Ärger über Kumpanei

Auf wenig Verständnis stieß der Rücktritt von Gemeinderat Ulrich Dittmann des Bürgervereins Seefeld (BVS) auf der jüngsten Sitzung des Seefelder Gemeinderats. Der scheidende Ratsmann gab zwei Gründe bei seiner Rücktrittserklärung an: Zum einen seine berufliche Zukunft und zum anderen seinen nervösen Magen, zurückzuführen auf „ Ehren-Amt pervertierende Kumpanei“.

Dittmann, der eigentlich erst zum Jahresende sein Amt niederlegen wollte, wie er in seinem Rücktrittschreiben an Bürgermeister Wolfram Gum mitgeteilt hatte, trug noch einmal in öffentlicher Runde seine Beweggründe vor. So habe er die Einladung von der Stadt München „maßgeblich an einem weitreichenden historischen Erinnerungsprojekt“, nämlich dem für 2013 geplanten NS-Dokumentationszentrum am Königsplatz, mitzuwirken angenommen - was seine Möglichkeiten einschränke sein Amt als Gemeinderat verantwortlich fortzusetzen. Sein zweiter und ungleich provokanterer Grund war nicht nur Ursache für manch verärgerten Ratskollegen, sondern auch seine sofortige Entlassung aus dem Gemeinderat. Denn Dittmann erklärte seinen sensiblen Magen für seinen Rücktritt verantwortlich. Es belaste den Literaturwissenschaftler „über dessen Schmerzgrenze hinaus, dass am Ratstisch drei Ratskollegen bei Bauvorhaben von Mitbürgern mit entscheiden, obwohl Bausünden ihre Gleichgültigkeit gegenüber dem Baurecht im persönlichen Fall demonstrieren“, wie Dittmar erläuterte. Dabei bezog er sich auf den „Kammerloher-Stadl“, den „Problem-Pool“ und den „Schlecht-Schuppen“. Baurechtlich umstrittene Objekte, für die das Landratsamt, laut Dittmann, inzwischen die Beseitigung fordere. Er ging noch weiter und beklagte „das schmerzende Gefühl“, das, verursacht durch die „Ehren-Amt pervertierende Kumpanei“, seine Magennerven nach den Gemeinderatsitzungen befiele. Obwohl Dittmann die Ratskollegen Robert Benoist (Bündnis 90/die Grünen), Ludwig Dosch und Peter Schlecht, Mitglieder der Freien Wählergemeinschaft (FWG), nicht direkt genannt hatte, wollte keiner der Drei den Vorwurf auf sich sitzen lassen. Weder Dosch noch Schlecht fühlten sich persönlich betroffen, beide erklärten, dass Familienangehörige an den Streitigkeiten beteiligt seien, nicht sie selbst, und Benoist wies auf den Ärger hin, den ihm sein „Problem-Pool“ einbrächte: „Kumpanei kann ich da nicht feststellen.“ Er kritisierte das Verhalten von Dittmann: dass das keine „Lehrstunde der Demokratie“ sei, man sei in ein Ehrenamt gewählt worden und könne es nicht einfach „hinschmeißen“. Ernst Deiringer (SPD) bemerkte, dass ein Gemeinderat grundsätzlich sein Amt nicht einfach niederlegen könne, sondern um seine Entlassung bitten müsse, da dies eine Gemeinderatsabstimmung sei und entschied sich auf Grund seines „sozialen Gewissens“ der Entlassung zu zustimmen, da man niemanden leiden lassen könne. So kam man einstimmig zu dem Schluss, dass gesundheitliche Gründe nicht bis zum Jahresende aufgeschoben werden könnten und entließ Dittmann direkt aus seinem Amt. Der Ratsstuhl blieb nicht lange leer, denn es wurde die Johanna Senft (BVS) vereidigt.

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