Bürgermeister schlagen Alarm

Im zweiten Teil der Machbarkeitsstudie zum Autobahnring-Süd führen fast alle verbliebenen Varianten direkt durch das Würmtal. Vergangene Woche trafen sich Politiker und Bürgermeister der betroffenen Gemeinden zu einer Protestkundgebung in Krailling.

Helles Entsetzen an der Würm: Das zweite Teilergebnis der Machbarkeitsstudie lässt von ursprünglich 95 Trassen jetzt noch acht übrig. Ein zirka zehn Kilometer langer Tunnel von Pasing unter der Isar durch nach Unterhaching wird nicht ernsthaft diskutiert, weil er viel zu teuer wäre. Bleiben also nur noch sieben Varianten und die führen alle von der A 96 über Gräfelfing, Planegg, Krailling, Gauting und Neuried zur A95. In zwei Modellen müsste Krailling untertunnelt werden. Das dritte sieht eine Trasse südlich des Orts über die Sanatoriumswiese und weiter beispielsweise mit einer Autobahnbrücke über das Grubmühlerfeld zwischen Gauting und Stockdorf Richtung Neuried oder Buchendorf zur A95 vor. Diese Variante wäre nach den derzeitigen Berechnungen mit rund 400.000 Millionen Euro die weitaus billigste Lösung. Bei allen anderen liegen die geschätzten Kosten bei weit über eine Milliarde Euro. Wenn es im Herbst tatsächlich zu einer Empfehlung für den Autobahn-Südring kommen sollte, dann führt die Trasse inklusive Anschlussstellen wahrscheinlich oberirdisch mitten durch das Würmtal. Es ist eine Horrorvorstellung für die Anwohner. Krailling würde durch Zufahrtsstraßen und Autobahnwälle förmlich eingeschnürt, das Würmtal mit einer Autobahn auf Betonstelzen überspannt, gewachsene Ortsstrukturen zerschnitten; die hohe Lebens- und Wohnqualität in der gesamten Region wäre dahin, wertvolle Wälder und Naherholungsgebiete für immer vernichtet. Nach dem Motto „Wehret den Anfängen“ protestierten die Bürgermeister der betroffenen Kommunen am 6. Mai gemeinsam mit Landrat Karl Roth in Krailling auf der Sanatoriumswiese gegen „jeden Versuch, eine Autobahn durch dicht besiedelte Wohn- und Naturschutzgebiete zu planen“. Christine Borst, Bürgermeisterin von Krailling: „Egal, um welche Variante es geht, welche Gemeinde mehr oder weniger betroffen ist, wir sind uns einig und werden uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln wehren, notfalls auch vor Gericht.“ Auch für ihre Gautinger Amtskollegin Brigitte Servatius, sind die Ergebnisse der Studie „absolut indiskutabel“. Auf großen Plakaten wird in Krailling und Gauting auf die drohende Gefahr hingewiesen, Planegg und Gräfelfing werden sich anschließen. In den Rathäusern liegen Unterschriftslisten, tausende empörter Anwohner haben sich schon eingetragen. Die Listen werden demnächst an Ministerpräsident Horst Seehofer übergeben. Unterstützung dürfen die Bürgermeister von Wirtschaftsminister Martin Zeil (Gauting) und Finanzminister Georg Fahrenschon (Neuried) erwarten. Auch Landrat Karl Roth aus Starnberg kämpft für die Würmtaler: „Natur- und Erholungsflächen dürfen in der heutigen Zeit nicht mehr für eine Autobahn zerstört werden“. Vor allem, wenn deren Nutzen für den Verkehr auf den stark frequentierten Autobahnen längst nicht so positiv eingeschätzt wird, wie von vielen erwartet wurde. Der renommierte Verkehrsplaner Professor Harald Kurzak war von den Ergebnissen seiner Studie teilweise selbst überrascht und enttäuscht, wonach durch einen Autobahn-Südring beispielsweise die stark belasteten Abschnitte im Norden und Osten der A99 um gerade mal sechs Prozent entlastet würden:. „Ich hatte gehofft, dass es mehr ist.“ Und auch auf den Fern-Durchreiseverkehrs würde sich ein Südring abgesehen von der Hauptreisezeit nur mit zehn prozent auswirken. Die größten Vorteile sieht die Studie für den Verkehr im Großraum München und in der Stadt selbst. Allerdings, so kritisiert Brigitte Servatius: „Die Untertunnelung des Luise-Kisselbachplatzes und die damit verbundene Entlastung für den Mittleren Ring wurde überhaupt nicht berücksichtigt, nicht einmal erwähnt.“ Sie hofft, dass der Autobahn-Südring nach der nun vorliegenden Kosten-Nutzenanalyse endlich für immer aus dem Bundeswegsplan verschwindet. Denn: „Was in den 60er Jahren vielleicht noch machbar gewesen wäre und versäumt wurde, kann man heute auch aus ökologischen Gründen einfach nicht mehr umsetzen.“ Im Herbst soll die Machbarkeitsstudie abgeschossen sein. Ob es dann überhaupt zu einer Empfehlung für den Bau eines Südrings kommen wird, ist fraglich. Wenn doch, haben die Politiker das Wort und dann wird sich zeigen, wie es im Würmtal weitergeht.

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