Börsianerin verliert in Schnellimbiss die Beherrschung

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Gilching – Weil ihr eine 16-jährige Aushilfsbedienung versehentlich Granatapfelsaft auf die Hose geschüttet hatte, verlor eine Kauffrau (57) aus Wien im März des Jahres in einem Schnellimbiss an der Römerstraße völlig die Beherrschung.

Die Börsianerin ging auf das türkische Mädchen los, beschimpfte es ausländerfeindlich und verpasste ihr beim folgenden Gerangel Kratzer im Gesicht und am Unterarm – drastische Folge: Das Starnberger Amtsgericht verurteilte die nicht vorbestrafte Frau wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu fast 30.000 Euro Geldstrafe.

Die eklatant hohe Summe kam zu Stande, nachdem die Kauffrau bei Angaben zu ihren persönlichen Verhältnissen dem Gericht erklärt hatte, sie verdiene mit ihren Börsengeschäften „durchschnittlich 20.000 Euro im Monat“. Der Staatsanwalt errechnete auf Basis dieser Information eine Tagessatzhöhe von 660 Euro und forderte als Strafmaß 65 Tagessätze, also sogar 42.900 Euro Geldstrafe – Richter Ralf Jehle ließ es bei 45 Tagessätzen bewenden, bescheinigte der Verurteilten aber „mangelnde Impulskontrolle“: Sie habe der „erkennbar minderjährigen“ Aushilfsbedienung ihre Kratzspuren zumindest mit „bedingtem Vorsatz“ zugefügt, so Jehle in seiner Urteilsbegründung. Obwohl das Mädchen nach dem Malheur mit dem verschütteten Granatapfelsaft sich sofort entschuldigt und ums Aufwischen bemüht hatte, war die Kundin laut mehreren Augenzeugen außer sich gewesen und hatte die Bedienung und bald auch das gesamte Laden-Personal als „Scheiß Türken“ beschimpft. 

Die Wienerin bestritt dies in der Gerichtsverhandlung: „Ist nicht meine Art, stimmt nicht.“ Dass die 60-Jährige abrupt aufgesprungen war und die um Bereinigung bemühte Bedienung von sich weg geschubst hatte, räumte die Angeklagte zwar ein („Es war halt ein Handgemenge“), behauptete jedoch, in einer Art Bedrohungssituation gehandelt zu haben, weil die Bedienung samt Wischlappen auf sie zu gekommen sei. Diese Version einer Spontanreaktion kaufte ihr der Richter indes nicht ab, denn die Zeugen hatten davon berichtet, dass die tobende Kundin bis zum Eintreffen der Polizei im Laden eine gute Viertelstunde lang weiter beleidigend herum geschrien habe. Der Vater des 16-jährigen Mädchens habe seine durchaus ebenfalls genervte Tochter zudem in die Küche beordert, so dass von einer „Bedrohung“ der Kundin keine Rede sein konnte. Die Geschädigte hatte sich übrigens zum Ärger des Richters geweigert, mit ihrer Mutter aus der Türkei zur Verhandlung anzureisen: Die Folge war ein Ordnungsgeld von 100 Euro gegen die Säumige. Die angeklagte Börsianerin wiederum erzählte noch, der Granatapfelsaft habe ihre Hose völlig ruiniert, diese sei nicht mehr zu reinigen gewesen: „Ich dachte damals, die Polizei kommt wegen des Schadens.“ Ihr fehlendes Unrechtsbewusstsein kommt sie nun teuer zu stehen. mps

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