Bayerischer Hof

Vertiefende Machbarkeitsstudie abgelehnt

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Starnberg – Eine vertiefende Machbarkeitsstudie zu Chancen und Grenzen des Hotels „Bayerischer Hof“ wird es nicht geben.

Mit ihrer sechs zu sieben Entscheidung haben die Mitglieder des Bauausschusses erstmals seit langem mit der in Starnberg üblichen Tradition gebrochen, großzügig Gutachten in Auftrag zu geben- unabhängig davon, ob man die jeweiligen Projekte später umsetzt oder nicht. Grund für die Ablehnung von CSU, WPS, BLS,BMS und FDP waren die Kosten. 36.000 Euro netto hätte auch noch die bereits „abgespeckte“ Machbarkeitsstudie gekostet, die zusätzlich zu dem ohnehin bereits für 30.000 Euro beauftragen Gutachten, weitere Erkenntnisgewinne bringen sollte, ob die Größenordnung und Ausrichtung des Baudenkmals als Hotel funktioniert. Bereits vor einigen Wochen hatte der Bauausschuss über diese zusätzliche Machbarkeitsstudie heftig diskutiert. Auslöser war der Vorschlag von Architekt Lutz Heese - Präsident der Bayerischen Architektenkammer und ebenfalls mit einer Machbarkeitsstudie „Bayerischer Hof“ beauftragt - allerdings in punkto Städtebau. Um das Projekt aus hotelfachlicher Sicht beurteilen zu können, hatte Heese empfohlen, die Mainzer Unternehmensberatung Feuring Hotelconsulting GmbH zu beauftragen und so eine neutrale und unabhängige Einschätzung zu erhalten. Allerdings legte das Unternehmen, das sich seit 1959 ausschließlich mit Hotelfragen beschäftigt, ein stolzes Angebot vor: 60.000 Euro wollten de Hotelexperten bei ihrem ersten Angebot. „Zuviel“ fanden die Stadträte mehrheitlich - und konnten sich auch nicht vorstellen, was für neue Erkenntnisse dieses Gutachten überhaupt bringen sollte. „Da machen wir nur ein Fass auf und diskutieren dann am Schluss, ob es eine King Size-Matratze oder doch eine einfache sein soll,“ warnte Axel Stang (BLS). Angesichts der hohen Kosten und der städtischen Haushaltslage mahnte Professor Günther Picker, „sorgfältig mit dem Geld zu wirtschaften“. Es nützte auch nichts, dass Architekt Heese an die Wichtigkeit einer neutralen und unabhängigen Beratung erinnerte - frei von Interessenskonflikten. „Es ist doch von eminenter Bedeutung, wie groß ein Hotel sein muss oder welche allgemeinen Bereiche notwendig sind“, plädierte Heese - ohne Erfolg. Auch die Unterstützung von Stadtbaumeister Stephan Weinl brachte nichts. „Wir definieren damit, welche Art Hotel möglich und nötig ist, wie groß es sein muss oder welche Kosten für den Betreiber entstehen und können so den Investoren Vorgaben machen, die sie umsetzen müssen, so Weinl. FDP-Stadträtin Iris Ziebart fragte sich da schon, ob ein potentieller Investor, der 20 bis 30 Millionen Euro in die Hand nehme, überhaupt solch einem Gutachten vertraut: „Die haben eigene Berater“, so die Archtitektin. Die lange Liste von gescheiterten Projekten, bei denen man anfangs auch geglaubt habe die Daten dazu seine unverzichtbar, führte SPD-Stadtrat Holger Knigge an. Auf 80 Prozent Lagebeschreibung, wie man sie bei vorangegangenen Machbarkeitsstudien bekommen habe, wollte Walter Jann (BLS) gerne verzichten. Auch die nun jüngst von der Hotelconsulting vorgelegte abgespeckte Version fiel bei den Stadträten knapp durch. Unabhängig von dieser Entscheidung liegt sowohl Bürgern als auch Politikern viel am Erhalt des Ortsbildprägenden Gebäudes, das 1875 erbaut wurde und der Stadt Starnberg gehört. Grundsätzlich soll der denkmalgeschützte „Bayerische Hof“ als Hotel erhalten bleiben. Ohne Neu- beziehungsweise Erweiterungsbau dürfte das schwierig werden. Ab 120 Zimmern gilt ein Hotel erst als rentabel. Dazu kommt, dass die historischen Gebäudesubstanz marode und dringend sanierungsbedürftig ist: So muss der komplette Dachstuhl erneuert werden - und aufgrund ungenügenden Brandschutzes dürfen Dach- und zweites Obergeschoß nicht mehr genutzt werden. In den nächsten Monaten soll das Hotelprojekt zum Kauf beziehungsweise zur Verpachtung ausgeschrieben werden. Andrea Jaksch

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