, Verkehr und Gebäudehöhe stößt Nachbarn auf

Genau dieser Zwang zur Höhe stößt in Weiler einigen Nachbarn der zukünftigen Wohnbebauung auf. Auch die zukünftige Verkehrs- und Parkraumsituation werde zu wenig betrachtet, oder die Auswirkungen der Tiefgarage mit fast 30 Stellplätzen auf das aus dem angrenzenden Hangbereich sickernde Wasser.

Und Guido Stenger, dessen Frühstückspension genau gegenüber der Baustelle liegen wird, fürchtet um sein Geschäft: Mindestens eine komplette Saison müsse er „vergessen“, da die Zimmer in seinem Haus während der Bauphase praktisch unvermietbar seien. „Da ist mein Einkommen weg.“ Immerhin sei Fischen ein anerkannter Heilklimatischer Luftkurort für den besondere Bedingungen hinsichtlich Lärmemissionen gelten, betont Stenger.

Investor Kreuzhagen hingegen verwies auf das erklärte Ziel, den Rohbau möglichst schnell hochzuziehen. Der anschließende Ausbau mit vorgefertigten Holzbauelementen sei schnell gemacht und kaum lärmträchtig. Bürgermeister Sauter: „Jeder hier hat schon gebaut – ohne Auswirkungen geht das nicht.“ Auch wenn er die Befürchtungen verstehe, sei es besser, möglichst in einem Rutsch zu bauen. „Alles andere bringt nichts!“

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