"2009 war ein Rekordjahr"

Die Zahl jugendlicher Straftäter im Landkreis Starnberg ist gestiegen – um sechs Prozent. Im vergangenen Jahr betreute der Verein „Die Brücke“ in Starnberg insgesamt 382 straffällig gewordene Jugendliche im Alter von 14 bis 21 Jahren. Ein Drittel sind Wiederholungstäter. „2009 war ein Rekordjahr“, erklärte der Vorsitzende des Vereins Gerd Weger. Allerdings sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen – und immer auch abhängig vom Anzeigeverhalten und den Fahndungserfolgen der Polizei. Von einem Anstieg der Jugendkriminalität zu sprechen, ist deshalb noch verfrüht.

Trotzdem beobachtet die Brücke die Tendenz mit Sorgen. Zieht man das Jahr 2008 noch zur Statistik hinzu, hat sich die Zahl der straffälligen Jugendlichen sogar um insgesamt 32 Prozent erhöht. Spitzenreiter bei den Straftaten war auch 2009 der Ladendiebstahl (27 Prozent) – gefolgt von Sachbeschädigung und Körperverletzung mit jeweils elf Prozent. Bei den gestohlenen Sachen handelt es sich meist um Gegenstände wie Zigaretten, Make up, CD`s oder dergleichen. Die Gründe, warum ein Jugendlicher stiehlt, sind laut Sozialpädagogin Michaela Mathes vielseitig: Oft stecken Mutproben dahinter, aber auch Geldmangel oder Langeweile spielen eine wichtige Rolle. Der Reiz des Verbotenen und die Gefahr erwischt zu werden, löst bei vielen einen gewissen Nervenkitzel aus und macht einen Diebstahl erst interessant. Seit nunmehr 30 Jahren kümmert sich die „Brücke“ um jugendliche Straftäter, die auf Weisung des Gerichts kommen, um soziale Arbeitsstunden zu erledigen und so ihr falsches Handeln in Form von gemeinnütziger Arbeit wieder gut machen können. Die Hauptaufgabe der Mitarbeiter des Ver- eins besteht in der Vermittlung der Jugendlichen an passende Einrichtungen, in denen die jugendlichen Straftäter ihre Sozialstunden leisten können. Aber auch Beratungsgespräche und die Umsetzung von Betreuungsweisungen sind ein wichtiger Bestandteil der drei Brücke-Sozialpädagogen. Sie helfen den Jugendlichen bei der Bewältigung der Tat, in dem sie ihnen die Konsequenzen für das weitere Leben verdeutlichen - und motivieren sie zu einer eigenverantwortlichen und selbstständigen Lebensführung. Auch ganz „praktische Lebenshilfe“ wird geleistet, in dem Jugendliche beispielsweise beim Gang zur Agentur für Arbeit begleitet werden. Ein wei- terer Schwerpunkt der Arbeit bei der „Brücke“ ist der Täter-Opfer-Ausgleich, bei dem Täter und Opfer in einem gemeinsamen Gespräch die Möglichkeit haben, sich außergerichtlich zu einigen und sich über eine Wiedergutmachung zu verständigen. Insgesamt leisteten die 271 männlichen und 111 weiblichen jugendlichen Straftäter – von denen 88 Prozent die deutsche Staatsbürgerschaft haben - im vergangenen Jahr 11.107 Sozialstunden.

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