Almenrausch und Pulverschnee

Chefarzt vom Benedictus Krankenhaus Tutzing Dr. Martin Huber-Stentrup gibt Tipps für sicheres Skifahren 

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hefarzt vom Benedictus Krankenhaus Tutzing Dr. Martin Huber-Stentrup gibt Tipps für sicheres Skifahren.

Landkreis - Ob Langlauf oder alpin in den Bergen, auf Skiern, Snowboard oder mit dem Rodel - Sport im Schnee macht Spaß und ist gesund. Doch das Vergnügen hält nicht lange, wenn es zu Stürzen in der Loipe oder auf dem Hang kommt. Wie können Sie Verletzungen vorbeugen und sich auf die Winterferien aktiv vorbereiten? Dr. Martin Huber-Stentrup, Chefarzt der Abteilung „Schulterchirurgie und Sportorthopädie“ am Benedictus Krankenhaus Tutzing ist selbst alpiner Skifahrer, Snowboarder und Langläufer und weiß, wie man sich vor Sportverletzungen besonders beim Wintersport schützen kann. Jetzt hat er in seinem aktuellen „Gesundheitsforum“ zum Thema moderne Schulterchirurgie unter anderem auch über sicheres Skifahren informiert.

Ski heil, Bein kaputt. Man hört immer wieder von schlimmen Skiunfällen. Wie gefährlich ist Skifahren? 

Huber-Stentrup: Statistisch gesehen ist Skifahren nicht gefährlicher als Radfahren. Über 90 Prozent aller Ski- und Snowboardverletzungen sind selbstverschuldet. Müdigkeit, Hindernisse im Gelände wie Steine, überschätztes Fahrkönnen, schlechte Sicht oder auch Alkohol sind die häufigsten Unfallursachen. Während beim Skifahren der Kopf, die Schultern, Oberarme und Knie am meisten gefährdet sind, sind es bei Snowboardern vor allem Unterarm und Handgelenk.

Wie kann man Verletzungen am besten vorbeugen? 

H.-S.: Im Prinzip gilt das Gleiche wie im Straßenverkehr: Augen auf! Rechts vor links! Zusammenstöße mit sogenannten Pisten-Rowdies sorgen zwar für Schlagzeilen, sind aber eher selten. Tipps für sicheren Skispaß sind, dass man ausgeschlafen zum Skifahren startet. Auch die Kinder sollten fit und gesund sein. Gymnastik zum Aufwärmen verhindern Muskelzerrungen. Halt an engen oder schlecht einsehbaren Pistenstellen ist ebenfalls gefährlich und können zu Zusammenstößen führen. Präparierte Pisten sollten auf keinen Fall ohne Bergführer, adäquates Equipment bzw. alpine Erfahrung und Lawinenkunde und nur in der Gruppe verlassen werden, auch wenn der unberührte Tiefschnee dazu verlockt. Helme sollten für Groß und Klein Pflicht sein und die Skiausrüstung vorab vom Fachmann im Sportgeschäft ordnungsgemäß und nach Fahrkönnen eingestellt werden. Und statt des Glühweins in der Hütte ist für manchen das Geld in einen Skikurs besser angelegt.

Wie kann ich mich am besten auf den Wintersport vorbereiten?

H.-S.: Gerade Ungeübte oder Sportler nach einer längeren Pause sollten ein gezieltes Trainingsprogramm absolvieren. Auch macht ein medizinischer Check up beim Spezialisten durchaus Sinn. Sechs Wochen vor Saisonstart sollen Muskeln und Beweglichkeit trainiert werden. Zum Beispiel durch lockeres Laufen, Dehnübungen sowie Kraft- und Ausdauertraining mit Hanteln. Dabei sollten besonders die beim Skifahren beanspruchte Muskulatur an Beinen, Gesäß, Hüfte, Arme und Schultern trainiert werden. Viele Fitnessstudios oder Sportvereine bieten extra Skigymnastik unter professioneller Anleitung an.

Wie verhält man sich, wenn es doch zu einer Verletzung kommt? 

H.-S.: Als erstes sollte man sich bzw. den Verletzten rasch aus der Gefahrenzone bringen. Wie im Straßenverkehr sollte die Unfallstelle kenntlich gemacht werden, wie z.B. das Markieren mit aufgestellten Skiern. Es sollte sofort Hilfe geholt werden. Der Verletzte selbst sollte sich wenig bis kaum bewegen, nicht allein bleiben und nach Möglichkeit warm gehalten werden. Kommt es zu Prellungen, direkt mit Schnee kühlen, um eine Schwellung zu verhindern. Da Skiverletzungen häufig zu Knochenbrüchen und damit zu Operationen führen, sollte der Verletzte nach Möglichkeit bis zur sicheren Diagnose nichts essen. In der Regel ist die Hilfe sehr schnell da. Denn jedes Skigebiet verfügt über Ersthelfer vor Ort.

Wer ist auf der Skipiste am meisten gefährdet? 

H.-S.: Die Zahl der Verletzungen von Bändern und Sehnen ist in den letzten Jahren um mehr als 20 Prozent bei Frauen und zehn Prozent bei Männern gestiegen. Wir Sportärzte stellen dabei einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Zahl von Verletzungen und der rasanten Entwicklung von Material und neuen Trendsportarten wie Carving oder Snowboarden fest. Außerdem tragen Frauen ein höheres Verletzungsrisiko, weil sie genetisch bedingt über ein geringeres Volumen von Muskelmasse verfügen und damit verletzungsanfälliger sind. Männer überschätzen sich gerne mal selbst und glauben mit ihren 50 Jahren, dass sie immer noch so fahren können wie mit 20. Auch sind viele Skifahrer im Zeitalter des Carvens einfach mit dem Material überfordert.

Zum Vormerken: Der nächste Termin des Gesundheitsforums ist am 

Mittwoch, 13. März 2019, 19 Uhr mit dem Thema: Schlaganfall – Vorbeugen, Erkennen, Handeln, Referent: Prof. Dr. Dirk Sander, Chefarzt Neurologie im Benedictus Krankenhaus Tutzing (5. OG) Bahnhofstr. 5. Weitere Infos unter www.krankenhaus-tutzing.de.

Von Kreisbote

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