Runder Geburtstag

Anton G. Leitner wird 60 Jahre alt

Anton G. Leitner
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Ein Gedichtband zum 60igsten Geburtstag: Anton G. Leitner veröffentlicht sein jüngstes Werk „Wadlbeissn – Zupackende Verse“.

Weßling - Anton G. Leitner feierte am 16. Juni seinen 60igsten Geburtstag. Grund genug, um sein Leben in einem Gedichtband zu reflektieren, fand der Weßlinger und veröffentlichte anlässlich des Jubeltages das bairisch-hochdeutsche Werk „Wadlbeissn. Zupackende Verse“.

 Das Sprechen lernte der in München geborene Bub im Nu – und der Dreikäsehoch schoss schon sehr früh mit Worten scharf. Etwa als der Filius zum Entsetzen seiner Mutter die Oma mit dem Zuruf „Hallo, Du alte Betschwester“ in Empfang nahm. Bis heute trägt der deutschlandweit bekannte Lyriker, Herausgeber und Verleger sein Herz oft auch auf der Zunge und bringt die Sprache seit seiner Jugend poetisch zu Papier.

Ein Leben für die Poesie“ habe er gelebt, sagt Leitner, der einst seine ersten Gedichte für die Schülerzeitung des humanistischen Wittelsbacher Gymnasiums zurechtfeilte. Gemeinsam mit heutigen Literaturgrößen wie Friedrich Ani oder Michael Lentz rief er als Jura-Erstsemester in München die „Initiative Junger Autoren“ ins Leben. Nach bestandenem Juristischen Staatsexamen und dem nachfolgenden Referendariat entschied er sich allerdings nicht für eine sichere Beamtenlaufbahn. Stattdessen stellte er „seine große Liebe, die Lyrik, in den Mittelpunkt des Berufslebens“, sagt er. Von Spitzwegs Bild vom „Armen Poeten“ ließ er sich dabei nicht abschrecken. Als logische Konsequenz seines Lebensmottos „Poesie rettet den Tag“ gründete er Anfang der 1990iger Jahre den Anton G. Leitner Verlag, in dem bereits 28 Folgen der buchstarken Jahresschrift „Das Gedicht“ erschienen sind.  

Leitners lyrische Spezialkompetenz nutzen bis heute viele Institutionen, Sender und große Verlagshäuser, insbesondere Reclam und dtv, im Rahmen dessen er bislang mehr als 40 Anthologien herausgab. Außerdem kuratierte er eine Vielzahl von internationalen Veranstaltungen mit namhaften Dichtern, wurde in den Kreis der „Münchner Turmschreiber“ berufen und erhielt für sein Schaffen etliche Auszeichnungen. Nicht zu vergessen den „Lyrikstier“, den er in seiner Heimatgemeinde jährlich zähmt.  

Anton Leitner gelang eine Karriere im „Haifischbecken“ des hiesigen Literaturbetriebs und gehört zu den Wenigen, die sich so lange mit Versen behaupten konnten. Leidenschaftlich und unerschütterlich manövrierte der Weßlinger sein Lyrikschiff durch zahlreiche Stürme und hält es bis heute in rauer Corona-See auf Kurs. Wie ein „Wadlbeisser“ eben. Einer, der mit großer Beharrlichkeit seine Ziele verfolgt und oft auch aus einer unterlegenen Position so scharf und lange zubeißt, dass selbst stärkere Gegner einknicken. Ob sein kleiner Verlagsdampfer heil durch die Wellenbrecher kommen würde, war freilich stets offen. Das gesteht er in seinem Mundartgedicht „Schdean schnubban“, dessen Titel er mit „Kometenfernsehen“ ins Hochdeutsche übersetzte und darin feststellt, dass nichts im Leben sicher ist: „Du woasd ja / need amoi gwies, / wia moang‘s Weda // wead. Wia wuisd / nachad wissn, wo‘s / higeed mid dia?“ Leitners bairische Gedichte und ihre Übertragungen in die Schriftsprache haben es überhaupt in sich: aus „I aa“ wird „Me too“, aus „Grea ogschmiad“, „Greenwashing“, „Öko-Brämie“ transferiert er in „Ökoprämie“ und aus „Scheimgleisda“ macht er „Scheibenkleister“, wobei das „Moadsdraraa“ zum „großen Getöse“ wird. Wer des Bairischen nicht mächtig ist, bekommt die deutschen Übersetzungen mund- und zeilengerecht auf der gegenüberliegenden Seite geliefert.

Zu seinem 60. Geburtstag beliefert der Realpoet seine Leser auf 200 Seiten mit tiefgründigen, schmunzelnden und kritischen Betrachtungen des Zeitgeschehens und Reflexionen seiner persönlichen Liebes- und Lebenslagen sowie Schicksalsschläge. Darunter die doppelseitige Lungenembolie von 2018, der Herzinfarkt von 2019 und obenauf die Pandemie, die dem Weßlinger Künstler seit 2020 finanziell schwer zusetzt. All das hat er poetisch in Form gebracht – auch die Liebeserklärung an seine Frau „Feli, die mit mir schon dreißig Jahre lang kleine Weltrunden dreht“.

Anton G. Leitner, Wadlbeissn. Zupackende Verse. Bairisch – Hochdeutsch. 200 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen. € 18,-, Volk Verlag, München 2021. ISBN 978-3-86222-352-7; www.volkverlag.de • www.wadlbeissn.de)

 Michèle Kirner

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