"Auf Kosten der Schwachen"

„Geld zu sparen, auf Kosten der Alten und Schwachen, dass ist der Eindruck, den wir haben, wenn wir uns die Entwicklungen im Vorfeld des Neubaus des Altenheims St. Gisela in Gräfelfing anschauen“, so Kai Reichert, BVGL-Gemeinderat. Auch Sonja Mayer, Initiatorin der Initiative „Zeit statt Geld“, die sich ehrenamtlich um die Betreuung von Bewohnern des Altenheims kümmert ist entsetzt: „Die alten Menschen und ihre Angehörigen sind verunsichert und teilweise verzweifelt, wurde ihnen doch zunächst zugesichert während des Neubaus in St. Gisela bleiben zu können“. Nun müssen alle Bewohner und Angestellte bis Jahresende das Haus verlassen haben und in anderen Einrichtungen unterkommen.

Für viele Betroffene ist dies unvorstellbar. Besuche werden für manche Angehörige kaum mehr möglich sein, wenn deutlich längere Wege anfallen. Viele verzweifelte Bewohner haben sich an den Bürgerverein Gräfelfing-Lochham gewendet. Dieser kritisiert das Vorgehen beim Neubau des Altenheimes St. Gisela und fordert deshalb in seinem jüngsten Antrag dringend, das Thema auf die Tagesordnung des Ferienausschusses zu setzen. „Ziel ist es, die Umsiedlung der Bewohner von St. Gisela zu stoppen und die ursprünglich geplante und von der Caritas zugesicherte Variante mit dem Verbleib der Bewohner im Hause während der Neubauphase zu gewährleisten.“ Der Bewilligung von finanziellen Mitteln für den Neubau war im Gemeinderat nur unter dieser Voraussetzung zugestimmt worden. Es muss geprüft werden, ob die Vergabe des Zuschusses von Seiten der Gemeinde unter den neuen Voraussetzungen überhaupt tragbar ist. „Der Neubau von St. Gisela ist unbedingt erforderlich, unverständlich bleibt die Frage, warum die Kosten für die ursprüngliche Planung plötzlich viel höher sein sollen?“ fragt Olaf Grohmann, BVGL-Vorsitzender. Dass die Bewohner in ihren Wohnungen bleiben dürfen und erst nach vollendetem Neubau umsiedeln wurde ausdrücklich nicht nur dem Gemeinderat in der öffentlichen Sitzung des Bauausschusses vom 5. Juni 2008 zugesichert, so Kai Reichert, sondern auch den Bewohnern und deren Angehörigen. „Nachdem nun diese Vorraussetzung gefallen ist und nichtig wurde, stellt sich die Frage, ob unsere Zusage noch gültig ist“, heißt es in dem Antrag vom 10. August. Von daher beantragt der BVGL zu prüfen, ob die bewilligte Zuschusssumme von 1,5 Millionen Euro (öffentliche Sitzung des Gemeinderats vom 22. Juli 2008) noch ausgezahlt werden darf oder ob nicht im Gegenteil bei Wegfall der Vorraussetzungen ein neuer Antrag seitens der Caritas gestellt werden muss. Ferner beantragt der BVGL zu prüfen, welche Einflussmöglichkeiten seitens der Gemeinde noch bestehen, die ursprünglich geplante Variante – in Achtung der Würde der Bewohner – noch durchzusetzen. Fakt ist, dass die Bewohner als auch Beschäftigte von St. Gisela mit der von der Caritas geplanten neuen Lösung nicht einverstanden sind. Im Gegenteil, sowohl „Bewohner als auch Angestellte wurden in unschöner Form vor scheinbar vollendete Tatsachen gestellt und müssen umsiedeln beziehungsweise wurden gekündigt oder in anderen Caritas-Heimen untergebracht“. Das Verhandlungsmandat mit der Caritas wurde damals dem ersten Bürgermeister Christoph Göbel gegeben, hält Kai Reichert fest – allerdings nur unter der „Vorraussetzung, dass sowohl Bewohner als auch Beschäftigte von St. Gisela mit der von der Caritas geplanten Lösung einverstanden sind“. Dies sei definitiv nicht der Fall.

Auch interessant

Meistgelesen

"Summer Splash" mit Radio Fantasy im Allgäu Skyline Park
"Summer Splash" mit Radio Fantasy im Allgäu Skyline Park
Klinikum Starnberg: Telemedizinische Anbindung mit NIDA
Klinikum Starnberg: Telemedizinische Anbindung mit NIDA
ASTO-Erfolgsgeschichte geht weiter: Richtfest für Marriot Hotel
ASTO-Erfolgsgeschichte geht weiter: Richtfest für Marriot Hotel
Klaus Götzl: Drei Jahrzehnte für den Tourismus
Klaus Götzl: Drei Jahrzehnte für den Tourismus

Kommentare