Burn Out Selbsthilfegruppe

Die Generation Doppelbelastung

+

Herrsching – Es nennt sich Belastungs-Depression oder Burnout. Erst stürzt sich der Betroffene von einer Überbelastung in die nächste. Dann geht nichts mehr. Er ist wie gelähmt, bringt die Kraft für die kleinsten Dinge im Alltag nicht mehr auf.

Es ist ein Zustand des „körperlichen und emotionalen Ausgebranntseins“ – und „Volkskrankheit Nummer zwei“, sagte Andreas Japes bei der Vorstellung der neuen Selbsthilfegruppe in der „Herrschinger Insel“. Der 55-Jährige weiß, wovon er spricht. Vor acht Jahren stand er selbst kurz vor dem Zusammenbruch. Geholfen hat ihm unter anderem die Selbsthilfegruppe. Vor vier Jahren rief der Hechendorfer eine Gruppe in Germering ins Leben und leitet jetzt eine in der Insel. „Wir erheben keinen therapeutischen Anspruch“, betont der Diplom Ingenieur. „Wir tauschen uns auf Augenhöhe aus, teilen Erfahrungen oder Gefühle zum Krankheitsbild und erarbeiten Lösungsmöglichkeiten.“ Achtsamkeitstraining und Übungen für eine stärkere Sinneswahrnehmung, Genusswanderungen oder Beiträgen von Fachleuten sind Teil der Treffen. Achtsamkeit ist ein Wort, das Japes gleich am Anfang benutzt. Die ist dem Burnout-Patienten nämlich abhanden gekommen. Er hetzt von Termin zu Termin. Atemlos. Pausenlos. Die „Work-Life-Balance“ gerät aus dem Gleichgewicht. Das sind Warnsignale. Die Ursachen sind vielschichtig, meistens kommen mehrere Aspekte zusammen. Zum Beispiel die Wechseljahre, die ständige Erreichbarkeit; Stress in der Beziehung, mit den Kindern oder Probleme bei der Arbeit. „Wir sind die Generation der Doppelbelastung“, unterstreicht Barbara Maier-Steiger, Leiterin der Herrschinger Insel. Unterdessen sind auch viele Männer betroffen. „Wir stehen mehr zu unseren Gefühlen“, analysiert der Gruppenleiter. Burnout hat nämlich auch mit einer Reizüberflutung zu tun. „Die Menschen sind hypersensibel, nehmen ihr Umfeld intensiv wahr, können aber nicht verarbeiten, was sie erleben.“ Und noch ein Faktor spielt rein: „Meistens geben die Betroffenen mehr, als sie nehmen“, so Erika Kammermeier von der Insel. „Wir sind überfordert, weil wir nicht gelernt haben, nichts zu tun“, wirft Japes ein. Viele kleine Bausteinchen, die zu dieser Form der Depression führen können. „Es ist eine Suchterscheinung. Wie Alkoholiker.“ Die Folge können Schlafstörungen sein. Diese Gelähmtheit. Bei Japes kamen noch körperliche Probleme hinzu. Er litt unter Migräne und Schulterschmerzen. „Ich hatte keine Lust zu arbeiten und auf die Familie, keine Freude mehr.“ Erst ging er zum Therapeuten. Dann in die Selbsthilfegruppe. Der Austausch unter Menschen in einem geschützten Rahmen, die das gleiche durchlaufen haben, war für ihn wichtig. „Kein hier gesprochenes Wort verlässt die Schwelle dieser Tür.“ Diese Erfahrung gibt er jetzt an andere weiter. Und er rät: „Warten Sie nicht, bis die Lähmung eintritt. Kommen Sie vorher.“ Das Angebot wahrnehmen kann jeder, der bei sich Symptome feststellt oder bereits diagnostiziert und in Therapie ist. Allerdings nur gegen Voranmeldung. Seit Anfang März können Betroffene Selbsthilfegruppe „Burnout Syndrom“ in der Herrschinger Insel, Bahnhofstraße 38, 82211 Herrsching, jeden 2. und 4. Dienstag im Monat von 19 bis 21 Uhr zu der Selbsthilfegruppe hinzustoßen. Die Selbsthilfekontaktstelle der Herrschinger Insel ist unter der Telefonnummer 08152/993 80 30 und info@herrschinger-insel.de erreichbar. mk

Auch interessant

Meistgelesen

Relativ steile Karriere hingelegt
Relativ steile Karriere hingelegt
KurTheater Tutzing erhält FFF-Kino-Programmpreis
KurTheater Tutzing erhält FFF-Kino-Programmpreis
Ausschreibung kann beginnen
Ausschreibung kann beginnen
Mahlzeiten-Patenschaften gegen Altersarmut
Mahlzeiten-Patenschaften gegen Altersarmut

Kommentare