Abschuss im Morgengrauen

Unterschriftenübergabe gegen die Bejagung der Gänse: (v.l.) Sophia Ulrich, Bürgermeister Stephan Wanner, Günter Schorn, Elke Debus und Julia Krug. Foto: Jaksch

Die Gemeinde Tutzing wird die umstrittene Bejagung von Kanada- und Graugänsen auch heuer fortsetzen. Mit zwölf gegen sechs Stimmen entschied sich das Plenum vergangene Woche dafür, den Antrag auf eine entsprechende Ausnahmegenehmigung beim Landratsamt zu stellen.

Die Untere Jagdschutzbehörde soll demnach wie schon seit 2008 die in „befriedeten Bereichen“ der Gemeinde geltende Schonzeit für Kanada-Gänse (1. bis 31.August) beziehungsweise Grau-Gänse (1.September bis 31.Oktober) aufheben. Eine Bürgerinitiative, die bereits an einem Runden Tisch im Rathaus teilgenommen und Bürgermeister Stephan Wanner vor dem Beschluss rund 1.250 Unterschriften gegen die Bejagung überreicht hatte, zeigte sich entsetzt: „Die gehen einfach darüber hinweg und sagen fortwährend die Unwahrheit“, so eine Initiatorin. Auch die Ortsgruppe des BUND Naturschutz und Vogelschutz-Experten hatte sich der Unterschriftensammlung angeschlossen und Alternativen zur Vergrämung der Gänse entwickelt – diese fanden jedoch nur bei einem Drittel der Gemeinderäte Gehör: „Würde man mit der Bejagung der Gänse auch nur ein Jahr aussetzen, müssten dann im darauffolgenden wegen der Überpopulation noch mehr geschossen wer-den“, argumentierte der langjährige Forstbeamte und amtierende 2. Bürgermeister Peter Stich (CSU). Seiner Ansicht nach würden auch Vogelscheuchen als Vergrämungsversuch nichts nutzen: „Da kichern die Gänse nach dem dritten Tag, denn das sind hochintelligente Tiere.“ Zwischen der Bürgerinititative und der Ratsmehrheit bestehen auch grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten, wer den für den seit Jahrzehnten beobachteten Rückgang des Schilfbestandes am Starnberger See verantwortlich ist: „Es sind die Landwirte mit ihren Gülle-Einleitungen“, sagen die Gegner einer Gänsebejagung. „Hauptverursacher ist der salmonellenhaltige Enten- und Gänse-Kot“, so Stich. Sein Fraktionskollege Thomas von Mitschke-Collande (CSU) warnte: „Wir verharmlosen das Gesundheitsrisiko!“ Renate Geiger (SPD), die den Starnberger See wie Mitschke seit vielen Jahrzehnten kennt, sagte: „Man muss erst die Überpopulation beseitigen, um andere Maßnahmen überhaupt erst durchführen zu können.“ Christine Nimbach (Grüne), Rudolf Krug und Ulrich Kratzer (ÖDP) begrüßten die Unterschriftensammlung gegen die Gänse-Bejagung ausdrücklich, während Marlene Greinwald (FW) dafür plädierte, die Alternativen wenigstens auszuprobieren: „Was spräche dagegen?“ Auch über die Gänse-Zahlen ist man sich uneins: „Man hat mehrere Gruppen von jeweils 200 Gänsen gesichtet“, so Rathauschef Stephan Wanner, der das Thema für „gründlich ausgeleuchtet“ hält. „Das sind von 2008 wiederholte Zahlen“, so die Initiative. Stich spricht von „etwa 90“ Tieren. „Wie zählt man die eigentlich?“, wunderte sich Thomas Parstorfer (CSU). Ab August ist in Tutzings Seeufer-Nähe nun wieder mit frühmorgendlichem Gänse-Abschuss durch die beauftragten Jäger zu rechnen.

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