Der Bridge Club Inning sucht verzweifelt ein neues Zuhause

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Inning/Herrsching – „Das Haus der Vereine wurde mit öffentlichen Mitteln gebaut“, ärgert sich Christine Metzger. Es ist Montagnachmittag in der Finanzhochschule Herrsching. Zu viert sitzen die rund 40 Mitglieder vom Bridge Club Inning an den Tischen, in der Hand die Karten.

Die Vereinsvorsitzende unterbricht ihr Spiel und wiederholt „mit öffentlichen Mitteln“. Ein Verein, sagt sie, müsste folglich hier Platz finden. Gemeint ist Innings Haus der Vereine, wo bis vor sieben Jahre bis zu 60 Spieler Woche für Woche im wahrsten Sinne ihre Karten auf den Tisch legten – und schlechte Karten hat der Verein aktuell in Sachen Bleiberecht. Nach einem Pächterwechsel mussten sie nämlich aus dem Vereinshaus raus. Sie konsumierten nicht genügend, sodass es sich in Anbetracht der Heizkosten und dem notwendigen Personal für die Bedienung und Toilettenreinigung für den Pächter einfach nicht lohnte. „Wir konsumierten pro Nase 7 bis 10 Euro“, rechnet die Vorsitzende vor und gesteht: „Das ist natürlich nicht viel.“ Sie zogen in den Gasthof Zur Post um – und wieder war es ein Pächterwechsel und finanzielle Gründe, die dem ein Ende setzten: Der Platz werde für Busreisende benötigt, die hier zu Mittag essen. Der 90 Mitglieder starke und vor 20 Jahren gegründete Bridge Club fand in Herrsching eine vorübergehende Bleibe, wo auch heute konzentrierte Stille herrscht. „Bridge ist ein spannend-königliches Spiel“, schwärmt die 72-Jährige. Sie selbst begeisterte sich vor gut 30 Jahren dafür. Das war in Österreich, wo sie durch Zufall in zwei Räumen Spieler bei einem Turnier beobachtete. Die waren so in ihr Spiel versunken, dass sie sich auch nicht von dem strahlend schönen Tag davon abbringen ließen – und auf der Titanic soll an jenem schicksalshaften Tag solange Bridge gespielt worden sein, bis das Wasser eindrang. Taktik und Geschick sei mehr gefragt als Glück, denn die Teams müssten ihre Stiche möglichst genau voraussagen. „Es ist immer alles offen.“ Die Gäste kommen teilweise aus München oder Landsberg, für das Weihnachts-Turnier reise sogar regelmäßig eine 90-Jährige aus Südafrika an. An Aktiven fehlt es folglich nicht. Dafür fehlt der Raum in Inning, der am Montag von 14 bis 18 Uhr an 10 bis 15 Tischen 40 bis 60 Leute aufnehmen kann. Geradezu ideal wäre da das Haus der Vereine, sind sich alle einig. Mit Bürgermeister Walter Bleimaier habe Metzger bereits mehrmals gesprochen. Ohne Erfolg. „Die Verwaltung tut nichts“, beschwert sich eine Spielerin. „Das stimmt“, sagt der Rathauschef. „Es ist nicht unsere Aufgabe, für die Vereine passende Räume zu finden.“ Vorstellbar wäre, dass bei einer Miete von vielleicht fünf Euro pro Nase der Pächter vom „Spectacel“ mit sich reden ließe, schlägt er vor. Allerdings könnte es gut sein, dass vorerst eine Kindergartengruppe während Sanierungsarbeiten im Kindergarten vorübergehend ins Haus der Vereine ausweicht. Das Bridge-Spiel kommt ohne Joker aus – den könnte der Club jetzt aber bei der Suche nach passenden Räumlichkeiten gut gebrauchen. „Es wäre toll, wenn sich was bewegt“, betont die Vorsitzende und taucht wieder im Kartenspiel ab. Es bleibt also in jeder Hinsicht spannend für die Club-Mitglieder. M. Kirner

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