Aktion Knochenmarkspende Bayern

Kritik an zu viel Bürokratie

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Gauting – Bei Diagnosen wie Leukämie ist die Stammzell-Transplantation oft die letzte Rettung – und zwischen der Spende und einem geretteten Leben liegen gerade mal 48 Stunden.

In diesen zwei Tagen werden die Stammzellen entnommen, getestet, vorschriftmäßig verpackt und unter Umständen bis ans Ende der Welt verschifft. Die Aufgabe birgt Herausforderungen, denen sich die Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) seit zwei Jahrzehnten stellt. Pünktlich zum Jubiläum zieht die Stiftung in neue Räumlichkeiten angrenzend an das Asklepios-Klinikgelände in Gauting. Auf 1.600 Quadratmetern und über vier Geschoße befinden sich im Gebäude helle, freundliche Arbeitszimmer mit Blick ins Grüne. Hier sind Büros, Archiv, Labor mit Reinraum und der Behandlungsraum unter-gebracht und hier können auch die Stammzellen entnommen werden. Das ist von Vorteil, denn ist ein geeigneter Spender gefunden, muss es schnell gehen. „Der Patient benötigt das Transplantat sofort“, erklärt Hans Knabe. Manchmal jedoch stehe zwischen der Entnahme und der lebensnotwendigen Transplantation gesetzlich verordnete Bürokratie. Stammzellen, so hat die EU entschieden, sind ein Arzneimittel und unterliegen ebenso strengen Kontrollen. Die Aufsichtsbehörde treibe die gesetzlichen Auflagen und deren Umsetzung zuweilen ins Absurde, ärgert sich der Stiftungsvater. „Da diskutieren wir mit den Behörden, wie oft der Boden gewischt werden muss und ob die Lieferanten der Stammzellen im Ausland auch den Anforderungen genügen.“ Strenge Auflagen, findet Knabe, machten durchaus Sinn. Aber nur dann, wenn es die Qualität beeinflusse. Einmal hätten sie fast einen Spende aus Dubai nicht erhalten. „Obwohl der Spender ein Geschwister des kleinen Patienten war.“ Dabei würden alle Transplantations-Produkte aus dem Ausland nach internationalem Standard geprüft. „Wir arbeiten nur mit Industrieländern zusammen, die den gleichen hohen Standards entsprechen wie wir.“ Eine wichtige neue Stammzellquelle sind die Stammzellen in der Nabelschnur. Sie können helfen, auch den Patienten eine Hoffnung zu bieten, für die es in den weltweiten Spenderdateien keinen passenden Spender gibt (etwa 30 Prozent). Hier können im Gegensatz zum normalen Spender auch Unterschiede bei den Gewebemerkmalen akzeptiert werden. Gleich nach der Geburt entnommen und eingefroren lagern die Präparate bei minus 195 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff. Auch bei dieser risikofreien Form der Spende arbeitet die AKB eng mit dem Bayerischen Roten Kreuz zusammen. Am Mittwoch feierten Stiftung und Wegbegleiter nun das schöne Zuhause und die erfolgreiche Zusammenarbeit. Anwesend waren neben der Landtagspräsidentin und langjährigen Schirmherrin der AKB Barbara Stamm auch Bürgermeisterin Brigitte Servatius, die Journalistin von der Benefizaktion „Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks, Beate Blaha, sowie der Geschäftsführer der Asklepios Klinik Rainer Pfrommer und Professor Jürgen Behr, der ärztliche Direktor. Unter anderem Dank ihnen ist die AKB mit 250.000 potentiellen Spendern unterdessen weltweit eine der größten Spenderdateien und konnte seit ihrer Gründung mehr als 2.500 Spenden vermitteln. „Zu einer guten Idee“, so die Rathauschefin, „gehört auch die finanzielle Unterstützung.“ Pfommer freute sich, die seit 1997 bestehende Zusammenarbeit auch in Zukunft weiterführen zu können. Das, so kündigte Knabe an, sei auch der letzte Umzug. Wer sich als Spender aufnehmen lassen möchte, kann entweder zu einer der öffentlichen Aktionen kommen (Termine und Informationen unter www.akb-germany.de) oder zu jedem Blutspendetermin des Bayerischen Roten Kreuzes. Michèle Kirner

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