Familie Ghiasi fühlt sich gut angekommen

Gemüse, Vokabeln und ganz viel Hoffnung

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Die afghanische Familie Ghiasi bewirtschaftet das Beet in der Container-Siedlung. Sie fühlt sich in Inning gut angekommen und sucht eine Wohnung.

Inning – Die Familie Ghiasi lebt seit 18 Monaten in der Container-Siedlung in Inning. Seit März bauen sie hier die Gurkenpflanzen an, die am Zaun hochklettern und reichlich Früchte tragen. Auch die Zucchini, Tomaten, Salat, Chili, Bohnen, Lauch und Zwiebeln haben sie gepflanzt.

Das Beet angelegt haben 48 Jugendliche aus neun Nationen, die im Rahmen des Internationalen Feriencamp CISV München im August 2016 drei Wochen lang in Innings Montessori Schule untergebracht waren (wir berichteten). Danach blühten in der Schornstraße Blumen, dufteten Kräuter und einige Gemüsepflanze trugen die ersten Knospen – und noch immer blüht und gedeiht es in dem kleinen Garten. Verantwortlich dafür ist der Familienvater, Firoozodin Ghiasi. Gärtner sei er nicht, verneint der vierfache Vater. Aber er hat ganz offensichtlich einen grünen Daumen, wenn er gemeinsam mit seiner Frau Samira, Tochter Firoozeh (14) und den Söhnen Saroosh (12) und Sina (8) mit Hacke, Schaufel, Gießkanne und viel Fleiß hier eine ganze Gemüseabteilung zum Wachsen bringt. Töchterchen Saina (4 Monate) gluckst vergnügt auf Mutters Arm. Die afghanische Familie ist auch wieder im Beet zugange, als die Paten Hartmut und Marianne Gieseler in der Schornstraße vorbeischauen. Zu siebt wohnen die unterdessen anerkannten Heimatvertriebenen mit Samiras Bruder in einer engen, aber blitzsauberen Wohnung mit afghanischem Flair. Die vierfache Mutter (33) ist im Iran geboren, nachdem ihre Eltern vor den Taliban geflohen sind. Genau wie sie hoffte der heute 46-jährige Firoozodin in Persien auf einen Neuanfang. „Das war schwer“, übersetzt die 14-jährige Tochter in akzentfreiem Deutsch. „Wir Kinder durften nicht in die Schule“, erinnert sich die Jugendliche, die in der Herrschinger Mittelschule richtig gute Noten schreibt. Um den Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen, brach die Familie mit Samiras Eltern und Bruder vor gut zwei Jahren nach Deutschland auf. Die Großeltern sind seither in der Türkei verschollen. Vergeblicher suchte die Familie sie und setzte schließlich mit dem Onkel nach Griechenland über. Danach kamen sie alle nach Inning. „Diese nette Familie war für uns ein Glücksfall und eine Bereicherung“, freuen sich die Paten. Dass sie sich sehr gut integriert haben, muss gar nicht ausgesprochen werden: Das ist offensichtlich. „Die Menschen hier sind richtig nett“, freut sich der Vater. Er arbeitet noch an seinem Deutsch, brütet täglich über Vokabeln. „Damit ich wieder als Metzger arbeiten kann.“ Am Küchentisch sprechen sie oft deutsch. Unter Anleitung der Tochter, die einmal Lehrerin werden möchte. Die nette Familie sucht jetzt eine Wohnung. Am liebsten im Landkreis und in der Nähe der vielen Freunde, die sie hier gefunden haben. Und natürlich weil der jüngste Sohn im SV Inning auf eine spätere Fußballkarriere hintrainiert. Es ist Nachmittag und der Vater, der Hausmeisterarbeiten in der Container-Siedlung übernimmt, eilt zum Beet. Schnecken absammeln und später noch einmal gießen.     M. Kirner

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