Aus dem Gericht

Üble Masche: Aktfotos statt Portraitbilder

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Gilching – Die Masche eines 54-jährigen Fotografen aus Gilching war offenbar stets die gleiche: Via Facebook kontaktierte er junge Frauen für ein Foto-Shooting in seinem “Studio“, welches sich dann allerdings als Privatwohnung entpuppte.

Aus den zuvor vereinbarten Portrait-Fotografien sollten dann vor Ort plötzlich Akt-Fotografien werden, und die Sitzungen entwickelten sich in mehreren Fällen zu Versuchen des Fotografen, die „Models“ zu sexuellen Handlungen zu bringen – so auch im Fall einer heute 23-jährigen Schülerin aus Landshut, die den Mann im Juli 2015 wegen sexueller Nötigung angezeigt hatte.

In der Verhandlung am Schöffengericht Starnberg unter Vorsitz von Amtsrichterin Brigitte Braun schilderte die Geschädigte das damalige Geschehen in der Gilchinger Wohnung laut Staatsanwalt „nachvollziehbar und detailreich“. Die Zeugin sagte aus, der Angeklagte habe von „Kontakten zum italienischen Playboy“ gesprochen und sei auf einmal sehr direkt geworden: „Er fragte mich nach meinen sexuellen Vorlieben aus“, berichtete die Landshuterin. Im Laufe des mehrstündigen Nackt-Foto-Shootings habe dieser sie dann mehr und mehr bedrängt, nach ihren Händen und ihrem Gesäß gegriffen und in Richtung seines Geschlechtsteils zu bugsieren probiert, sie habe dies zunächst abgewehrt, den Widerstand dann aber aufgegeben, ohne dass es zum Sex gekommen sei: „Er hat mich auch nicht geschlagen.“ Wie offenbar in weiteren, ebenfalls zur Anzeige gebrachten Fällen mit anderen jungen Frauen habe der bereits einschlägig vorbestrafte „Fotograf“ seine Opfer „in einer weiten Jogginghose mit nichts drunter“ empfangen, so die Landshuterin, die nach dem Gilchinger Vorfall mit diesen Frauen - abermals über Facebook – Informationen ausgetauscht hatte. Die entsprechend eingeleiteten Strafverfahren waren jedoch von den Ermittlungsbehörden eingestellt worden. Nicht so diesmal: Während der Beschuldigte zunächst alles abstritt, sich mit freiwilligem Sex mit einigen Models brüstete und als „Beweis“ seiner Unschuld im angeklagten Fall auf das 900 Bilder umfassende und auf CD gebrannte „Arbeitsergebnis“ des Shootings verwies, ließ die Zeugin keinen Zweifel daran, was ihr widerfahren war: „Ich versuche, mit therapeutischer Hilfe bis heute, diesen kompletten Tag aus meinem Gedächtnis zu streichen.“ Infolge des traumatischen Erlebnisses habe sie sich von ihrem Freund getrennt und sei vier Wochen lang nicht zur Schule gegangen, „aus Scham“, so die 23-Jährige unter Tränen. Nach einem Rechtsgespräch verständigten sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Schöffengericht dennoch darauf, es bei Geständigkeit des Angeklagten nochmals mit einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe bewenden zu lassen – wegen „Beleidigung mit sexuellem Hintergrund“. Für eine Verurteilung wegen gewaltsamer Nötigung reichte das Geschehene nicht ganz aus. Als Auflage muss der hoch verschuldete,von Hartz IV lebende Gilchinger 480 Euro an den Verein „Frauen helfen Frauen“ zahlen - in 48 Raten. Richterin Brigitte Braun zur verurteilten Tat und deren Folgen: „Es war ein nachhaltiger Eingriff in das Leben dieser jungen Frau.“ Laut Verteidigerin werde ihr Mandant seine Methode in Zukunft sein lassen, damit nicht wieder „eine Grenze überschritten“ werde. mps

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