Afrikanische Schweinepest könnte auch den Landkreis erreichen

Landwirte in Sorge wegen neuer Seuche

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Angst vor der Afrikanischen Schweinepest haben vor allem die Landwirte im Landkreis. Sie beklagen bereits seit längerem, dass die Population überhand genommen hat.

Landkreis – Die Afrikanische Schweinepest könnte auch ein Problem für den Landkreis Starnberg werden. Davor warnte jüngst im Kreistag Georg Zankl. Der Landwirt aus Gilching, Bauernobmann und CSU-Kreistagsmitglied fordert die Errichtung eines Saufangs sowie den Einsatz von Nachtsichtgeräten.

Der Bayerische Bauernverband hat sich bereits der hochinfektiösen Seuche angenommen, die in osteuropäischen Ländern wie Polen, der Ukraine, in Moldawien und Weißrussland schon angekommen sei und der dortigen Landwirtschaft große Probleme bereite, so Zankl vor dem Kreistag. Mittlerweile sei auch das Nachbarland Tschechien betroffen, schlug er Alarm. Auch im Landkreis Starnberg beklagen die Landwirte immer wieder die hohe Zahl an Wildschweinen, die Wiesen und Felder umwühlen. Sie fordern daher eine höhere Jagd der Tiere. „Der Weg nach Bayern und zu uns ist nicht mehr weit“, betonte der Kreisobmann, „das sind vielleicht 300 Kilometer“.

Schäden für Schweinehalter wären enorm

Die Afrikanische Schweinepest ist für Haus- und Wildschweine hochgefährlich und wird vor allem vom Schwarzwild übertragen. Für Menschen dagegen besteht keine gesundheitliche Gefahr, „aber unsere heimischen Haus- und Wildschweinbestände sind in höchstem Maße bedroht“, schreibt auch Thomas Müller, der Geschäftsführer des Bauernverbands in Weilheim, zur Problematik. Im Falle einer Einschleppung, so Zankl weiter, wären die Schäden für die Schweinehalter enorm. Außerdem sei zu befürchten, dass die Seuche dann aufgrund der langen Ansteckungsfähigkeit des Virus nicht mehr ausgerottet werden könne. „Da es keinen Impfstoff gibt, ist die Ausmerzung sehr schwierig bis unmöglich und noch in keinem der befallenen Gebiete gelungen“, so Zankl. So sei die Afrikanische Schweinepest, die nach Untersuchungen sich aktuell von Russland ausbreitet, auf Sardinien seit 39 Jahren endemisch.

Zankl wie auch der Bauernverband befürchten„gravierende Eingriffe“ sowohl für die Schweineerzeugung und -vermarktung mit Bestandskeulung und Restriktionsgebieten – bei sogenannten Gemischtbetrieben könnten auch andere Tierarten betroffen sein. Sollte die Schweinepest in Deutschland ausbrechen würde der Maßnahmenplan der Bundesländer in Kraft treten, das heißt, dass Wildscheine etwa großflächig in einem Gebiet von mindestens 2.100 Quadratkilometer gejagt und getötet werden müssten.

Käfige mit Köder aufstellen

Für Zankl steht daher fest, auch der Landkreis müsse sich rechtzeitig wappnen und beantragte daher – rein präventiv, wie er versicherte – Saufänge zu errichten (Käfige mit Köder), den Einsatz Nachtsichtgeräte für die Jagd zu genehmigen und bei der Trichinenuntersuchung auf die Gebühren zu verzichten. Landrat Karl Roth rechnet beim Thema Nachtsichtgeräte für Jäger mit erheblichen Widerstand seitens der Sicherheitsbehörden. „Das muss beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden beantragt werden“, sagte Roth, ein Genehmigungsverfahren könne sich daher hinziehen. Zankl entgegnete, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner sei bereits aktiv geworden und rechne mit einer baldigen Genehmigung. Auf ein weiteres Problem verwies Grünen-Kreisrat Bernd Pfitzner. Durch die Wanderung der Wildscheine vom Baltikum nach Westeuropa passierte diese auch radioaktiv belastetes Gebiet. Pfitzner warf die Frage auf, ob die Tiere auch auf „radioaktive Rückstände“ untersucht werden, denn auf ihrem Speiseplan stünden unter anderem Morcheln, die immer noch eine hohe radioaktive Konzentration aufweisen.

Landrat Roth schließlich versuchte die Runde zu beruhigen. Bis die Tiere den Landkreis erreichen würden, „sind sie noch mindestens zwei Jahre unterwegs“. Zeit genug also, um sich vorzubereiten. „Wir bleiben mit allen zuständigen Stellen im Gespräch“, versicherte Roth. 

Von Oliver Puls

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