Wo Zuversicht eine Zukunft hat

50 Jahre Lebenshilfe Starnberg – Ein Engagement feiert Jubiläum 

Michael Schanze mit Bus
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Gerade in den Anfangsjahren war die Lebenshilfe Starnberg auf eine finanzielle Unterstützung angewiesen. Der Sänger und Entertainer Michael Schanze unterstützte die Lebenshilfe Starnberg über Jahre hinweg.

In den 70er Jahren gab es im Landkreis Starnberg keine geeigneten Einrichtungen für Kinder mit Behinderung. Die Eltern wollten ihre Kinder nicht mehr außerhalb des Landkreises in „Hilfsschulen“ oder „Heimen“ unterbringen. Deshalb ergriffen sie selbst die Initiative und gründeten die Lebenshilfe Starnberg. Initiatorin und Mitgründerin war die Ärztin Dr. Barbara Eberhard aus Gauting. Ihre Tochter Sabine war von Geburt an spastisch gelähmt und wurde wegen ihrer schweren Behinderung vom Spastikerzentrum München nicht mehr weiter gefördert. Zunächst bildeten Eltern zusammen mit einigen Ärzten und Psychologen einen Arbeitskreis. Mit einem fertigen Plan für eine Sonderschule schloss man sich kurz darauf der Bundesvereinigung Lebenshilfe an. Am 28.1.1971 wurde die Lebenshilfe Kreisvereinigung Starnberg e.V. für geistig und körperlich Behinderte unter der Schirmherrschaft von Landrat Dr. Widmann gegründet.

Dr. Barbara Eberhard

Die Initiatorin und Mitbegründerin Dr. Barbara Eberhard leitete das Unternehmen Lebenshilfe Starnberg bis 1977 ein hauptamtlicher Geschäftsführer eingestellt wurde. Sie war langjährige Vorsitzende, Vorstandsvorsitzende und Ehrenvorsitzende. 2004 ist sie nach 33-jähriger Tätigkeit aus der Vorstandschaft ausgeschieden und verstarb 2012. Das Barbara Eberhard Kinderhaus in Starnberg wurde nach ihr benannt. 

Eine Idee wird Realität – die erste Schule in Garatshausen

„Eltern von Kindern mit Behinderung lösten Schulfrage selbst“.
Als in Garatshausen bei Feldafing eine ehemalige Kinderklinik zum Kauf angeboten wurde, handelten die Eltern mutig. Sie pachteten das riesige Parkgrundstück mit dem alten Gebäude am See. Innerhalb von wenigen Monaten schafften sie es, die Räume für den Schulbetrieb nutzbar zu machen und alle notwendigen Genehmigungen von den Behörden zu bekommen. Am 9. September 1971 wurde die erste Sonderschule für geistig und körperlich behinderte Kinder im Landkreis Starnberg mit Tagesstätte und Vorschule eröffnet. Dazu gehörten ein 18.000 Quadratmeter großer Park und ein Seegrundstück mit Badehaus. 35 Jungen und Mädchen aus dem Landkreis wurden dort unterrichtet und gefördert.

Ideelle und finanzielle Unterstützung durch Prominente im Landkreis in den Anfangsjahren

Gerade in den Anfangsjahren war die Lebenshilfe Starnberg auf eine finanzielle Unterstützung angewiesen. Der Sänger und Entertainer Michael Schanze unterstützte die Lebenshilfe Starnberg über Jahre hinweg. Hansi Burg vererbte alle Drehbücher, Rechte auf Schallplatten, Kostüme und Möbel von Hans Albers an die Lebenshilfe Starnberg. Dieter Thomas Heck organisierte 1972 ein Fußballspiel der Schlagerstars gegen den TSV Starnberg. Die Mannschaft bestand aus Roberto Blanco, Heino, Michael Schanze, Claus Wilcke, Les Humphries, Martin Mann, Michael Holm, Hans Hass jun., Jack White, Randolph Rose, Peter Orloff, Peter Rubin, Peter Maffey, Juliane Werding, Ramona und Dieter Thomas Heck. Zehntausend Zuschauer drängten sich auf dem Fußballplatz. Insgesamt wurden 19 Tore geschossen und 20.000 D-Mark gespendet.

Gründung von weiteren Einrichtungen im Landkreis Starnberg

In den nachfolgenden Jahren wurden zahlreiche weitere Einrichtungen von der Lebenshilfe im Landkreis gegründet. Die Lebenshilfe Starnberg hat dabei immer die Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen aufgegriffen und dafür passende Angebote geschaffen.

70er Jahre – Große Nachfrage, neue Angebote

Um Säuglinge und Kleinkinder mit Behinderung schon von klein auf – also vor der Einschulung zu fördern, damit keine wertvolle Zeit in der Entwicklung der Kinder verstreicht – wurde 1976 von der Lebenshilfe die erste Frühförderstelle auf dem Schulgelände in Garatshausen eröffnet. Für die Schulabgänger richtete man im gleichen Jahr eine provisorische Werkstatt ein.  

Die 80er – Wohnheime, Heilpädagogische Kindergärten und Heilpädagogische Horte werden eröffnet

In den 80er Jahren wurden mit der Eröffnung von Heilpädagogischen Kindergärten und Heilpädagogischen Horten die ersten Einrichtungen für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und Verhaltensauffälligkeiten gegründet. Auch im Erwachsenenbereich kamen neue Einrichtungen dazu. 1985 wurde das erste Wohnheim für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung in der Hanfelder Straße und 1989 im Prinzenweg eröffnet. Die Schule und die Heilpädagogische Tagesstätte zogen 1988 in das neue Sonderschulzentrum nach Söcking. Die Schule erhielt den Namen Franziskus-Schule.

Die 90er – Neuorganisation und weitere Hilfsangebote

Einen wichtigen Schritt im Rahmen der Organisationsentwicklung leitete der Vorstand und die Geschäftsführung der Lebenshilfe Starnberg 1996 mit der Gründung der gemeinnützigen GmbH ein. Die gemeinnützige GmbH ist seitdem für den operativen Bereich zuständig und der Schwerpunkt der Aufgaben der Vorstandsmitglieder des Vereins liegt in der strategischen Ausrichtung der Lebenshilfe Starnberg. Um Familien von Menschen mit Behinderung bei der Betreuung zu unterstützen, wurden 1991 die Offenen Hilfen gegründet. Auch eine neue Wohnform für erwachsene Menschen mit Behinderung wurde 1996 ins Leben gerufen: das Ambulant Unterstützte Wohnen.

2000 bis 2010 – Mit Wachstum ins neue Jahrtausend

Um Kinder, die in ihrer Entwicklung gefährdet sind, bereits in der Regel-Kindertageseinrichtung zu unterstützen, gründete die Lebenshilfe Starnberg im Jahr 2000 den Beratungsfachdienst für Kindertageseinrichtungen. 2007 startete der Dienst der Elternberatung, an den sich seitdem Eltern von Behinderung mit ihren Fragen wenden können. 2007 wird das dritte Wohnheim für erwachsene Menschen mit Behinderung in der Leutstettener Straße eröffnet. Die Geschäftsstelle zieht im Erdgeschoss des Gebäudes ein.

2010 bis 2020 – neue Aufgaben und Initiativen

2012 eröffnete die Lebenshilfe Starnberg das Barbara Eberhard Kinderhaus in Söcking – benannt nach der Gründerin Dr. Barbara Eberhard – und machte damit einen wichtigen Schritt in Richtung Inklusion und einen Einstieg in die Betreuung von Kindern ohne Behinderung.

Um die Finanzierung der vielfältigen Angebote und Projekte der Lebenshilfe Starnberg zu unterstützen, wurde 2014 die Stiftung Lebenshilfe Starnberg gegründet. Zweck der Stiftung ist die Unterstützung der Arbeit der Lebenshilfe Starnberg und ihren Einrichtungen. Am 14. November 2014 gab es ein ganz besonderes Ereignis für die Lebenshilfe Starnberg und die Bewohnerinnen und Bewohner aus den Wohnheimen: der Austro-Pop Sänger Rainhard Fendrich spielte mit seiner Band im Stadtsaal Fürstenfeldbruck für die Stiftung Lebenshilfe Starnberg.

2015 wurde ein weiteres inklusives Kinderhaus in Gauting eröffnet mit zwei Krippen-, zwei Kindergarten- und zwei Hortgruppen. Damit Eltern von früh- und risikogeborenen Kindern Zuhause gut zurechtkommen, bietet die Lebenshilfe Starnberg seit 2015 auch die Har.le.kin-Nachsorge an. Diese berät und begleitet Familien nach der Geburt des Kindes und der Entlassung aus der Klinik. Im August 2015 eröffnete die Lebenshilfe Starnberg eine weitere alternative Wohnform für Menschen mit geistiger Behinderung in Gauting: die Außenwohngruppe.

In den letzten Jahren verstärkte sich das Thema Inklusion in den Schulen und Kindertageseinrichtungen im Landkreis. Um Kinder mit besonderem Förderbedarf die Möglichkeit einzuräumen, eine Regelschule zu besuchen oder einen Regelkindergarten, hat die Lebenshilfe Starnberg 2017 die Schul- und Individualbegleitung aufgebaut.

Lebenshilfe Starnberg: umfassendes Leistungsspektrum für Menschen mit Behinderung

Erwachsene Menschen mit Behinderung werden unterstützt und gefördert.
Erwachsene Menschen mit Behinderung werden unterstützt und gefördert. © Lebenshilfe Starnberg
Frühförderung von Kindern schon in den 70er Jahren.
Frühförderung von Kindern schon in den 70er Jahren. © Lebenshilfe Starnberg
Frühförderung von Kindern mit Spiel und Spaß.
Frühförderung von Kindern mit Spiel und Spaß. © Lebenshilfe Starnberg
Zwei Menschen mit Behinderung vor einer Portrait-Wand.
Künstlerisch unterwegs in Gilching. © Lebenshilfe Starnberg
Bei der Graffiti-Aktion hatten die Teilnehmer besonders viel Spaß!
Bei der Graffiti-Aktion hatten die Teilnehmer besonders viel Spaß! © Lebenshilfe Starnberg
Bei der Graffiti-Aktion hatten die Teilnehmer besonders viel Spaß!
Bei der Graffiti-Aktion hatten die Teilnehmer besonders viel Spaß! © Lebenshilfe Starnberg
Schon damals wurden Kinder mit Behinderung liebevoll umsorgt und gefördert.
Schon damals wurden Kinder mit Behinderung liebevoll umsorgt und gefördert. © Lebenshilfe Starnberg
Kinder in einer Kindereinrichtung
In den Kindereinrichtungen wird gefördert und gespielt. © Lebenshilfe Starnberg
Erwachsene Menschen mit Behinderung
Zusammenhalt und Förderung bei der Lebenshilfe Starnberg! © Lebenshilfe Starnberg
Sänger und Entertainer Michael Schanze in einer Kindereinrichtung.
Der Sänger und Entertainer Michael Schanze unterstützte die Lebenshilfe Starnberg über Jahre hinweg © Lebenshilfe Starnberg
Barbara Eberhard Kinderhaus in Starnberg
Das Barbara Eberhard Kinderhaus in Starnberg wurde nach der Initiatorin und Mitbegründerin Dr. Barbara Eberhard benannt. © Lebenshilfe Starnberg
50 Jahre füreinander Logo
50 Jahre füreinander da! © Lebenshilfe Starnberg
50 Jahre füreinander auf der Ausstellung.
50 Jahre füreinander auf der Ausstellung. © Lebenshilfe Starnberg
Kunstaktion „Mia kean zamm“
Kunstaktion „Mia kean zamm“ © Lebenshilfe Starnberg
50 Jahre füreinander Plakat
50 Jahre füreinander. © Lebenshilfe Starnberg

Die Lebenshilfe Starnberg heute

Die Lebenshilfe Starnberg hat sich in den letzten 50 Jahren zu einem mittelständischen Unternehmen im Landkreis mit 17 Einrichtungen und 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickelt und bietet ein umfassendes Leistungsspektrum an: angefangen vom Kleinkind in der Frühförderung, über die Förderschule bis hin zum Wohnen in einer der vier Wohneinrichtungen der Lebenshilfe.

Wie sieht die zukünftige Entwicklung der Lebenshilfe Starnberg aus?

Die individuelle Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben soll verstärkt und ausgebaut werden. Es werden weitere Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung geschaffen. Eine neue Wohnmöglichkeit für acht Menschen mit Behinderung entsteht beispielsweise in Tutzing in einem Mehrfamilienhaus in Kooperation mit dem Verband Wohnen. Die Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in Regelschulen soll mit der Unterstützung von Diensten der Lebenshilfe weiterentwickelt und verstärkt werden. Neben den Partnerklassen in der Grundschule, wünscht sich die Lebenshilfe auch Partnerklassen in der Mittelschule, um die Inklusion auch bei Schülern ab der 5. Klasse zu ermöglichen.

Um all dies umsetzen zu können, braucht es gutes und ausreichendes Personal. Dies ist mit dem derzeit angespannten Arbeitsmarkt für Mitarbeitende in sozialen Einrichtungen eine große Herausforderung für die Lebenshilfe. Das Thema Personal braucht neben dem Ausbau von Angeboten große Aufmerksamkeit. Die Lebenshilfe Starnberg ergreift vielfältige Maßnahmen, um die Mitarbeitenden zu gewinnen und zu halten.

Aktionen im Jubiläumsjahr

Das Jubiläumsjahr der Lebenshilfe Starnberg wird von einigen Aktionen begleitet. Im Januar ist das Jubiläumsbuch „50 Jahre Füreinander“ mit allen Geschichten rund um die Lebenshilfe Starnberg, den Einrichtungen und den betreuten Menschen erschienen. Außerdem hat die Francis Band aus der Franziskus-Schule und der Heilpädagogischen Tagesstätte zusammen mit Erik Berthold eine Jubiläums-CD herausgebracht. Mit der Kunstaktion „mia kean zamm“ machten Schülerinnen und Schüler aus der Franziskus-Schule vor den Sommerferien auf Menschen mit Behinderung aufmerksam und sprühten mit Kreide-Graffiti ihre Gesichter an die frequentierte Plätze und Straßen in Starnberg. Diese Street-Art-Portraits sind auch Bestandteil der Wanderausstellung zum 50-jährigen Jubiläum, die bis Ende der Woche im Foyer der Schlossberghalle in Starnberg zu sehen ist. Anfang November wandert die Ausstellung dann ins Gautinger Rathaus und Ende November in die VR Bank nach Herrsching. Auf Facebook und auf Instagram kann man mehr über die Aktionen im Jubiläumsjahr erfahren.

Kontakt

Telefon: (081 51) 276-0
Telefax: (081 51) 276-16
E-Mail: info@lebenshilfe-starnberg.de

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