"Begründung nicht vorhanden"

Sind bezüglich der Verhandlung zur Ortsumfahrung Weßling frohen Mutes: Günter Schorn (r.), die Kreisgeschäftsführerin des Bund Naturschutzes Helene Falk und der Vorsitzende der Ortsgruppe Bund Naturschutz in Weßling Gerhard Sailer. Foto: Jaksch

Der am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gegen den Planfestellungsbeschluss zur Ortsumfahrung Weßling klagende Bund Naturschutz sieht sich für die Verhandlung am 1./2.Februar gut gerüstet: „Ich gehe davon aus, dass das Gericht unsere Argumente annehmen wird“, sagte der BN-Kreisvorsitzende Günter Schorn bei einem Pressegespräch in Starnberg.

Man verstehe sich „auch als Umweltschutzorganisation“, so Schorn, deshalb werde man vor Gericht unter anderem auch damit argumentieren, dass mit der geplanten Umgehungsstraße „nur eine geringe Entlastung der Weßlinger Bürger“ erreicht werde, nämlich „maximal 45 bis 50 Prozent“ - somit blieben auch nach dem Bau der Umgehung noch immer „8.000 bis 12.000 Fahrzeuge täglich“, die die Hauptstraße mit Lärm und Abgasen belasteten – ein Unterschied vorher/nachher läge „im kaum hörbaren Bereich“, bestätige der Planungsverband äußerer Wirtschaftsraum. Die Bedenken gegen die geplante Umgehungsstraße, untermauert von Fachgutachten, fasst der BN so zusammen: „Eine Begründung für den Straßenbau und die damit einher gehende Naturzerstörung ist nicht vorhanden.“ Die Naturschutzgesetze, die auch für die Menschen gemacht seien, hätten „strenge Regeln für die Be-einträchtigung von streng geschützten Tieren aufgestellt“. Vor allem die „schlechte Planung der Trasse“ nebst „hydrogeologischen Fehlern“ sind den Naturschützern ein Dorn im Auge: Durch unkontrolliertes Versickern könne entlang der geplanten Umgehung Straßenabrieb das von der Gemeinde Wörthsee ausgewiesene Schutzgebiet für Trinkwasser kontaminieren - „ein Areal mit Löchern im Untergrund“, so Schorn. Durch das Zerschneiden von FFH-Flächen wie dem von Austrocknung bedrohten Schluifelder Moos würden unter Artenschutz stehende Tiere wie Kammmolch, Laub-frosch, Springfrosch, nicht mehr zu ihren angestammten Laichplätzen gelangen: „Ein Laubfrosch lässt sich zum Beispiel von einem Leitsystem überhaupt nicht beeindrucken“, sagt BN-Kreisgeschäftsführerin Helene Falk. Inzwischen seien im Bereich der vorgesehenen Umgehungsstraße von Spaziergängern auch noch größere Vorkommen des Hirschkäfers entdeckt worden, die Relevanz dieser Entdeckung sei noch zu prüfen, sagt Schorn. Dagmar Hoppe von der Ortsgruppe Wörthsee des Bund Naturschutz wünscht sich an Stelle technokratischer Details lieber einen „generellen Blick von oben“ auf die Situation: „Wenn ein Laubwald erst mal weg ist, ist es zu spät.“ Gerhard Sailer, BN-Vorsitzender in Weßling, sieht „viele bislang nicht ausgereizte Möglichkeit, den innerörtlichen Verkehr in Weßling zu reduzieren“ - die Überlastung der Hauptstraße sei nämlich zu 75 bis 80 Prozent hausgemacht. Am 2. März, dem „Verkehrstag“ des BN, soll zu dem Thema in Weßling eine Hochschul-Studie vorgestellt werden.

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