Ein Kommentar von unserem Autor Thomas Lochte

Bürgermeisterwahl in Starnberg: Von Triumph und Debakel

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Neue Besen kehren besser: Patrick Janik hat es ins Starnberger Rathaus geschafft – und tritt ein schweres Erbe an.

Starnberg - Patrick Janik ist mit 51,7 Prozent der Stimmen gleich im ersten Wahlgang zum Bürgermeister Starnbergs gewählt worden – ein haushoher Sieg, den nicht einmal die Anhänger des von fünf Stadtratsfraktionen unterstützten Bewerbers erwartet hatten.

Der Triumph des 44-jährigen Rechtsanwalts ist zugleich ein Debakel für die bisherige Amtsinhaberin Eva John, die es auf nur 28,5 Prozent der Stimmen brachte. John indes zeigte sich auch in der Niederlage als vollkommen uneinsichtig, was eigene Fehler und Versäumnisse angeht: Eine dreijährige „Kampagne“ gegen ihre Person sei an allem schuld gewesen, ließ sie verlauten. Nicht etwa der Umstand, dass ihr sogar ein Gericht bescheinigen musste, dass ihre Art der Amtsführung sechs Jahre lang eine selbstherrliche Solo-Nummer gewesen ist, die mit der Kommunal- und Geschäftsordnung oft wenig in Einklang zu bringen war: Entscheidungen des Stadtrats, die ihrer eigenen Meinung zuwider liefen, wurden von Eva John immer wieder rechtsaufsichtlich beanstandet, verschleppt oder zuweilen trotz „Bekräftigungsbeschlüssen“ gar nicht umgesetzt. Dass sie aus ihrer Ablehnung des mehrheitlich beschlossenen B 2-Tunnels kein Hehl machte, ist die eine Sache und ihr gutes Recht, dass sie diese Mehrheitsentscheidung durch öffentliche Auftritte wie beim sogenannten Spatenstich aber regelrecht sabotierte, zeigte deutlich, wie es um ihr Demokratieverständnis bestellt ist. Doch ihre persönliche Mängel-Liste als angebliche Bürgermeisterin aller Starnberger/Innen (Wahlversprechen 2014) ist noch länger: Die Herausgabe von Informationen, die den Stadträten qua Geschäftsordnung zwingend hätten zur Verfügung stehen müssen, musste teilweise regelrecht erzwungen werden. Sogar antisemitische Ausfälligkeiten eines ihrer WPS-Unterstützer im Stadtrat gegenüber einer Ratskollegin ließ die Bürgermeisterin in ihrer Eigenschaft als Sitzungsleiterin ungerügt – und das just an einem Tag, als man zu Sitzungsbeginn eine Gedenkminute für die Opfer rechten Terrors abhielt. Nein, das John‘sche Maß war einfach voll aus Sicht vieler Starnberger. Es nutzte der Rathauschefin auch nichts mehr, dass sie durchaus wahrgenommen wurde als Gestalterin eines fußgänger- und radlerfreundlicheren Starnberg, die sich zuweilen sogar als bürgernah zu inszenieren verstand. Doch selbst als es um die Umgestaltung des Straßenverkehrs in der Stadt ging, zeichnete Eva John sich durch Eigenmächtigkeiten aus, die aus guten Absichten letztlich Ärgernisse machten, siehe Bushalt „Söcking Mitte“, siehe die gemeingefährliche Abbiege-Situation an der Oßwaldstraße. Die hohe Fluktuation von Rathausmitarbeitern in der Ära John spricht im Übrigen ebenfalls für sich: John duldete in ihrer Nähe nur noch Ja-Sager und schaffte den Posten des Geschäftsleitenden Beamten quasi ab. Nein, Eva John ist alles andere als das „Opfer“ einer Kampagne: Sie war und blieb eine nicht konsensfähige Solistin, und eine Mehrheit der Starnberger/Innen hat das begriffen. Es waren für alle „lehrreiche Jahre“ (Zitat Eva John).

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