Aus dem Gericht

Oma (82) wegen Beihilfe zu Betrügerei des Enkels zu 600 Euro Geldstrafe verurteilt

+

Gilching – Nun musste sich auch noch die Oma vor Gericht verantworten: Weil ihr 21-jähriger, bereits einschlägig vorbestrafter Enkel für Internet-Betrügereien im Jahr 2016 Konto, Namen und Adressdaten der 82-jährigen Rentnerin aus Gilching benutzt hatte, wurde die alte Dame am Starnberger Amtsgericht wegen Betruges angeklagt.

Wie berichtet, war der Enkel erst vor kurzem wegen zahlloser anderer Betrugsdelikte vom Landgericht zu einer Vollzugsstrafe verurteilt worden, bei denen er ebenfalls zu Lasten seiner Großmutter agiert hatte. Im konkreten Fall hatte er im August des Vorjahres via Ebay ein Notstromaggregat im Wert von 200 Euro zum Verkauf angeboten, sich das Geld dafür von einem Kunden überweisen lassen, aber die Ware niemals geliefert. Die Staatsanwaltschaft hielt nun der Großmutter des Betrügers vor, dass sie für dessen Treiben ihr Konto zur Verfügung gestellt habe: „Ich weiß auch nicht, wie er dazu kam - er durfte damals kein eigenes Konto mehr haben, weil er im Gefängnis saß“, so die 82-jährige Angeklagte. Im Laufe der Verhandlung räumte sie freilich ein, dass sie dem Enkel ihre Kontokarte dennoch „immer wieder mal“ zur Verfügung gestellt hatte. Sie habe ihre Kontokarte aber „immer sofort wieder zurück-gefordert“, so die Rentnerin - der 21-Jährige hatte offenbar jeweils zuvor das von geprellten Ebay-Kunden überwiesene Geld abgehoben. Als Zeuge von zwei Polizeibeamten zum Prozess vorgeführt, räumte der frisch verurteilte und inhaftierte junge Mann die Vorgehensweise zumindest bei dieser einen Internet-Betrügerei umstandslos ein: „Ich schäme mich auch dafür, dass meine Oma heute hier vor Gericht steht“, so der blass wirkende 21-Jährige. Ein ebenfalls als Zeuge gehörter Sachbearbeiter der Polizeiinspektion Germering ließ durchblicken, dass es wegen ähnlicher Vorkommnisse „mittlerweile 130 Strafanzeigen“ und „96 neue Fälle“ gebe, die erst noch ausermittelt werden müssten. Der Beamte hatte mehrere Leitz-Ordner in den Gerichtssaal mitgebracht und sagte: „Wenn ich alles dabei hätte, müsste ich hier mit dem Kombi anfahren!“ Dem Gericht unter Vorsitz von Brigitte Braun berichtete er davon, dass er der Oma des Serien-Betrügers bereits nach dessen erster Haftstrafe dringend dazu geraten habe, den bei ihr später in Gilching untergekommenen Enkel und auch den Sohn „daheim rauszuschmeißen und denen kein Geld mehr zu geben“, weil sie sonst irgendwann pleite wäre. Außerdem habe er die 82-Jährige davor gewarnt, dass sie wegen dessen „Machenschaften im großen Stil“ eines Tages auch selber strafrechtlich belangt werden könnte: „Davon habe ich sogar eine Aktennotiz gemacht“, so der Sachbearbeiter. Die angeklagte Rentnerin schien trotz der erschreckenden Dimensionen noch immer die Fassung zu wahren: „Ich kriegte schon gelegentlich Anrufe von irgendwelchen Kunden“, erzählte sie in aller Ruhe, „ich habe meinem Enkel halt vertraut, aber das alles sicher-lich nicht gefördert.“ Von dem ergaunerten Geld habe sie im Übrigen „nie etwas gesehen“. Staatsanwaltschaft und Gericht sahen schließlich den Tatbestand der Beihilfe zum Betrug als erfüllt an – die fast 83-Jährige, finanziell einigermaßen gut gestellte Gilchingerin wurde zu 600 Euro Geldstrafe (20 Tagessätze zu je 30 Euro) verurteilt. Amtsrichterin Braun zur Gilchingerin: „Sie sind da zwar irgendwie rein geraten und haben sicherlich keine kriminelle Energie entwickelt, aber ganz straffrei können wir das auch nicht lassen.“ Die Rentnerin nahm´s mit Gleichmut: „Jetzt bin ich so alt geworden und noch nie vor Gericht gestanden...“ mps

Auch interessant

Meistgelesen

"Jamaika-Aus" wurde gewählt
"Jamaika-Aus" wurde gewählt
Relativ steile Karriere hingelegt
Relativ steile Karriere hingelegt
KurTheater Tutzing erhält FFF-Kino-Programmpreis
KurTheater Tutzing erhält FFF-Kino-Programmpreis
Ausschreibung kann beginnen
Ausschreibung kann beginnen

Kommentare