Neues aus dem Stadtrat

Bauantrag sorgt für Zündstoff

Abstimmung
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Auf Antrag Ludwig Jägerhubers kam es in Bezug auf das Bauvorhaben in der Ludwigstraße zur Abstimmung, die mit 7:6-Stimmen denkbar knapp am Beschluss festhielt, das Gebiet zu überplanen.

Starnberg - Der Bauantrag zur Errichtung eines Mehrfamilienhauses mit 17 Wohnungen, Gewerbeeinheit und Tiefgarage auf dem Grundstück Ludwigstr.5 (Ecke Kaiser-Wilhelm-Straße) weckte im Bauausschuss die Kämpfernatur des CSU-Stadtrats Ludwig Jägerhuber.

„Ich bin etwas enttäuscht und überrascht“, so Jägerhuber. Man habe doch schon am 23. Februar ausführlich die Defizite des Bebauungsplanentwurfs für den „Bereich nördlich der Ludwigstraße zwischen Maximilianstraße und Kaiser-Wilhelm-Straße“ diskutiert und sich anschließend dafür entschieden, dieses Planungsinstrument aufrecht zu erhalten. Jetzt aber, rund zwei Monate später, gebe es Wortmeldungen im Ausschuss, die davon abrücken wollten, wunderte sich der CSU ´ler, der als unermüdlicher Streiter für die Bewahrung ortsprägender baulicher Strukturen gilt. Beschlossen worden war im Februar Folgendes:

1. Sicherung eines (neben dem Neubauvorhaben) liegenden Grundstücks (Flurnummer 48/10) als öffentliche Verkehrsfläche;

2. Sicherung der Bauflucht an der Ludwig-straße durch Festsetzung einer Baulinie, die auch durch untergeordnete Bauteile nicht überschritten werden darf;

3. Sicherung einer Bebauung mit Einzelhäusern in offener Bauweise durch die Festsetzung von Baugrenzen; 4. Ausschluss einer Wohnnutzung in auf Straßenniveau liegenden Erdgeschossen in einer Tiefe von 6 m ab Straßenkante; 5. Begrenzung der zulässigen Wandhöhe auf 13,0 Meter.

 „Und jetzt liegt uns ein Bauantrag vom 20.Februar vor, der besagt: ´Interessiert mich nicht, was ihr beschließt!´“, erregte sich Jägerhuber. Es handle sich bei dem Grundstück Ludwigstraße 5 um „eines der wenigen Zentrumsgrundstücke“, und die Ostseite des beantragten Mehrfamiliengebäudes widerspreche nun „allem, was wir sonst in der Kaiser-Wilhelm-Straße haben.“ Bei einem solchen Entwurf aber könne man meinen, man sei „in Germering und nicht in der „qualitätsvollen Kaiser-Wilhelm-Straße“. Jägerhuber warb in Anbetracht des massiven Bebauungsvorhabens leidenschaftlich dafür, die Planungshoheit der Stadt mittels Überplanung des Quartiers nicht aus der Hand zu geben, andernfalls drohe Wildwuchs bzw. der Verlust jeglicher städtebaulicher Identität in diesem Bereich. „Nur mit einem Bebauungsplan ist es hier möglich, eine städtebaulich bessere Planung zu erreichen – und das ist keine Verhinderungsplanung!“

Andere Wortmeldungen im Ausschuss gingen in die Gegenrichtung: Ein Bebauungsplan sei „nicht vonnöten“, meinte Jägerhubers Fraktionskollege Rudolf Zirngibl und beantragte gleich mal die Aufhebung des Beschlusses vom 23.2. . Martin Fiedler (FDP) führte das Argument an, die Verwaltung ächze sowieso schon über der Flut der Bauanträge, und Dr. Johannes Glogger (WPS) fand sogar: „Dieser Bau fügt sich wunderbar ein, eine Mischung aus Alt und Modern – man muss auch mal was wagen!“

Franz Heidinger (Bürgerliste Starnberg) sekundierte: Lehne man dieses Vorhaben ab, werde „mit zweierlei Maß gemessen“. Irgendwo müssen man auch gerecht bleiben, „oder will man diesen Bauherrn fesseln?“ Es gebe in Starnberg doch ohnehin schon so viele Bausünden, sagte Heidinger. Es war dann Bürgermeister Patrick Janik, der den Ausschlag geben sollte: „Die Verwaltung hat erhebliche Zweifel, ob sich dieses Vorhaben einfügt“, merkte Janik an und lenkte den Blick auf die geplante Raumhöhe des Gebäudes, die den Festsetzungen des umstrittenen Bebauungsplans widerspräche. Ihm war freilich auch klar: „Die Frage, ob sich´s einfügt, ist der politischen Bewertung nicht zugänglich“, sondern letztlich Angelegenheit des Kreisbauamts als Genehmigungsbehörde.

Josef Pfister (BMS) hielt nicht viel vom Streben nach einheitlichem Erscheinungsbild, lobte dagegen die „Vielfalt an Gebäudearten“ und gab sich keinen Illusionen hin: „Die ganze Kaiser-Wilhelm-Straße ist nicht uniform, so wie ganz Starnberg nicht.“ Stadtbaumeister Stefan Weinl widersprach: „Es geht nicht um Uniformität, sondern um ähnliche Proportionen der Bauten, um Höhen, Baufluchten.“

Es kam zur auf Antrag Jägerhubers hin namentlichen Abstimmung, die mit 7:6-Stimmen denkbar knapp am Februar-Beschluss festhielt, das Gebiet zu überplanen. Bürgermeister Janiks Stimme hatte den Ausschlag gegeben: Der am 23.02. vorliegende Entwurf des Bauherrn, so Janik, sei noch „Ergebnis einer Beratung mit uns gewesen – der jetzige nicht“.

Thomas Lochte

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