Fingierter Deutschtest kam per Post

Andechserin musste sich wegen Urkundenfälschung und Erschleichen von Aufenthaltstiteln vor Gericht verantworten

Die Statue der Justitia steht mit einer Waage und einem Schwert in der Hand.
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Ein fingierter Deutschtest kam eine Andechserin teuer zu stehen (Symbolbild).

Andechs - Die Sache mit den Ausländertests nahm eine kosovarische Hausfrau nicht so genau. Nur vermeintlich bestand sie sowohl den Deutsch- als auch den Einbürgerungstest und legte die Ergebnisse Mitte Juni 2019 der Ausländerbehörde im Landratsamt Starnberg vor. Tatsächlich hatte sie die Tests jedoch mitnichten selber absolviert. Dieser Tage musste sich die in Andechs wohnhafte Familienmutter nun wegen Urkundenfälschung sowie wegen Erschleichens von Aufenthaltstiteln vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten.

Im Sitzungssaal wurde schnell deutlich, dass die 39-Jährige des Deutschen keinesfalls mächtig ist. Dennoch erklärte ihr Verteidiger: „Ich sehe die Tatbestände als nicht erfüllt. “Richterin Christine Conrad hielt dagegen, sprach von einem abgekarteten Spiel und machte deutlich: „Dass Ihre Mandantin nicht in der Lage ist, einen Deutschtest abzulegen, das sieht man jetzt.“ Laut Anklagevorwurf machte die Hausfrau gemeinsame Sache mit „Leuten“, denen sie ihren Ausweis überließ. Mutmaßlich wurde das Passbild der Angeklagten mit dem Foto einer anderen Frau überklebt, die dann an Stelle der Kosovarin die Test erfolgreich absolvierte.

Der Rechtsanwalt wollte den Tatbestand keineswegs in Abrede stellen. Er stützte den Einspruch lediglich darauf, dass es keine unlautere Absprache zwischen seiner Mandantin und „den Leuten“ gegeben habe. Laut Auskunft des Advokaten habe die Angeklagte geglaubt, sie müsse nur ihren Ausweis abgeben und 800 Euro und dann bekomme sie ein Zertifikat. Die 39-Jährige ließ durch ihre Dolmetscherin wissen, sie habe „einen Herren“ in Herrsching getroffen, der ihr von Kursen erzählt habe. „Er hat gesagt, er benötige Daten über den Reisepass. Den Rest habe ich dann per Post bekommen. Ich habe nicht nachgedacht. Hätte ich gewusst, dass es soweit kommt, hätte ich das nicht gemacht.“

Die Amtsrichterin konnte und wollte sich eine derartige Blauäugigkeit nicht glauben. „Ohne dass sie wusste, wofür sie ihren Ausweis hergab – und auf einmal lagen die Testergebnisse da. Und die hat sie dann bei der Ausländerbehörde vorgelegt.“

Aufgeflogen war die Sache, als man dem Drahtzieher wegen gewerblicher Schleusung auf die Schliche kam. Der Verteidiger der Hausfrau betonte jetzt ausdrücklich: „In dieses geschäftliche Unternehmen, in das Funktionieren dieser Organisation, hatte meine Mandantin keinen Einblick. Das war keine Mittäterschaft.“

Für Richterin Conrad war die dennoch Sachlage eindeutig: „Ihre Mandantin spricht kein Wort Deutsch. Sie hat sich einer kriminellen Organisation bedient, um den deutschen Staat übers Ohr zu hauen.“ Schlussendlich war die Mutter von fünf in Deutschland lebenden Kindern und Ehefrau eines legal in Deutschland wohnenden Ehemannes gut damit beraten, ihren Einspruch gegen den Strafbefehl zurück zu ziehen. Sie beugt sich damit der dort ausgeworfenen Geldstrafe von 140 Tagessätzen à 10 Euro.

Nilda Frangos

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