Alles anders in der Kreisstadt

Starnberg: Dezentraler Budenzauber statt Christkindlmarkt, Eiszauber findet statt

Kirchplatz Starnberg Weihnachtszeit
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Der traditionelle Christkindlmarkt auf dem Starnberger Kirchplatz findet heuer coronabedingt nicht statt. Das hat unlängst der Kulturausschuss des Starnberger Stadtrates beschlossen. Ganz ausfallen soll die vorweihnachtliche Stimmung allerdings nicht. Angedacht ist Verkaufsstände in der Innenstadt dezentral aufzustellen.

Starnberg - Dezentral aufgestellte Buden im Stadtgebiet statt klassischem Christkindlmarkt auf dem Kirchplatz: Der Kulturausschuss hat bei nur einer Gegenstimme (der CSU-Ortsvorsitzenden Dr. Charlotte Meyer-Bülow) beschlossen, in diesem Jahr „coronabedingt“ andere Wege der vorweihnachtlichen Stimmungserzeugung zu beschreiten.

Nachdem die mit dem Thema Christkindlmarkt schon länger befasste Verwaltungsmitarbeiterin Sarah Buckel die vorgeschriebene Einhaltung von 1,50 Meter Mindestabstand zwischen zwei Personen aufsichtlich nicht garantieren konnte („schlicht utopisch“) und zur Kontrolle einer Besucherzahl von maximal 40 Personen zeitgleich auf rund 400 Quadratmetern Veranstaltungsfläche und fest definiertem Zugang/Ausgang der Kirchplatz sogar hätte eingezäunt werden müssen (lauter Auflagen gemäß Infektionsschutzgesetz), entschloss man sich zur Absage des Christkindlmarkts in seiner traditionellen Form: Statt dessen soll es nun nach dem Vorbild von Städten wie München, Nürnberg oder Augsburg eine „dezentrale“ Variante geben – zwölf Marktbuden im Eigentum der Stadt, als „Doppelstand“ betrieben von Gastronomen, Kunsthandwerkern oder Vereinen, werden heuer in der Innenstadt verteilt aufgestellt, wobei noch zu klären ist, ob während der gesamten Adventszeit oder nur an den Wochenenden. 

Sarah Buckel nannte als Stichworte für das „Bespielen“ dieser Standorte Drehorgelspieler, einen Maroni-Stand, Stelzenläufer, Nikolaus-Aktionen, Lichtinstallationen und sogar einen „Adventsspaziergang“. Eine sogenannte gebündelte „Marktmeile“ an der Maximilianstraße sei in der Kreisstadt wegen fehlender Stromanschlüsse leider nicht machbar, so die Rathaus-Beauftragte. Als die CSU-Stadträtin Meyer-Bülow sich „mehr Mut“ in dieser Sache wünschte, hielt Bürgermeister Patrick Janik (UWG) gewisse Aspekte der Corona-Gefahren entgegen: „Ich habe größte Bedenken, dass die Stadt einen Impuls in falsche Richtung sendet, und bin lieber übervorsichtig.“ Auch Landrat Stefan Frey habe ihn bereits informell dringend darum gebeten, solche Vorsicht walten zu lassen, sagte Janik. Ein gleichfalls von der Corona-Pandemie und deren möglichen Folgen motivierter Antrag der BLS-Fraktion, den Eiszauber auf dem Kirchplatz für heuer abzusagen wurde hingegen mit 4:9-Stimmen abgelehnt. „Wer geht denn da hin: Ich finde es unheimlich wichtig, vor allem den Kindern ein Signal zu geben“, verteidigte Matthias Frühauf (CSU) die vor allem bei den Jüngsten sehr beliebte Veranstaltung.

Diese sei sogar „ein Leuchtturm-Event“, pflichtete Anke Henniger (FDP) dem bei, während Winfried Wobbe (UWG) meinte: „Der Eiszauber wäre zu beherrschen“ – auch unter Corona-Auflagen: Die zuständige Rathaus-Beauftragte Sarah Buckel hatte zuvor ausgeführt, dass „maximal 300 Leute“ sich auf den 300 Quadratmetern Eisfläche gleichzeitig würden tummeln dürfen. Es werde diesmal allerdings keine Zuschauertribünen und keine publikumsträchtige Eröffnungsveranstaltung geben, so Buckel, auch keinen Schlittschuhverleih, wegen der Desinfektionsaufwands. Die Stadt ginge beim „Eiszauber“, der früher bis zu 8.000 Besucher zu verzeichnen hatte und 50.-60.000 Euro Umsatz generiere, auch kein allzu großes Kostenrisiko ein: Die Lieferung der Eisbahn ist bis drei Wochen vorher kostenfrei stornierbar.“ Tim Weidner (SPD) daraufhin: „Ich lasse mich gerne von fiskalischen Gründen leiten.“ Michael Mignoli, der namens der BLS den „reiflich überlegten“ Antrag auf Absage begründet hatte, fürchtete: „In dem Moment, da der Maisinger See zufriert, kommt eh keiner.“

Bürgermeister Patrick Janik sah diesen Aspekt entspannt: „Das Konkurrenzproblem haben wir jedes Jahr.“ Er sei im Übrigen „sehr für die Kinder, wir sollten nicht alles im Schrank verschwinden lassen!“ Mignoli hatte allerdings auch Bedenken geäußert, wie der Zuschauerzustrom gehandhabt werden solle: „Mit Online-Anmelde-Formular?“ Auch das sieht die Verwaltung als „beherrschbar“ an.

Thomas Lochte

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