"Biete ich gleich 10.000 Euro?"

Artemed Stiftung kauft Grammophon für Sonderausstellung im Tutzinger Ortsmuseum

+
Mark Pearson, Bernhard Sontheim, Prof. Dr. Rainer Salfeld und Gernot Abendt erzählen die Geschichte des Grammophons.

Tutzing – „Nach jeder Platte muss eine neue Nadel eingesetzt werden, sonst nutzen sich die Schelllackplatten ab“, erklärt Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim, der ein begeisterter Grammophon Sammler ist. Er selber besitzt sogar 60 Exemplare! Auch Dr. Dirk Heißerer besitzt eins und nun wurde auch das Tutzinger Ortsmuseum mit einem der Instrumente bereichert. Kein Wunder, dass sich bei Sontheim der Verdacht aufdrängt, dass es in Feldafing die größte Dichte von Grammophonen auf die Einwohnerzahl gibt.

Durch seine Vorliebe machte Sontheim einen der Plattenspieler auf einem Onlineauktionsportal ausfindig. Es war bei seinem Besitzer in London und ist jetzt in der derzeitigen Sonderausstellung „Thomas Mann am Starnberger See“ und später im „Villino“ zu sehen und zu hören. Aus Deutschland konnte man für das Grammophon nicht mitbieten, woraufhin Prof. Dr. Rainer Salfeld, von der Artemed Stiftung, Mark Pearson - einen seit Jahren in Feldafing lebenden Engländer - bat, es aus England zu ersteigern. „Biete ich gleich 10.000 Euro oder doch weniger?“, lautet die Antwort auf Salfelds Bitte. „Ich weiß es noch ganz genau. Freitag Abend um 23.25 Uhr ging die Versteigerung zu Ende. Ich setzte mich 20 Minuten vorher an den Computer und gab mein Gebot ab. Dann machte ich jede Sekunde ein Update“, erzählt Pearson. Am Ende konnte er das Grammophon als einziger Bieter für 650 Pfund ersteigern. Er holte es am Sonntag bei dem Verkäufer ab und stellte es bei seinen in London lebenden Eltern ab, bis es nach Deutschland transportiert wurde. 

Der Grammophonexperte Sontheim weiß, dass das Instrument für englische Verhältnisse im oberen Preisniveau, für deutsche Verhältnisse hingegen, im unteren Preisniveau liegt, denn das selbe Grammophon (Nr. 192) der Marke „His Master´s Voice“ wurde in Deutschland schon mal für 1.800 Euro verkauft. Aber Sontheim zeigt sich zufrieden: „Das ist außergewöhnlich gut erhalten.“ 


Begeisterung bei Thomas Mann

Nach dieser einführenden Geschichte muss das Instrument auch präsentiert werden. Gernot Abendt, Verantwortlicher für die Sonderausstellung im Tutzinger Ortsmuseum, legt die Schelllackplatte auf, kurbelt kräftig an und dann beginnt die Musik. Zu der „Sterbeszene“ aus der Oper „Aida“ von Guiseppe Verdi (gesungen von Enrico Caruso und Johanna Gandski) schrieb Thomas Mann in seinem Buch „Der Zauberberg“: „Und Zärtlicheres gab es auf Erden nicht (…) als diese (…) Gefühlsannäherung zwischen der weltberühmten Tenorstimme (...) und einem glashellen-süßen Sopran.“

Auch Thomas Mann war begeistert von dem Grammophon und der einhergehenden, nie gekannten Musikwelt, erzählt Abendt. Das Grammophon war eine Sensation, denn nun konnte man zu Hause einfach eine Platte auflegen und ein Stück aus der Oper hören. Auch Salfeld äußert sich positiv über das antike Stück: „Ich finde es faszinierend, dass es rein mechanisch funktioniert.“

Das Exponat geht ans Villino

Nach der Sonderausstellung wird das Exponat ins „Feldafinger Mauseloch mit dem Grammophon“ – wie Thomas Mann das Villino selbst nannte – wandern. Dort ist neben dem Plattenspieler auch ein Film geplant. Die bewegten Bilder sollen den Zuschauern einen größeren Einblick in Manns Leben bieten, als es in der kleinen Villa möglich ist. Wann die Eröffnung sein wird, ist noch nicht sicher, aber die Planung steht. 

Die Sonderausstellung im Ortsmuseum ist noch bis zum 25. August zu besichtigen.

Von Lisa Livancic

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Baum fällt auf Oberleitung zwischen Herrsching und Hechendorf und fängt Feuer
Baum fällt auf Oberleitung zwischen Herrsching und Hechendorf und fängt Feuer
Randalierer in Seefelder Asylunterkunft gefunden
Randalierer in Seefelder Asylunterkunft gefunden
Navigation aus zwei BMWs in Tutzing gestohlen 
Navigation aus zwei BMWs in Tutzing gestohlen 
Arbeitslosenquote in Starnberg sinkt auf 2,6 Prozent
Arbeitslosenquote in Starnberg sinkt auf 2,6 Prozent

Kommentare