Kostenexplosion beim Landratsamts-Anbau

Stadt verweigert sich, Kreis vertagt

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Ein Aushängeschild: Das Starnberger Landratsamt gilt architektonisch als gelungen, jetzt soll im gleichen Stil ein Anbau hinzu kommen. Doch die Kosten dafür explodieren sprichwörtlich.

Starnberg – „Wir fühlen uns von der Stadt im Stich gelassen.“ Die Enttäuschung war Landrat Karl Roth am Freitag deutlich anzumerken, hatte doch am Abend zuvor der Starnberger Bauausschuss den Satzungsbeschluss zur Erweiterung des Landratsamtes überraschend mit 7:6 Stimmen zurückgestellt.

„Um mit der Detailplanung weitermachen zu können, brauchen wir Baurecht“, unterstrich Roth. Am Montag im Kreistag war er es dann selbst, der dem Gremium empfahl, das Thema zu vertagen und sich mehr Zeit zu geben – um nach Einsparungen zu suchen. Wie berichtet, soll das bestehende Gebäude der Kreisbehörde entlang des Schiffhüttenwegs nach Süden hin erweitert werden. Große Aufregung gab es erst Anfang des Monats im Kreisbauausschuss, als bekannt wurde, dass die ursprünglich mit rund 6,5 Millionen Euro bezifferten Kosten auf nahezu 15 Millionen Euro angestiegen sind. Und genau hier hakte unter anderem Josef Pfister (BMS) ein. „Ich bin zwiegespalten. So lange man im Kreistag nicht weiß, wohin die Reise geht, sollten wir die Entscheidung zurückstellen“, sagte Pfister. „Wir haben keine Not, jetzt den Bebauungsplan aufzustellen.“ Diese Sichtweise teilte auch Professor Günther Picker (WPS) und Iris Ziebart (FDP). „Wir sollten erst abwarten, was rauskommt, auch bei der Kostensteigerung“, so Picker, der es „unmöglich“ fand, wie mit dem Geld umgegangen werde. Und Ziebart erinnerte daran, „dass wir noch nie einen Bebauungsplan aufgestellt haben, wenn wir nicht konkret dazu gezwungen worden sind“, weshalb sie denn Satzungsbeschluss „ungern“ mittragen wolle. „Wenn vom Bauherrn so eine Planungsunsicherheit präsentiet wird, dann halte ich es für klüger, zu warten“, so Ziebart. Annette von Czettritz (Grüne) hingegen mahnte: „Jeder, der am Bau tätig ist, weiß um die Preissteigerungen.“ „Sprachlos“ ob der Reaktion seiner Gremiumskollegen zeigte sich Ludwig Jägerhuber (CSU). Die Satzung hätte bereits im September vergangenen Jahres beschlossen werden können, wenn nicht eine von Anton Wiesböck (FDP) gewünschte Ortsbesichtigung wegen des Festplatzes dazwischen gekommen wäre, erinnerte Jägerhuber. „Und jetzt haben wir eine Grundsatzdiskussion, dass es städtebaulich nicht reinpasst? Die Sprunghaftigkeit dieses Bauausschusses ist unfassbar.“ Sein Fraktionskollege Gerd Weger bat das Gremium „dringenst“ um Zustimmung. „Der Kreis braucht eine gewisse Sicherheit darüber, was die Stadt will“, so Weger. „Und wir müssen die Notwendigkeit anerkennen. Wann es dann umgesetzt wird, ist was anderes“, sagte Weger, denn dies sei das „Bier“ des Landkreises. Zu Wort kam auch Kreiskämmerer Stefan Pilgram, der ankündigte, dass voraussichtlich im April der Kreisbauauschuss weiter über das Thema beraten werde. „Der Bebauungsplan ist sehr wichtig für uns, da er uns das weitere Vorgehen erleichtert.“ Sein Appell verpuffte allerdings. Gegen die Stimmen von CSU, SPD, Grüne und UWG entschied das Gremium mit 7:6, die Satzungserklärung zur Erweiterung des Landratsamtes vorerst zurückzustellen. Im Kreistag reagierte man mit Unverständnis über die Starnberger Entscheidung. Landrat Roth warb (erfolgreich) für eine Vertagung des Themas und neue Beratungen im Kreisbauausschuss. SPD und Grüne verlangten bei einer „126-prozentigen Kostensteigerung“, so Petra Neugebauer (SPD), um Aufklärung. „Wie so etwas zustande kommt ist mir schleierhaft“, legte Peter Unger (Grüne) nach. „Da ist wohl etwas aus dem Ruder gelaufen.“ sb/po

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