Sie beklagt Auseinanderdriften von Stadt und Land

BBV-Landesversammlung mit Agrarministerin Manuela Kaniber in Herrsching

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Manuela Kaniber sprach bei der BBV Landesversammlung in Herrsching.

Herrsching – Am Donnerstag, lud der Bayerische Bauernverband (BBV) nach Herrsching zu einer Diskussion über aktuelle agrarpolitische Themen, unter dem Motto: nachhaltig – bodenständig – innovativ. Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) äußerte sich über den Eigentumspakt, Ausgleichszahlungen bei Dürren, Ferkelkastrationen bis hin zu Sozialen Medien und ihrer Rolle für die Landwirtschaft.

Die Landesversammlung begann um 9 Uhr mit einem Empfang und einer kurzen Begrüßung, auf die eine Stunde für Gespräche und Unterhaltungen folgte und bei der sich die Teilnehmer mit Kaffee und Brezen stärken konnten. Nachdem sich der Saal zügig gefüllt hatte, eröffnete BBV-Präsident Walter Heidl die Landesversammlung indem er die Vertreter der Kirchen, die Agrarministerin Michaela Kaniber, die Abgeordneten Ulrike Müller (FW), Dr. Leopold Herz (FW), Martin Schöffel (CSU), Horst Arnold (SPD), Regierungspräsidentin Maria Els, sowie die zahlreichen Vertreter aus der Wirtschaft wie der BayWa, den Molkereiverbänden, der Zuckerwirtschaft, der Versicherungskammer Bayern und den übrigen Gästen begrüßte. Unter dem Motto von Nachhaltigkeit, Bodenständigkeit und Innovation erinnerte Heidl an das 70-jährige Bestehen der Bauernschule Herrsching und der Landfrauen in Herrsching. Für die Landwirte wünschte er sich einen „Spagat zwischen Innovation und Wirtschaftlichkeit“ sowie einen starken Mittelstand in der Landwirtschaft.

Bayern ist für Kaniber ein von Landwirtschaft geprägtes Land

Zur Regierung merkte Heidl an, dass das CSU-FW-Kabinett mit einem Landwirte-Anteil von 68% ein gutes Beispiel dafür ist, welche Rolle die Landwirtschaft in der bayerischen Politik spielt und wie wichtig politisches Engagement von Landwirten ist. Er riet den Volksvertretern sachlich zu bleiben und sich nicht zu emotionalen und populistischen Aussagen hinreißen zu lassen. In einem leidenschaftlichen Exkurs sagte der BBV-Präsident über die Kritiker der Ferkelkastration: „Wer sagt örtliche Betäubung funktioniert nicht, soll auf die Spritze beim Zahnarzt verzichten“, um im Anschluss zu beteuern, dass die Kastration die ‘beste’ Lösung für die Tiere sei. Er gestand zu, dass Innovationen zur Verbesserung der Zustände in der Landwirtschaft bezüglich des Tierwohls und des Umweltschutzes wichtig sein, verbat sich aber Kritik an kleineren Betrieben, speziell Molkereien und lehnte grundsätzlich das Setzen von Fristen zur Verbesserung der Bedingungen ab. Von den Landwirten wünschte er sich mehr Offenheit für Kooperation mit der Forschung und eine stärkere Diversifizierung des eigenen Unternehmensmodells. Heidl stehe vollkommen hinter dem Ministerium für Landwirtschaft. Die Agrarministerin Michaela Kaniber kam, nach Walter Heidls etwas längeren Ansprache, ebenfalls zu Wort und richtete zu Beginn Grüße von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aus. Sie freute sich über die ‘stabile’ bürgerliche Mehrheit in der Landtagswahl und dankte den Freien Wählern dafür, den Kurs der vorherigen Regierung größtenteils mitzutragen. Bayern ist für sie ein von Landwirtschaft geprägtes Land, welches ihrer Meinung nach mit dem stellv. Ministerpräsident Hubert Aiwanger (FW) einen würdigen Partner für Themengebiete wie Bioökonomie und Bioenergie bekommen hat. Zum Eigentumspakt merkte Kaniber an, dass dieser, ihren Aussagen nach, einen großen Beitrag zum Schutz der Vielfalt Bayerns leistet und den Landwirten erlaubt, auf Augenhöhe mit Vertretern des überregionalen Umwelt- und Naturschutzes zu reden. Den Flächenverbrauch machte sie als ein zentrales Problem aus, dessen Lösung ein Umdenken in der Gesellschaft erfordere, was jedoch nicht bedeute, dass Landwirte ihre Ställe nicht mehr in den Außenraum verlegen dürfen. Zum Thema der Stilllegung von Wäldern merkte Kaniber an, dass davon staatliche Wälder betroffen sind und nicht private.

Weitere Agrarinvestitionsförderungen angekündigt

Im Anschluss widmete Michaela Kaniber sich der Ausgleichszahlungsordnung, die ihrer Meinung nach in der Vergangenheit an Kontinuität zu wünschen übrigließ. Bezüglich der Kritik am neuen Bezahlmodell, sagte sie, dass obwohl manche dadurch mehr gefördert werden als andere, ihre Partei damit die bestmögliche Aushandlung erreicht habe, mit rund 1,1 Milliarden Euro an Zahlungen an Landwirte in Bayern. Jedoch sollen insgesamt, zusammen mit dem Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) und den Ausgleichszahlungen, 1,3 Milliarden Euro an die Bauern fließen. Abgesehen von finanziellen Gesichtspunkten, beklagte Kaniber ein Auseinanderdriften von Stadt und Land, da ihrer Meinung nach besonders die Städter unterschätzen was das Land leistet. Das es dazu kommt, dass Kinder von Landwirten in der Schule gemobbt werden, zeige, dass es Bedarf gebe den Kindern auch über die Lehrer zu vermitteln, welche Bedeutung die Landwirtschaft besitzt. Sie forderte die Anwesenden Waldgrundbesitzer und Landwirte auf mit Stolz über ihre Arbeit zu reden. Bezüglich der Anbindehaltung von Rindern durch Landwirte, warnte Kaniber vor einem baldigen Strukturbruch und riet den Betrieben bald umzudenken. Folge von Diskussionen wie diesen, sei eine wachsende Kluft zwischen Landwirten, die letztlich alle betroffenen schwächen würde. Stattdessen riet sie dazu zusammenzuhalten und nicht zu vergessen, dass die Nutztierhaltung ca. 2/3 des Gesamtumsatzes in der Landwirtschaft ausmache. Kaniber äußerte sich ähnlich wie Walter Heidl positiv über die Beibehaltung der Ferkelkastration so wie sie ist und betonte, dass eine Lösung für die 2100 Schweinebauern gefunden werden muss und besonders dort die Regierungen einen wichtigen Beitrag leisten können. Zu den Vorgaben aus Regierungen mit anderen Mehrheitsverhältnissen merkte Kaniber an, dass die Forderungen nach offener Tierhaltung, dem Ziel der Reduzierung von umweltschädlichem Ammoniak zuwiderlaufen. Zusätzlich dazu kündigte die Agrarministerin weitere Agrarinvestitionsförderungen an, obwohl sie sich über die Zahl der Landwirte gewundert habe, die solche Fördergelder aus Gründen der Bürokratie ablehnten. Dennoch sah Kaniber ein großes Potential für die Landwirtschaft nachhaltiger beim Ackerbau vorzugehen, um Biodiversität zu schützen und weiteres Bienensterben zu verhindern, auch durch verantwortungsbewussteren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Lob an die Landfrauen

Bezüglich der Zukunft erwarte sie mehr Aktivität von Landwirten in den Sozialen Medien, um die Branche auch dort als einen wichtigen Bestandteil der Gesellschaft zu repräsentieren. Sie lobte das Engagement und die Ideenvielfalt der Landfrauen und Landwirtinnen und wünschte sich mehr Wertschätzung für ihre Arbeit. Für Jungbauern sollten Perspektiven geschaffen werden, mit Angeboten wie Gründer-Coaching, Unterstützung im Networking sowie modernen Best Practices, wofür sie die Einrichtung einer Junglandwirte-Kommission ins Auge fasse. Von allen Gruppen erhoffe sie sich aber ein aktiveres Mitwirken in der Forschung und die Bereitschaft zur Unterstützung von Forschungsprojekten, um auch in Zukunft die Vielfalt und Stabilität der Betriebe zu sichern. In der folgenden Diskussion antwortete sie auf die Fragen von BBV-Mitgliedern und Landwirten und setze sich in ihren Antworten dafür ein, auch die Vorzüge von Anbindehaltung klarer zu kommunizieren, in Zukunft für besseren Hochwasserschutz zu Sorgen, die Landwirtschaft wieder in die Bezirksregierungen einzugliedern, weitere Stilllegungen im bisherigen Ausmaß zu verhindern, für Biokraftsstoffe in Bayern zu kämpfen und Öko-Regio-Produktion zu fördern. Zu den Sorgen eines Düngerbauers, um dessen Ernte bei stark wechselnden Klimabedingungen, merkte sie an, dass die EU-Kommission mit Adleraugen auf die Handlungen in Bayern achte und sie keine größeren Versprechungen zur Erhöhung der Zulässigen Dürremenge machen kann, bis auf, dass im Notfall die Dürrehilfen kommen um den Bauern zu helfen. Mit einer Stunde Verspätung endete schließlich die Diskussion.

Von Richard Grieße

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