Rettungsschirme decken nicht alle Bereiche ab

Bayerischer Jugendring kritisiert Politik: Jugendarbeit kommt in der Pandemie zu kurz

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Die Jugendarbeit kommt aufgrund der Corona-Pandemie derzeit zu kurz, klagte BJR-Präsident Matthias Fack auf der 156.Vollversammlung des Bayerischen Jugendringes (BJR), die vor Kurzem in Regensburg stattfand.

Region - Die Coronavirus-Pandemie hat wichtige jugendpolitische Themen verdrängt. Das hat Matthias Fack, Präsident des Bayerischen Jugendrings (BJR), auf der 156. Vollversammlung in Regensburg deutlich gemacht.

Der Bayerische Jugendring (BJR) habe mit seinem politischen und fachlichen Engagement dafür gesorgt, dass Jugendarbeit trotz Pandemie weitergehen konnte, betonte Fack im rahmen der Vollversammlung und bedauerte, dass bei den Rettungsschirmen zunächst nicht alle Bereiche der Gesellschaft berücksichtigt wurden.

„Es ist dann aber doch gelungen, dass der gemeinnützige Sektor und die soziale Infrastruktur, insbesondere die Jugendarbeit, durch schwierige Monate gekommen sind“, erklärte Fack und verwies auf Jugendbildungsstätten, Jugendherbergen und Jugendübernachtungshäuser. „Wir haben uns unter dem Motto jugendarbeithältzusammen gegenseitig Mut zugesprochen und gezeigt, dass Jugendarbeit möglich ist – auch digital. Und wir haben uns unermüdlich dafür eingesetzt, dass Jugendarbeit wieder verantwortungsvoll möglich wurde“, so der BJR-Präsident.

Das zeigt auch die erfolgreiche Umsetzung des Sonderprogramms Ferienangebote. Der BJR hatte dafür in den Sommerferien zusätzliche Verantwortung übernommen und koordinierte das Programm im Auftrag des bayerischen Kultusministeriums. Rund 220 Träger stellten mehr als 10.000 Plätze für Kinder und Jugendliche in etwa 870 Gruppen bereit. 

„Unser Ferienportal hat deutlich belegt, welche Kraft wir haben und wie viele Angebote Jugendarbeit vorhält – in den ‚normalen‘ Ferienprogrammen, aber auch in den zusätzlichen Angeboten“, erklärte Fack.

Anlass für Kritik gab das bei der Corona-Berichterstattung vorherrschende Bild von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft: Nicht alle verhielten sich per se verantwortungslos, insbesondere gegenüber älteren Menschen, wie es häufig dargestellt werde, so der BJR-Präsident.

„Was mich aber am meisten umtreibt ist, dass Kinder und Jugendliche nur als Schüler wahrgenommen werden“, meinte Fack. In den gesellschaftlichen Debatten sei es immer nur um Kindergärten, Kindertagesstätten oder Schulen gegangen. „Nicht Eingang gefunden hat die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche in besonderem Maße unter der SARS-CoV-2-Pandemie leiden“, kritisierte der BJR-Präsident. 

„Sie wollen nicht aufbewahrt werden. Sie brauchen Räume der Gemeinschaft, der Begegnung und der Gestaltung. Kinder und Jugendliche sind nicht Kindergartenkinder und Schüler. Sie sind Menschen. Und sie wollen als Menschen wahrgenommen, gehört und beteiligt werden.“ 

Facks Ansicht nach erwarten Kinder und Jugendliche zu Recht, dass die Gesellschaft ihre Anliegen, Sorgen und Möglichkeiten in den Blick nimmt und nicht nur verwaltet. „Ich erwarte von Regierung und Parlament, dass dieser Perspektivwechsel endlich stattfindet. Ich erwarte auch, dass das Achte Sozialgesetzbuch tatsächlich so reformiert wird, dass es ein wirkliches Kinder- und Jugendstärkungsgesetz wird. Wir wollen, dass es an den tatsächlichen Bedürfnissen aller Kinder und Jugendlicher ansetzt und dass dieses großartige Vorhaben nicht in unsinnigen Geld- und Zuständigkeitsdebatten aufgegeben wird", forderte der BJR-Präsident.

Die 156. Vollversammlung des BJR ist das höchste beschlussfassende Gremium der Jugendarbeit in Bayern. Es bestimmt die landesweiten Leitlinien, Ziele und Aufgaben des BJR und entscheidet über grundlegende Fragen der Gesamtorganisation.

Von Kreisbote

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