Sozialstunden und Freispruch

Auseinandersetzung in Hechendorfer Asylunterkunft - Jugendgericht spricht Urteil

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Eine Auseinandersetzung zwischen Bewohnern und Sicherheitsleuten in einer Hechendorfer Asylunterkunft beschäftigte kürzlich das Starnberger Jugendschöffengericht.

Hechendorf - In der Hechendorfer Asylunterkunft ging es Anfang Dezember 2017 heiß her. Sechs Bewohner gerieten mit zwei Sicherheitsleuten derart brüsk aneinander, dass Verletzungen nicht ausblieben. Vier junge Somali im Alter zwischen 21 und 23 Jahren mussten sich dieser Tage wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung in Mittäterschaft vor dem Starnberger Jugendschöffengericht verantworten.

Im Zeugenstand machte einer der attackierten Securities (34) zunächst seine Körperkraft deutlich: „Ich bin Sicherheitsfachkraft und deutscher Profiboxer.“ Nach eigenen Angaben hat der offenkundig muskulöse Bodyguard bereits Musikidole wie Kay One oder Fußballgrößen wie Ribéry und Costa beschützt. .Dennoch ließ sich der Münchner mitsamt seinem Kollegen von einer Gruppe schmächtiger Asylbewerber in die Flucht schlagen. 

Im Sitzungssaal schilderte der kräftige und bereits dreimal wegen Körperverletzung vorbestrafte Münchner, wie er nach 22 Uhr an der Zimmertür der Angeklagten klopfte, um die Nachtruhe einzufordern. Als die Sicherheitsmänner zwei unbekannte Gesichter unter den Asylbewerbern ausmachten und diese zum Gehen aufforderten, sei die Lage eskaliert. „Einer hat einen Topf genommen und auf meine Schulter geschlagen. Ein anderer ist auf meinen Kollegen mit einem Besen losgegangen.“ Als sich der Profiboxer wehrte, ging der jüngste Asylbewerber (21) zu Boden und trug eine blutende Kopfwunde davon. 

Dem bewaffneten Angriff eines zum Prozess nicht auffindbaren Asylbewerbers entging der 34-jährige Profiboxer offenbar nur knapp: „Er hatte ein Messer und wollte es mir in den Bauch stechen. Ich konnte ausweichen. Dass Messer fiel auf den Boden und ich wollte es aufheben. Da hat mir irgendeiner von denen einen Aschenbecher hinten draufgesetzt.“ Entsetzt über die Messerattacke fügte der erfahrene Bodyguard hinzu: „Er wollte mich umbringen. Ich wäre heute nicht mehr hier.“ 

Beide Sicherheitsmänner flüchteten in den Verwaltungscontainer: „Wir haben uns im Büro eingesperrt.“ Offenbar flogen daraufhin Steine gegen den Bürocontainer. „Sie haben die Fenster kaputt gemacht“, so der 34-Jährige. Auch sein 28-jähriger Kollege erinnerte sich im Zeugenstand daran, wie der 22-jährige Somali, der ihn kurz zuvor mit dem Besenstiel geschlagen hatte, eine Halsabschneider-Geste machte und „I kill you“ rief. Der 22-jährige Angeklagte hielt dagegen, er habe gleich nach dem Öffnen seiner Zimmertür einen Faustschlag seitens des 34-jährigen Security ins Gesicht kassiert: „Er hat uns angegriffen. Wir haben versucht, uns zu verteidigen. Ich habe einen Stock genommen und habe auf den anderen Security eingeschlagen.“ Bis zum Büro verfolgt habe man die beiden Sicherheitsleute allerdings nicht – „lediglich ein paar Schneebälle haben wir nach denen geschmissen“, räumte der 22-Jährige ein. 

Zu einem Urteil kam Jugendrichter Jehle nur im Falle des einschlägig vorbestraften 22-jährigen Besenstiel-Schlägers. Er muss 80 Sozialstunden ableisten. Einen Arrest hielten Jugendgerichtshilfe und Justiz hier für kontraproduktiv, denn seit dem Vorfall führe sich der junge Mann durchaus korrekt auf. Für den ältesten Mitangeklagten (23) erging Freispruch - ihm konnte nichts nachgewiesen werden. Der jüngste Somali (21), der selber eine schmerzhafte Kopfverletzung davontrug, galt als nur geringfügig am Tumult beteiligt und kam nicht zuletzt wegen der erlittenen Verletzung mit einer folgenlosen Verfahrenseinstellung davon. Auch das Verfahren gegen den vierten Mitangeklagten (22) kam gegen eine Geldauflage von 500 Euro zur Einstellung.

Von Nilda Höhlein

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