„Große Chance“

Cafékonzept soll Starnberg jugendfreundlicher machen

Jugend
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Ein altbekanntes Problem: Starnbergs Jugend hat keinen echten Treffpunkt. Neben dem Jugendtreff „Nepomuk“ fehlt es an alternativen Anlaufpunkten für die unterschiedlichen Altersgruppen. 

Starnberg - Für uns ist das eine große Chance, auch zur Weiterentwicklung für uns selbst“, sagt die 15-jährige Roberta Salerno, und die am Montag beim Haupt- und Finanzausschuss versammelten Stadträte hören ihr aufmerksam zu.

Roberta und ihre Mitstreiterinnen Chayenne (17) und Joana-Maria (16) hatten soeben ihre Idee eines Jugendcafés in Starnberg vorgetragen - eines Treffpunkts für junge Leute mitten in der Stadt, der einerseits nicht-alkoholische Getränke zu erschwinglichen Preisen bieten, andererseits auch eine Art selbstverwalteten „Rückzugsraum für Gespräche“ darstellen könnte. Gekoppelt sein könnte dies mit dem von der Volkshochschule Starnberger See entwickelten Konzept des „Demokratieführerscheins“: Jugendliche und junge Erwachsene sollen dabei buchstäblich lernen, wie ein demokratisches Gemeinwesen funktioniert, und durch Übungsaufgaben mit der Praxis politischer und verwaltungsmäßiger Strukturen vertraut gemacht werden.

SPD-Stadtrat Tim Weidner, zugleich VHS-Vorsitzender, sagt dazu: „Demokratiegefährdende Tendenzen nehmen leider zu. Bei den Regionalwahlen in Frankreich hat es in der jüngsten Wählergruppe 87 zum Beispiel Prozent Nichtwähler gegeben – deshalb ist uns dieses politische Bildungsprojekt sehr wichtig.“ Die ersten Reaktionen der Stadträte drehten sich dann jedoch um die Idee des Jugendcafés, für das sich die vortragenden jungen Frauen und die von ihnen diesmal vertretene Projektgruppe schon beachtliche Gedanken gemacht hatten – etwa über die jährlichen Fixkosten einer solchen Einrichtung, die von ihnen grob auf 41.720 Euro veranschlagt wurden (für Personal, Strom, Geschirr, Geschirrspülmaschine, Tische und Stühle aus zweiter Hand, Kühlschrank, Toiletten, Versicherung und vor allem „guten Kaffee“). Über einen möglichen Standort für das Jugendcafé haben sich die jungen Leute auch schon Gedanken gemacht. In Frage käme ihrer Meinung nach der momentan leerstehende Laden in der Maximilianstraße 20 (vormals „Schuhting-Star“) oder auch der Flachbau der Deutschen Bahn am Bahnhof.

Warum ihnen die Räume im Jugendzentrum „Nepomuk“ nicht geeignet erschienen seien, wollte der UWG-Stadtrat und langjährige Jugendreferent (1996 – 2008), Winfried Wobbe, wissen – die Antwort: Das Jugendzentrum habe montags und dienstags häufig geschlossen, vor allem „seit Corona“. Die drei Mädchen lieferten zugleich eine Betrachtung zum Ist-Zustand für die einheimischen Jugendlichen: Es gebe in Starnberg keinen echten und gemeinsamen Anlaufpunkt für ihre Altersgruppe – dies führe dann zu Ruhestörung an unerwünschten Plätzen sowie zu einer „Spaltung“ der Jugend, so die Analyse. „Starnberg soll jugendfreundlicher werden“, lautet die Forderung. Zu beklagen sei u.a. das hohe Preisniveau für Getränke und Essen, welches zumeist das Taschengeld-Budget übersteige. „Ich kenne viele, die deswegen nach München fahren“, berichtete eines der Mädchen.

Das liebe Geld dürfte auch dem Wunsch nach einem Jugendcafé zu schaffen machen: „Der vorgeschlagene Standort Maximilianstraße würde hohe Mietkosten bedeuten“, gab Michael Mignoli (BLS) gleich mal zu bedenken, da müsste der Vermieter schon sehr entgegen-kommen. Marc Fiedler (FDP) meinte pragmatisch: „So ein Café wird nur überleben können, wenn es nicht nur auf Jugendliche abzielt.“ Seine Fraktionskollegin Anke Henninger ergänzte: „Wir sollten uns als Stadträt/Innen überlegen, welche Leerstände es wirklich gibt!“ Finanziert werden könnte das alles nach Auffassung der Jugendlichen über „Sponsoring, Fundraising, Spenden“, unterstützt durch entsprechende „Werbeaktionen und Social Media“. Die Stadtverwaltung, diesmal vertreten durch Amtsleiter Ludwig Beck, signalisierte für den Vorstoß der Jugendlichen „Anerkennung für die geleistete Arbeit“ und generelles Wohlwollen, der Haupt- und Finanzausschuss unter der Sitzungsleitung der 2.Bürgermeisterin Angelika Kammerl (CSU) fasste einen 12:0-Kenntnisnahmebeschluss, der beinhaltet, dass das Konzept „fortgeführt“ werden soll – Wiedervorlage, „sobald es konkrete Ergebnisse gibt“.

Thomas Lochte

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