Anspruchsvolles Jahr für die VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg

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Landkreis – „Das wirtschaftliche Umfeld hat dazu beigetragen, dass es ein anspruchsvolles Jahr gewesen ist“, sagte Peter Geuß, Vorstandsvorsitzender der VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg beim Bilanzpressegespräch. „Es war geprägt von einer Vielzahl von Herausforderungen, die neue Lösungsansätze zur Folge haben werden.“

Die Zukunftsthemen des Bankenmarkts könne die VR Bank auf der Basis einer zufriedenstellenden Geschäftsentwicklung angehen. Für das vergangene Jahr verzeichnete das Kreditinstitut ein weiteres Wachstum: Kredite und Einlagen sind gestiegen. Drei Themen hatten laut Geuß verschiedene Auswirkungen auf die Banken: Regulatorik, Einlagensicherung und Geldpolitik. „Die Welle der Regulatorik erwischt auch uns, auch wenn wir selbst keine ‚Dummheiten‘ gemacht haben“, so Geuß. Neue regulatorische Vorschriften und bürokratische Anforderungen führten zu erheblichem Mehraufwand. So setzte der Gesetzgeber im Frühjahr vergangenen Jahres neue europäische Regeln für die Immobilienkreditvergabe in deutsches Recht um. Mit einer Übererfüllung der EU-Vorgaben wurden die Kreditvergabemöglichkeiten der Banken jedoch unnötig eingeschränkt. Zugleich entstanden durch unpräzise Formulierungen Rechtsunsicherheiten für Kunden und Banken. Vielfach konnten Immobilienkäufe nur durch massive Anstrengungen, etwa in Form zusätzlicher Kreditsicherheiten, ermöglicht werden. Zum Jahresende wurden darüber hinaus neue Pläne der Bundesregierung zur Einführung neuer Aufsichtsinstrumente im Immobilienmarkt bekannt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) soll künftig die Vergabe von Wohnimmobilienkrediten begrenzen können. Dies würde in der Folge die Kreditvergabe in Deutschland weiter erschweren. „Diese Immobilienrichtlinien bereiten vor allem jungen Familien und älteren Personen Schwierigkeiten und sind nicht immer sinnvoll“, so Geuß. Kritik übte der Vorstandsvorsitzende auch im Bereich Einlagensicherung. Durch die Schaffung einer europäischen Einlagensicherung wird die vollständige oder teilweise Vergemeinschaftung von Risiken im Rahmen eines Rückversicherungsmodells in der Europäischen Union beraten. Dies würde eine erhebliche Mithaftung der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken für Risiken von Banken in anderen EU-Mitgliedstaaten auslösen. Damit gefährden die Pläne das bewährte genossenschaftliche Einlagensicherungssystem in Deutschland. „Wir wollen uns gegen diese gemeinsame Einlagensicherung wehren und versuchen, es weiter getrennt zu halten“, kündigte Geuß an. Einflüsse auf die Geldpolitik Die Finanzmärkte standen im vergangenen Jahr unter dem Einfluss der anhaltend expansiven Geldpolitik sowie zunehmender politischer Unsicherheit. Im März lockerte die EZB noch einmal ihren geldpolitischen Kurs. Den Einlagensatz senkten die Währungshüter um zehn Basispunkte auf Minus 0,40 Prozent. Dementsprechend müssen Geschäftsbanken für die Anlage überschüssiger Liquidität bei der Zentralbank eine noch höhere Gebühr leisten. Zugleich erhöhte die EZB das Volumen ihrer Anleihekäufe um 20 Milliarden auf 80 Milliarden Euro pro Monat. Zum ersten Mal musste die VR Bank 2016 für Einlagen bei der Zentralbank Minuszinsen zahlen. Waren Einlagen für Banken traditionell begehrte Ertragsbringer, werden sie nun – aufgrund der EZB-Zinspolitik – auf nahezu „absurde Weise“ ins Gegenteil verkehrt. Diese Situation erfordert unweigerlich eine Anpassung der Kosten an die Ertragslage. Seit Ende des vergangenen Jahres verzeichnete die VR Bank im Tagesgeldbereich ein deutliches Wachstum. Große Firmenkunden und institutionelle Anleger „parkten“ ihr Kapital beim genossenschaftlichen Geldinstitut. Aus einfachem Grund: Bei ihren Hausbanken mussten sie einen Negativzins von 0,4 Prozent zahlen. „Darum können wir kaufmännisch und geschäftspolitisch gar nicht anders, als ebenfalls für eine Einlage im sechsstelligen Bereich Zinsen zu berechnen. Andernfalls würde uns das pro Jahr 350.000 Euro kosten“, begründet Vorstandsmitglied, Thomas Vogl, diesen Schritt. „Wenn wir einen Teil dieser Belastungen an wenige größere Einleger weitergeben, wollen wir damit Privatkunden in der Breite vor Negativzinsen schützen“, so Vogl. „Mit der Beteiligung eines kleinen Kundenkreises an diesen Kosten können wir unserer Pufferfunktion weiterhin nachkommen - die wir als unsere neue volkswirtschaftliche Funktion in Kauf nehmen. Wir wollen aber auch nachdrücklich zum Produktwechsel vom Tagesgeldkonto zu zukunftsfähigen Anlagemöglichkeiten auffordern.“ Zu den Grundprinzipien der genossenschaftlichen Bank zählt zudem soziales Engagement: Mit 250.000 Euro hat die VR Bank zahlreiche Einrichtungen, Initiativen und Veranstaltungen im Bereich von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Sport im Jahr 2016 gefördert. So wurde z.B. ein VW e-Up im Wert von 26.000 Euro an die Lebenshilfe Starnberg übergeben. sb

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