Asylbewerber

Stimmung scheint zu kippen

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Gilching – Das Thema Asyl überrollt nicht nur die Mitarbeiter der Behörden. Auch die Bevölkerung bleibt nicht außen vor. Sind es doch noch in der Mehrzahl Bürger, die sich ehrenamtlich der Flüchtlinge annehmen.

Unter anderem in der Gemeinde Gilching, wo man anfangs der Aufnahme von Asylbewerbern positiv gegenüberstand. Nun scheint die Stimmung zu kippen. Für Pfarrer Christoph Lintz Anlass, im Anschluss an die Pfingstpredigt zu mehr Solidarität aufzurufen. Dem Thema Asyl hat sich Gilchings Pfarrer Christoph Lintz bereits seit Ankunft der ersten Asylbewerber vor zwei Jahren angenommen. Wie berichtet, initiierte der Geistliche den Helferkreis Asyl, der mittlerweile rund 60 Asylbewerber betreut. Nicht einverstanden zeigen sich nun laut Bürgermeister Manfred Walter viele Bürger mit der für Herbst geplanten Ankunft weiterer 200 Asylbewerber. Denn anders als bisher wird es für die Neuankömmlinge keine dezentralen Wohnmöglichkeiten sondern eine zentrale Container-Sammelunterkunft am Festplatz geben. „In erster Linie stören sich Bürger am Standort und dass es sich nicht um Familien, wie bisher, sondern um lauter junge Männer handelt“, sagt Walter. Wenngleich es nicht nur Anwohner oder gar rechts orientierte Menschen seien, die täglich wütende und oft auch menschenverachtende Mails schicken. „Die Beschwerden kommen querbeet durch alle Bevölkerungsschichten und auch aus allen Ortsteilen. Außerdem haben sich bereits Gewerbetreibende beklagt, dass die Nähe der Asylbewerber geschäftsschädigend sei“, bedauert Walter. Eine Alternative aber gebe es nicht. „Als Gemeinde bleibt uns nur, einen geeigneten Platz für die Unterkunft zur Verfügung zu stellen oder aber zu riskieren, dass seitens der Regierung von Oberbayern als zuständige Behörde eine unserer Turnhallen beschlagnahmt wird oder eine provisorische Halle dort aufgestellt wird, wo wir keinen Einfluss mehr haben.“ Ansprechpartner für die Asylproblematik sei übrigens das Landratsamt und nicht die Gemeinde, betont Walter. Das Landratsamt erteile auch die Baugenehmigung für die notwendigen Container-Anlagen. Im Anschluss an seine Pfingstmesse ging auch Pfarrer Christoph Lintz auf das Thema Asyl ein. „Ich persönlich kenne die Beschwerden nur vom Hörensagen. Ich weiß aber, dass auch Katholiken darunter sind, die sich gegen die Ankunft der neuen Asylbewerber ausgesprochen haben.“ Der Geistliche warnte in der Kirche davor, Angst zu schüren. „Angst ist kein guter Ratgeber. Gerade zu Pfingsten sollten wir uns daran erinnern, dass wir alle Gottes Kinder sind.“ Lintz empfahl der Kirchengemeinde, mit gutem Beispiel voran und auf die Flüchtlinge positiv zuzugehen. „Irritationen führen zu nichts. Es bringt auch nichts, jetzt in Schockstarre zu verfallen und nur zu schimpfen und zu lästern.“ Des Geistlichen Devise, die er seinen Schäflein mit auf den Weg gab: „Anpacken und helfen, wo man helfen kann. Ich werde meinerseits auch alles tun, um die Situation zu befrieden.“ Polly Polster

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