„Ganz sensibles Thema“

Aufregung im Starnberger Bauausschuss um eine als Ensemble geschützte Linden-Allee in Percha

Lindenallee Percha
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Um eine denkmalgeschütze Lindenallee in Percha ist im Bauausschuss eine handfeste Diskussion entbrannt.

Starnberg - Aufregung um eine denkmalgeschützte Lindenallee im Ortsteil Percha: Der Eigentümer eines dort ansässigen landwirtschaftlichen Betriebes hatte im Februar den Antrag gestellt, die über seinen Grund verlaufende Wegeverbindung zwischen Percha Nord und Wangen so zu verlegen, „dass der neue Wegeverlauf die denkmalgeschützte Baumallee südlich des ehemaligen Gestüts Isarland kreuzt“, so die Darlegung des Sachstands durch die Starnberger Rathausverwaltung im Bauausschuss. Weil dieser Antrag aber bedeutet, dass der Landwirt für die angepeilte Verlegung des Weges eine Erlaubnis des nach dem Denkmalschutzgesetz benötigt, ist nun eine heftige Diskussion entbrannt.

Laut Rathaus stellt der bestehende Weg zwar „im Sinne der Freizeit- und Erholungsnutzung für Fußgänger und Radfahrer eine wichtige Verbindung zwischen Percha-Nord und Wangen bzw. Leutstetten“ dar, andererseits musste die Stadt kürzlich feststellen, dass er „rechtlich nicht gesichert ist“, so Bürgermeister Patrick Janik (UWG) im Ausschuss. Es gelte somit in Erwägung zu ziehen, dass man im Interesse der Stadt diese Sicherung mit Genehmigung des Antrages erreichen würde. Dieser Aspekt brachte sogleich mehrere Stadträte auf die Palme: Er würde allenfalls einen leichten Ausbau des Geh- und Radweges mitmachen, so Franz Sengl (Grüne), nicht aber eine Verbreiterung auf 3,50 Meter, welche zweifelsfrei eine Fällung der Alleebäume zur Folge hätte, „bloß um einem Privatmann einen Gefallen zu tun“.

Das Interesse der Stadt habe vielmehr bei den Fußgängern und Radlern zu liegen, wetterte Sengl. Ratskollegin Christiane Falk (SPD) wunderte sich über das Gebaren des Grundeigentümers: „Da kauft jemand ein Riesengelände, wohlwissend, dass es diese denkmalgeschützte Allee gibt, und verlangt dann, das Wegerecht um sein Grundstück herum zu verlegen – wegen seines landwirtschaftlichen Betriebs!“, so Falk. Bauamtsleiter Stefan Weinl bestätigte:

„Die Untere Denkmalschutzbehörde sieht das sehr kritisch.“ Der Antrag stellende Landwirt argumentiert hingegen laut Stadt, es gebe „ein erhebliches Konfliktpotential zwischen der beabsichtigten landwirtschaftlichen Grundstücksnutzung und der Nutzung des Weges durch die Öffentlichkeit“ – zu Deutsch: Landwirtschaftliche Fahrzeuge müssten unzumutbare Umwege fahren, um auf ihre Flächen zu gelangen.

Dass bei einer Wegeverlegung andere Landwirte in der Nähe womöglich wenig begeistert wären, steht auf einem anderen Blatt: Es wäre so etwas wie „vorauseilender Gehorsam“, solche Probleme des Antragstellers jetzt schon in seinem Sinne für ihn zu lösen, schob Sengl nach. Josef Pfister (Bündnis Mitte Starnberg) sah das ähnlich: „Der muss doch erst mal was entwickeln, selber agieren – warum sollen wir uns also jetzt schon die Köpfe heiß reden?“

Die Befürchtung. Der Landwirt könnte den auf seinem Grund und Boden liegenden Abschnitt des Geh- und Radweges einfach sperren, kommentierte Pfister mit den Worten: „Das gäbe einen Auf-schrei.“ Ludwig Jägerhuber (CSU) machte einen Vorschlag zur Güte, um Druck aus der Sache zu nehmen:

„Das ist ein ganz sensibles Thema, so der Stadtrat. Man möge „nochmals eine Ortsbesichtigung mit Aufsteckung machen“, um wenigstens optisch den Schwung der Wege-Alternative aufzuzeigen. Und das Gespräch mit dem Landwirt sollte man auch noch einmal suchen. Jägerhubes Antrag ging mit 12:0 durch: Man will nochmals reden, ehe Denkmalschutzbehörde bzw. Landratsamt entscheiden oder gar der Klageweg eingeschlagen wird.

Thomas Lochte

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