Zweckgemeinschaft in der Klinik

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ELKE-SABINE BARTH, Immenstadt - Der Immenstädter Einzelhandelsverband „Impuls“ war Initiator eines Informationsabends, bei dem Politiker, Ärzte, Bürger und Vertreter des Immenstädter Einzelhandels in einem offenen Gespräch ihre Standpunkte zum Thema „Ärztehaus am Immenstädter Klinikum“ austauschten. Offenbar führt an dieser „Zweckgemeinschaft“ kein Weg vorbei, so das Fazit der Runde. Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft informierten über ihre Entscheidungsgrundlage und stellten sich in der Diskussion den Fragen der Anwesenden. Während der Immenstädter Einzelhandel durch den Bau eines Ärztehauses am Klinikum und somit Stadtrand von Immenstadt bedenken anmeldete, legten die politisch Verantwortlichen und beteiligten Fachärzte ihre Argumente für die Konzentration von Fachärzten in einem an die Klinik angeschlossenen Ärztehaus auf den Tisch. Derzeit laufen noch die Verhandlungen mit den entsprechenden Fachärzten. Landrat Gebhard Kaiser betonte: „Das Ärztehaus muss mit einer schwarzen Null laufen! Erst wenn das Interesse der niedergelassenen Fachärzte da ist und die Verträge in trockenen Tüchern sind, kann gebaut werden.“ Andreas Ruland, Geschäftsführer der Kliniken Oberallgäu konkretisierte: Insgesamt handle es sich nur noch um die Verhandlungen mit drei niedergelassene Facharztpraxen aus der Innenstadt: Die Orthopädische Gemeinschaftspraxis Dres. Holger Stöhr, Thomas Ilig und Martin Beuckmann; die internistische Praxis Dres. Walter Glück, Hans-Peter Schweikart und Rainer Schmidt-Honold und die Urologische Facharztpraxis Dr. Pavle Subotic. Die Facharztpraxen von Dr. Michael Maurus - Proktologie - und die gynäkologische Praxis von Frau Dr. Simone Bräuninger wären bereits am Krankenhaus angesiedelt, so Riland. Die Neurologische Praxis von Dr. Hermann Hönmann werde ab 1. Januar ans Klinikum verlegt. Dieser neu geschaffenen Infrastruktur sollen ein ambulantes Operationszentrum, eine Privatklinik mit 20 Betten, eine Apotheke und ein ambulanter Pflegedienst folgen. Die Hauptargumente der vier noch in der Innenstadt ansässigen Fachärzte brachte Dr. Holger Stöhr ein. Nur ein Bruchteil der Patienten komme nach seiner Patientenbefragung mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß in die Praxis. „Wichtig für die Patienten sind daher ausreichende Parkmöglichkeiten, die technische Ausstattung und eine übergreifende Versorgung“, so Stöhr. Die Entwicklung auf dem Gesundheitssektor verlange, gemeinsame Ressourcen zu schaffen und technische, sachliche und personelle Kosten zu teilen. Damit würden übergreifende Strukturen geschaffen und die stationäre wie ambulante Versorgung vernetzt. Dies setze Synergieeffekte frei und vermeide unnötige Doppeluntersuchungen. „In einem an der Klinik angeschlossenen Ärztehaus haben die Fachärzte die Struktur des Krankenhauses hinter sich, um Patienten wohnort- und bürgernah zu versorgen“, betonte der Orthopäde. Dipl.-Geogr. Christian Hörmann von der CIMA, einer Beratungsfirma für städtebauliche Projekte, der im Auftrag der Stadtverwaltung und des Einzelhandels das Projekt Innenstadtentwicklung betreut, bestätigte: „Es ist anzunehmen, das es eine Frequenzminderung in der Innenstadt geben wird, da die Arztpraxen ihren Patientenstamm mitnehmen. Konkrete Statistiken über die Auswirkungen nach einer Zentrierung am Stadtrand gibt es jedoch von vergleichbaren Städten nicht.“ Landrat Gebhard Kaiser wurde dessen „Doppelfunktion“ vorgeworfen als Klinik-Aufsichtsratsvorsitzender und politisch Verantwortlicher gegenüber der Bürgerschaft wie Handel. Kaiser konterte, er müsse alle Interessen vertreten, dies wäre nicht immer leicht. „Die Situation im Gesundheitswesen und die demographische Entwicklung zwingt uns, uns zu verändern“, so Kaiser. Das Gebot der Stunde sei das Netzwerk. Nur durch eine gute Verzahnung und Vernetzung der niedergelassenen Ärzte mit dem Klinikum, könne zukünftig flächendeckend eine gute Versorgung der Bürger im südlichen Oberallgäu gewährleistet werden. Kaiser: „Wenn wir uns im 21. Jahrhundert so bewegen wie im 19. Jahrhundert, dann ist das nicht zukunftsfähig.“ Das große Ziel und die zukünftige Herausforderung wird sein, mittelfristig das Krankenhaus halten zu können, fasste Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp die Herausforderung zusammen: Aus dem Standpunkt der Ärzteschaft wäre deutlich geworden, dass durch die Veränderungen im Gesundheitswesen die Ärzteschaft gezwungen sei, zu optimieren, um zu überleben. Durch die äußeren Zwänge gebe es zum Ärztehaus am Klinikum gar keine Alternative, wenn man Immenstadt als Krankenhaus-Standort auf lange Sicht halten wolle.

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