Bürger sind gefragt

Elementare Aufgabe des kommunenübergreifenden Projekts „Würmtal – das Radltal“ ist die Bewusstseinsbildung der Bürger. „Wenn die Bürger nicht bereit sind, ihr Mobilitätsverhalten zu ändern, können wir noch so viele Radwege bauen“, so Projektleiter Christian Fahnberg vom Ingenieurbüro Ingevost. Als erster Schritt wird derzeit im Rahmen des Mobilitätsmanagement die momentane Radverkehrssituation erfasst und zwar gemeindeübergreifend. Mit dem interkommunalen Projekt verfolgt Fahnberg das Ziel, den zwischengemeindlichen Radverkehr im Würmtal zu fördern. „Wir müssen Schwachstellen über die Gemeindegrenzen hinaus herausfinden.“

Während der Binnenverkehr in den jeweiligen Gemeinden relativ gut ist, sei der Radverkehr beispielsweise von Gräfelfling nach Planegg um Dimensionen niedriger, so der Verkehrsplaner. „Sobald wir die Momentsituation erfasst haben, werden alle Schwachstellen des gesamten Straßenverkehrsnetz auf einen Plan eingezeichnet.“ Der Plan umfasst alle fünf Würmtal-Gemeinden. Dazu bedarf es auch der Mithilfe der Bürger, die dazu aufgerufen werden, Schwierigkeiten und Schwachstellen im Radverkehr darzustellen. „Unser Auftrag braucht eine Bürgerbeteiligung.“ Diejenigen, die täglich mit dem Radl unterwegs sind, wissen genau wo es gefährlich und unübersichtlich ist. Deshalb plant Fahnberg im Rahmen des Projekts eine große Auftaktveranstaltung im Oktober oder November. Dort sind alle Pläne öffentlich zugänglich. Für das Projekt wurde ein Lenkungskreis mit Vertretern aus allen Gemeinden gebildet. Fahnberg spricht von einem „auftragsbegleitenden Arbeitskreis“. Gräfelfing wird durch die Gemeinderäte Benno Stübner, Jürgen Lüsch und Hans Furbach vertreten sowie Thomas Leineweber von der Gemeindeverwaltung, Bereich Umweltangelegenheiten. Mit von der Partie ist auch ein Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, Ortsgruppe Würmtal. Der Arbeitskreis begleitet den Auftrag und ist „als Scharnier zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer zu verstehen“. Er dient als „Sprachrohr von den gesellschaftsrelevanten Gruppen in den Auftrag“ und zum Erfahrungsaustausch. Längst hätte Fahnberg die Mitglieder des Arbeitskreis zu einem ersten Treffen eingeladen, aber noch „wurden uns nicht die Vertreter aus Neuried genannt.“ Sobald diese feststehen, lädt er zu einem ersten Treffen im September ein, um miteinander den weiteren Fahrplan zu besprechen. „Wir brauchen sichere Radwege um Radfahren zu können, dennoch wird vieles nicht machbar sein. Der beste Radweg nützt nichts wenn er auf eine Kreuzung trifft oder an der Bushaltestelle endet. Radweg ist nicht immer gleich Radweg.“ Unfallanalysen haben ergeben, so Fahnberg, dass man als Radfahrer am sichersten auf der Straße fährt. „Dort wird man von den Fahrzeugen gesehen.“ Allein die Unfallgefahr an Kreuzungen wird durch Radwege vervielfacht, insbesondere an Kreuzungen ohne Lichtzeichenanlagen. „Wenn wir die Schwachstellenanalyse erarbeitet haben, geht’s an die Bewertung und Umsetzung im Rahmen der Möglichkeiten.“ Vorschläge zur Priorisierung werden gemacht, die kurz- oder langfristig auch von den Kosten abhängen. Als erste Sofortmaßnahmen nennt Fahnberg breitere Gehwege für Rad- und Fußgänger, schmalere Straßen, Bordsteinabsenkungen, Verlängerung bestehender Radwege, Radfahrstreifen, Verlängerung der bestehenden Radwege, Wegweisung des Radverkehrsnetzes wie auch die Sicherung von Querungsstellen. „Mit dem Ergebnis wollen wir erneut in die Öffentlichkeit gehen.“ Zudem träumt es Fahnberg von einer Sitzung aller Gemeinderäte, einem so genannten Würmtalgemeinderat, weg vom „Gemeindeegoismus“, indem gemeinsam das interkommunale Radverkehrsnetz auch umgesetzt wird. Das Projekt „Würmtal – das Radltal“ ist für den Visionär Fahnberg der „Anfang eines neuen Weiterdenkens“.

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