Angst vor dem Kollaps sozialer Dienste

Ade Zivildienst: Andreas Hitschfel (20) ist einer der letzten Zivis in Gräfelfing. Foto: fkn

Der Wegfall der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes stellt Hilfsorganisationen wie den Malteser Hilfsdienst vor immense Probleme, denn diese sind bei der Organisation und Durchführung zahlreicher sozialer Dienste dringend auf die Unterstützung von Zivildienstleistenden oder FSJ-lern angewiesen. Dabei geht es nicht nur um den kostengünstigen Einsatz der jungen Arbeitskräfte, sondern vor allem um die Organisation vieler sozialer Dienste, die ohne Zivildienstleistende oder FSJ-ler zu kollabieren drohen.

„Bei einem hohen Krankenstand wie zurzeit, wüsste ich nicht, wie ich die Dienste aufrecht erhalten könnte“, sagt Martin Feda, Leiter der Fahrdienste der Malteser im Bezirk München. „Auf unsere Zivis kann ich mich immer verlassen.“ Sie sind zu den üblichen Bürozeiten vor Ort in der Dienststelle und können einspringen, wenn Not am Mann ist. „Wir stehen in einer großen Verantwortung unseren Kunden gegenüber und müssen jederzeit unseren Verpflichtungen nachkommen können. Dazu gehört eben auch, dass immer genügend Personal da ist“, so Feda. Die jungen Leute besetzen bei den Maltesern wichtige und verantwortliche Aufgaben und Funktionen, um rund-um- die- Uhr einen reibungslosen Ablauf der sozialen Dienste an 365 Tagen im Jahr zu gewährleisten. So übernehmen die jungen Mitarbeiter beispielsweise ausgefallene Individualfahrten für Rollstuhlfahrer zur Krankengymnastik oder ins Kino, sie bringen Senioren das Mittagsmenü, sie unterstützen den Fahrdienst bei der Dienstplanerstellung, sie begleiten kranke und mobil eingeschränkte Menschen zum Arzt und übernehmen die Schulbusfahrten für Kinder und Jugendliche mit Behinderung. „Der Umgang mit hilfebedürftigen Menschen ist interessant und abwechslungsreich, erfordert aber Einfühlungsvermögen und ein gewisses Maß an Belastbarkeit“, so der Fahrdienstleiter. „Wir achten deshalb streng auf die laufende Qualifikation unserer Zivildienstleistenden und FSJ-ler, denn nur so können wir sie auch flexibel zu wechselnden Aufgaben einsetzen.“ Doch die künftige Entwicklung ist unklar. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Die letzten Zivis verlassen uns zum Sommer und die rechtlichen Rahmenbedingungen zum neuen Bundesfreiwilligendienst sind noch zu unscharf, um uns eine verbindliche Personalplanung für die zweite Jahreshälfte zu erlauben“, fürchtet Feda. Um die Personallücke, die mit dem Wegfall der Zivildienstleistenden entsteht, ansatzweise zu schließen, suchen die Malteser von der Bezirksgeschäftsstelle München, mit Sitz in Gräfelfing, sofort oder für später junge Leute, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder den neuen Bundesfreiwilligendienstes absolvieren wollen. „Sollte uns das nicht gelingen, drohen manche sozialen Dienste zu kollabieren und das wäre nicht nur für uns Malteser schlimm, sondern in erster Linie für all die bedürftigen Kunden, die auf unsere Hilfeleistung und Unterstützung angewiesen sind.“ Das Freiwillige Soziale Jahr beim Malteser Hilfsdienst Junge Leute können in den sozialen Diensten für ältere und behinderte Menschen das Berufsleben im sozialen Bereich kennenlernen. Interessenten sollten 19 Jahre alt sein, seit mindestens einem Jahr den Führerschein sowie ausreichend Fahrpraxis besitzen. In Einzelfällen ist auch ein Einsatz mit 18 Jahren oder für die Dauer unter einem Jahr möglich. „Für junge Leute bis 27 Jahre hat sich das Freiwillige Soziale Jahr bei uns gut bewährt“, so Feda. Die Mitarbeiter im FSJ würden vor Ort auf die verschiedenen Tätigkeiten in Fahrdienst, Menüservice, Hausnotrufdienst und Hilfen im Alltag vorbereitet. Während der gesamten Dauer des FSJ wird die Arbeit in Gesprächen begleitet. Ein Taschengeld, Bildungsseminare von insgesamt fünf Wochen, Sozialleistungen und die Weiterzahlung des Kindergeldes unterscheiden das FSJ von einem unbezahlten Praktikum. Ein Einsatz im neu geschaffenen Bundesfreiwilligendienst ist ebenfalls möglich, sobald die Rahmenbedingungen geklärt sind. Wer wegen des doppelten Abiturjahrgangs keinen Ausbildungs- oder Studienplatz bekommt oder überfüllte Hörsäle meiden möchte, für den ist ein Freiwilliges Soziales Jahr eine besonders attraktive Alternative: Es zählt bei der Vergabe der Studienplätze als zwei Wartesemester und im Lebenslauf für viele Arbeitgeber als großer Pluspunkt. Die meisten jungen Leute berichten von sehr wertvollen Erfahrungen, die sie nach der Überwindung der ersten Berührungsängste im Kontakt mit den verschiedensten, ihnen anvertrauten Menschen machen konnten. Das macht die Zeit wertvoll – für beide Seiten. Die jungen Menschen können im Fahrdienst für Menschen mit Behinderung, beim Menüservice oder beim Hausnotrufdienst das Freiwillige Soziale Jahr absolvieren und dabei in einem jungen, kollegialen Team wertvolle Erfahrungen für das ganze Leben sammeln. Für diese Tätigkeit wird ein PKW Führerschein. Beginn ist immer zum Monatsersten möglich. Mehr Infos gibt es auch bei der Dienststelle unter der Telefonnummer 089/85808030. Nach Angaben des „Bundesarbeitskreis Freiwilliges Soziales Jahr“ leisten in Deutschland jährlich über 35.000 junge Menschen ein FSJ. Bei den Maltesern leisteten im vergangenen Jahr bundesweit rund 400 junge Menschen ein FSJ. Ein Freiwilliges Soziales Jahr dauert in der Regel zwölf Monate und kann von jungen Menschen bis zum Alter 27 Jahren absolviert werden. Diese bekommen ein monatliches Taschengeld sowie einen Wohn- und Verpflegungszuschuss, wenn die Dienststelle keine Unterkunft und Verpflegung stellen kann. Der Arbeitgeber übernimmt alle Sozialversicherungsbeiträge und muss 26 Urlaubstage und 25 Seminartage gewährleisten. Das Kindergeld wird weiter gezahlt.

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