Befreiung der "gefesselten Stadt"

Verkehr ist und bleibt der Dauerbrenner in Starnberg. Foto: Jaksch

Als „Wendepunkt“ bezeichnet die Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“(BI) Äußerungen des Bayerischen Innenministers Joachim Herrmann bei dessen Besuch anlässlich einer CSU-Veranstaltung in Starnberg, nachdem der B2-Entlastungstunnel vor allem der Stadt und ihren Bürgern, und nicht überörtlichen Zielen dienen solle.

Die BI ist nach dieser Aussage zuversichtlich. Schließlich sei Herrmann Dienstherr der Obersten Baubehörde. Für die Umfahrungsbefürworter steht fest, dass „seine für (fast) alle Starnberger Bürger erfreuliche Mitteilung“ im Klartext heißt: „Der B2-Entlastungstunnel verkehrstechnisch hat keine überörtlich wesentliche Bedeutung, wird nur den Starnbergern zuliebe gebaut und die Starnberger können selbst entscheiden, ob sie ihn wollen.“ „Vielleicht gelingt es mit der Hilfe des Innenministers die B2 in eine Umfahrung um Starnberg herum zu leiten und damit noch eine nachhaltige Verkehrslösung zu erreichen - mit der Befreiung vom Durchgangsverkehr und damit wesentlichen Verbesserung der Lebens- und Wohnbedingungen sowie der Reduzierung der Gesundheitsgefährdung durch Lärm, Abgase und Feinstaub in der Innenstadt“, erklärten BI-Vorsitzender Hans-Jochen Diesfeld und sein Stellvertreter Klaus Ferstl bei einem Pressegespräch. Um einen Gesprächs- termin mit dem Innenminister haben sie bereits nachgesucht, darauf aber noch keine Antwort erhalten. Mut haben den BI-Vertretern aber nicht nur die Äußerungen des Innenministers gemacht, sondern auch die Ergebnisse des Mobilitätsprozesses. Dort war man sich einig gewesen, Durchgangsverkehr aus der Stadt heraus zu halten. Mit dem B2- Entlastungstunnel ist das laut BI aber gar nicht möglich. Erst wenn durch Starnbergs Stadtbereich keine Bundesstraße mehr führe und auch die Staatsstraßen zu Ortsstraßen abgestuft seien, also die B2 als Umfahrung rund um Starnberg führe, „könnten wir selbst entscheiden, wie diese umgebaut und zukünftig genutzt werden“, so der BI-Vorstand. Dann könn- ten die von allen geforderten sicheren Schul- und Fahrradwege sowie Straßenquerungen entstehen. „Auch Geschwindigkeitsreduzierungen in den Wohngebieten zur Erhöhung der Sicherheit und zur Lärmminderung sind dann ohne Zustimmung des Landratsamtes sowie des Straßenbauamtes möglich“, so die BI. Sie sieht die Umfahrung als Befreiung für die bisher durch ihre Topographie zwischen Landschaftsschutzgebiet und See „gefesselte Stadt“. Außerdem erinnerte die BI noch einmal daran, dass eine Umfahrung den Starnbergern, den Geschäftsinhabern, aber auch den Durchfahrern „eine Langzeit-Baustelle von mindestens fünf Jahren mitten in der Stadt und die damit verbundenen erheblichen Beeinträchtigungen ersparen würde“. Man könnte nun nur hoffen, dass Bürgermeister, Stadträte und Stadtverwaltung sofort die einmalige Chance ergreifen würden, die bereits beschlossene West-Umfahrung um das Reststück der Nord-Ost-Umfahrung zu erweitern. „Die Unterstützung (fast) aller Bürger ist auf diesem Weg sicher“, sind Diesfeld und Ferstl überzeugt. Bei entsprechenden Einsatz aller Kräfte, könnte laut BI die Planfeststellung bis 2014/15 abgeschlossen sein. „Damit wäre kaum Zeitverlust hinzunehmen, da ohnehin vor 2015 kein Geld für irgendeine B2-Maßnahme zur Verfügung steht“, so der BI-Vorstand. Um den Starnberger Stadtrat sowie übergeordnete Behörden zu bewegen, noch einmal alle Argumente der „Tunnelplanung aus dem letzten Jahrtausend“ zu überdenken und den Bürger nach seiner Meinung zu befragen, will die BI ihre Aktivitäten noch verstärken und weiter Mitglieder werben: „Wir wollen zeigen, dass die Bürger mehrheitlich den Tunnel nicht wollen, sondern für eine Umfahrung sind“, sagten Diesfeld und Ferstl. Als Antwort auf das Mobilitätsforum hat die BI bereits eine Resolution verfasst und den Verantwortlichen für den Stadtentwicklungsprozess übergeben. Darin fordert die BI ein „nachhaltiges und zukunftsfähiges Mobilitätskonzept für Starnberg mit einem nachhaltigen und stadtverträglichen Verkehrskonzept. „Das fehlt bislang“ so der BI-Vorstand abschließend.

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