Brücke Starnberg

"Anpacken gefällt den Jungs"

Starnberg – Die Zahl straffälliger Jugendlicher ist zurückgegangen. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte Nachricht ist, dass die psychische Druck auf die Heranwachsenden ständig zunimmt, wie die beiden Sozialpädagoginnen Michaela Fischhaber und Corinna Büge sowie der Vorsitzende des Vereins „Brücke Starnberg“ am Freitag beim Pressegespräch mitteilten. Seit 1980 können 14- bis 21-Jährige, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, über den Verein ihre Sozialstunden ableisten. Rund zwei Drittel der Jugendlichen sind männlich, allerdings finden sich heuer im Vergleich zum letzten Jahr sechs Prozent mehr junge Frauen in der Statistik wieder. Nummer eins auf der Tabelle ist der Diebstahl. Je nach dem sei das ein „alterstypisches Delikt“, räumten die Pädagoginnen ein. Denn Teenager greifen in dieser Entwicklungsphase bekanntlich öfter Mal nach fremdem Eigentum, was natürlich auch auf erzieherische Mängel zurückzuführen ist. Den zweiten Platz belegten Körperverletzungen, gleich an dritter Stelle stand der Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. „Oft fehlt bei den Kindern und Heranwachsenden einfach nur die häusliche Zuwendung“, erklärte der Vorsitzende. Und diesen Mangel an Fürsorge und Nähe erspüren die Mitarbeiter im Gespräch. Nicht selten sei die Tat einfach nur ein Hilfeschrei, so Fischhaber. „Unsere Arbeit hat mit Vertrauen zu tun und es liegt uns am Herzen, den Jugendlichen einen Rahmen zu bieten, in dem sie über Probleme reden können.“ Dabei steht nicht die Bestrafung an erster Stelle, sondern die Einsicht und die Möglichkeit, dass die Heranwachsenden ihr Leben in die Hand nehmen und einen gesetzestreuen Weg einschlagen. In der Hanfelder Straße 11 finden sie dabei Unterstützung. Manchmal kommen auch schulpflichtige Jugendliche vor Gericht, die unregelmäßig oder gar nicht zur Schule gehen. Statt einem Bußgeld, dürfen sie Sozialstunden ableisten. Die beginnen immer im Gespräch. „Wir laden den Jugendlichen zu uns ein und klären, aus welchen Gründen die Fehlstunden entstanden sind und bieten die Teilnahme am Schulprojekt an.“ Bei der Brücke bekommen die Orientierungslosen Perspektiven aufgezeigt. Unter anderem, indem sie ihre Stärken und Schwächen eruieren. Am Ende steht die gemeinsam verfasste Bewerbung für eine Lehrstelle oder einen Job – und wenn das zum Erfolg führt, steigt auch das Selbstbewusstsein. Die nachwachsende Generation steht unter hohem Erfolgsdruck und gerät schon sehr früh an seine Grenzen. Und wenn dann kein Ansprechpartner oder eine soziale Stütze da ist, kann der Betroffene leicht ins falsche Milieu abrutschen. Und das ziehe sich durch alle Schichten. Asylbewerber betreut die Brücke kaum. „Höchstens aufgrund eines gefälschten Passes oder Ähnlichem, das sie für die Flucht benötigten.“ Auffallend sei, dass die Heimatvertriebenen bestrebt seien, so schnell wie möglich die Stun-den abzuleisten. Jene werden nicht willkürlich vergeben. „Wir versuchen nach Möglichkeit nach Fähigkeiten und Berufs-wunsch zu vermitteln“, so Weger. Seit Oktober 2014 können sie auch bei Naturschutzaktionen mitarbeiten. Anpacken, „das gefällt vor allem den Jungs“, sagte Büge mit einem Augenzwinkern. Ein großer Dank geht ans Landratsamt und die gute Zusammenarbeit mit dem Amtsgericht und den Einsatzstellen. mk

Auch interessant

Meistgelesen

Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Klinikum Starnberg: Telemedizinische Anbindung mit NIDA
Klinikum Starnberg: Telemedizinische Anbindung mit NIDA
ASTO-Erfolgsgeschichte geht weiter: Richtfest für Marriot Hotel
ASTO-Erfolgsgeschichte geht weiter: Richtfest für Marriot Hotel
Klaus Götzl: Drei Jahrzehnte für den Tourismus
Klaus Götzl: Drei Jahrzehnte für den Tourismus

Kommentare