Stockdorf: Betrügerische Teppich-Verkäuferin ergaunert an der Haustür 6.000 Euro

+

Stockdorf – Wegen Betruges hätten sich eine 69-jährige Rentnerin aus München und ihre Tochter am Starnberger Amtsgericht verantworten müssen, doch zum Prozess er-schien lediglich die Mutter - Amtsrichterin Brigitte Braun trennte das Verfahren gegen die mit ärztlichem Attest kurzfristig entschuldigte Tochter ab, gegen diese muss nun gesondert verhandelt werden. Am Delikt, das der Mutter zur Last gelegt wurde, dürfte freilich auch die Tochter beteiligt gewesen sein.

Laut Anklage war das Duo durch jahrelange Teppich-Verkäufe an der Haustür mit einer heute 92-jährigen Stockdorferin in Kontakt gewesen. Im Juni 2013 hatte die 69-Jährige die betagte Dame schließlich um 6.000 Euro für ihren angeblich schwer erkrankten Sohn gebeten: Dieser liege in einem israelische Lazarett und müsse für eine Leber-OP nach Europa verlegt werden, so die Version. Die Rentnerin gab das Geld, im Vertrauen darauf, dass sie es zurück erhalten werde: „Ich wollte helfen“, so die Geschädigte im Zeugenstand. Kurz darauf suchte die fahrende Teppich-Verkäuferin jedoch weitere 11.000 Euro von ihr zu bekommen - der angeblich schwer kranke Sohn sollte nun in Zürich behandelt werden. Als „Sicherheit“ übergab man der Teppich-Kunden eine vermeintlich „wertvolle Brücke“, die sich später als Dutzendware entpuppen sollte. Doch die Sache flog auf: Als die Stockdorferin fest-stellte, dass sie die geforderten 11.000 Euro nicht zur Verfügung hatte, wollte sie die Teppichhändlerin per Handy darüber informieren - weil jedoch die angegebene Nummer falsch war bzw. einem Mann in Nordrhein-Westfalen gehörte, informierte der die Polizeiinspektion Planegg von dem auf seinem Anrufbeantworter gelandeten Absage-Text der Stockdorferin. Auch ein Bekannter der Geschädigten hatte diese inzwischen dringend davor gewarnt, sich weiter mit der Teppich-Verkäuferin einzulassen – und nachdem der Anruf die Betrügerin und ihre Tochter nicht erreicht hatte, kreuzten die beiden zum vereinbarten Geldübergabe-Termin in Stockdorf auf, wo sie von Polizeibeamten in Empfang genommen wurden. „Das sind alles herzzerreißende, Mitleid erregende Lügengeschichten,von denen ich höchstens die Hälfte glaube“, bewertete der Staatsanwalt das nun im Strafverfahren nochmals ausgebreitete Drama um den tödlich erkrankten Sohn der Angeklagten: „Ich kann das alles belegen“, erwiderte die 69-Jährige, setzte indes hinzu, sie „hätte in dieser Situation so Vieles erzählt, um meinen todkranken Sohn zu retten“. Der Sohn ist offenbar mittlerweile verstorben, doch von den geliehenen 6.000 Euro sei bis heute noch nichts zurückbezahlt, ließ die Stockdorferin wissen, die sämtliche Vorgänge in einem Gedächtnisprotokoll festgehalten hatte. Die Angeklagte beteuerte, sie werde das Geld aufbringen, doch so recht glauben mochte das Gericht der nach eigenen Angaben völlig mittellosen Frau nicht mehr: Die Staatsanwaltschaft forderte eine 15-monatige Vollzugsstrafe, Richterin Braun verurteilte die fahrende Teppich-Händlerin zu einem Jahr auf Bewährung - als Auflage muss diese mindestens 600 Euro an die geschädigte Kundin zurückzahlen. mps

Auch interessant

Meistgelesen

Zahl der Zweitjobber im Kreis Starnberg auf 5.800 gestiegen
Zahl der Zweitjobber im Kreis Starnberg auf 5.800 gestiegen
Tempolimit aufgehoben
Tempolimit aufgehoben
17-Jähriger zieht Messer
17-Jähriger zieht Messer
Eine gelungene Kooperation
Eine gelungene Kooperation

Kommentare