Asyl

"Mit Freundlichkeit auf die Leute zugehen"

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Gilching – Man habe dazu gelernt, sagte Landrat Karl Roth  auf der Info-Veranstaltung zum Thema Asyl in Gilching. Deshalb werde die neue Sammelunterkunft am Festplatz für rund 200 zu erwartende Flüchtlinge auch entsprechend konzipiert.

Ziel sei es, durch eine individuelle Anordnung der Unterkünfte, möglichst wenig Konfliktpotenzial zu bieten, so Roth. Rund 400 Gilchinger waren trotz tropischer Hitze zur Info-Veranstaltung in die Arnoldus-Grundschule gekommen. Und anders als erwartet, gab es durchwegs Beifall für den Vortrag von Landrat Karl Roth und den Erfahrungsberichten der Ehrenamtlichen, die sich seit Anbeginn um die bisher 60 Asylbewerber kümmern. Wie berichtet, hatte es im Vorfeld böse Beschwerdebriefe gegen die Ankunft von weiteren 200 Asylbewerbern und Androhungen gegeben, gerichtlich gegen die Unterkunft vorzugehen. Doch davon war am Dienstagabend nichts mehr zu spüren. Ganz im Gegenteil. Nicht enden wollenden Applaus gab es für Ibrahim Ahmed, der sich zu Wort meldete. Er war aus Eritrea geflüchtet und vor elf Monaten in Gilching angekommen. „Ich möchte heute Danke sagen. Ich weiß auch, dass 200 Leute sehr viel ist. Es kann aber funktionieren, wenn die Neuankommenden verstehen, wie hier alles funktioniert.“ Klaus Trübsbach wiederum hatte eine Patenschaft für einen 15-Jährigen aus Eritrea übernommen. Er erzählte über die Qualen des Jugendlichen, die er auf sich genommen hatte, um einer Todesstrafe zu entkommen. Einen Appell an ihre Altersgruppe richtete Jule Heuchert. Die 20-Jährige Studentin bat um mehr Teilnahme an den diversen Aktionen. „Viele der jungen Asylbewerber denken nämlich, dass Gilching nur aus älteren Menschen besteht, weil diese sich aktiv einbringen. Die Flüchtlinge sind auch total motiviert, deutsch zu lernen, Kontakte aufzunehmen und zu arbeiten. Auf meine Frage, was ihnen am besten in Gilching gefällt, kam immer die Antwort, dass es hier keinen Krieg gibt.“ Esther Adelhold, Sprecherin der Regierung von Oberbayern, räumte zudem mit dem Gerücht auf, dass am Festplatz nur junge Männer einziehen werden. Von Anwohnern befürchtet wurde, dass dies ein Gefahrenpotential für Frauen sei, die nachts die nicht beleuchtete Rudolf-Diesel-Straße nutzen beziehungsweise am Starnberger Weg entlang gehen. „Unser Ziel ist eine gute Durchmischung von Familien und Alleinreisenden. So wird es auch am Festplatz sein“, sagte Adelhold. Im Übrigen könne über die Architektur zu erwartendes Konfliktpotenzial weitgehend entschärft werden, ergänzte Architektin Onni Rebholz. „Geplant ist ein Atriumhaus mit großem Innenhof als Treffpunkt und ein Spielplatz für die Kinder.“ Außerdem würden höchstes sechs Bewohner je Einheit über eine eigene Küche und über ein eigenes Bad verfügen. Für traumatisierte Flüchtlinge gebe es außerdem Einzelzimmer. Wann genau die Neuankömmlinge einziehen werden, konnte Roth nicht sagen. Wird die Anlage nicht rechtzeitig fertig, müssen laut Roth entweder Zelte aufgestellt oder Turnhallen belegt werden. Auf den Vorwurf eines Gastes, dass es an polizeilicher Präsenz mangle und die Polizei in Germering mehr dem Kaffee trinken zugeneigt sei, als sich um die Belange der Gilchinger zu kümmern, gab sich Andreas Ruch, Germerings stellvertretender Polizeichef, zu erkennen. „Wir trinken nicht nur Kaffee“, konterte er unter Beifall des Auditoriums. „In Gilching ist eine zivile Einsatzgruppe sehr erfolgreich. Was die Kriminalität angeht, fungiert die Gemeinde bereits als Schlusslicht.“ Im Übrigen versicherte Ruch, dass die Asylbewerber keineswegs aus der Rolle fallen. Ein feuriges Plädoyer hielt Gisela Bartá, Leiterin der Mittelschule. „Es ist der falsche Weg zu denken, die Flüchtlinge per se seien kriminell. Wir sollten mit Mut und Freundlichkeit auf die Leute zugehen, und auch mal etwas erklären. Angst ist ein schlechter Ratgeber.“ Aus der Praxis berichtete Eva Ott, Sprecherin des Helferkreises. Sie appellierte an die Versammlung, aktiv mitzumachen. Kontakt mit dem Helferkreis ist über die Internetseite www.asyl-in-gilching.de möglich.pop

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