Ex-Kreisbrandrat Karl Gfüllner hat sich mit der langen Geschichte der Feuerwehren beschäftigt

Chronik mit Humor

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Johann Brabetz (links) und Karl Gfüllner im Feuerwehr-Archiv vor einer Feuerwehrspritze aus dem Jahr 1818.

Starnberg – „Erfolg hat im Leben und Treiben der Welt, wer Ruhe, Humor und die Nerven behält“. Mit diesem Schlusssatz seiner aufwändigen Feuerwehr-Chronik könnte sich der Autor und Gründer des überregionalen Feuerwehr-Archives in Starnberg selbst beschrieben haben.

Viel Nerven kosteten Karl Gfüllner allemal die aufwändigen Recherchen, um an seltene Raritäten aus dem Feuerwehrwesen heran zu kommen. Heute genießt der 88-Jährige ehemalige Kreisbrandrat den Ruhestand. Aus dem aktiven Feuerwehrgeschehen hat sich Karl Gfüller längst zurückgezogen. Das von ihm sorgsam aufgebaute und penibel gepflegte Archiv aber legte er im Jahr 2012 in die bewährten Hände des früheren Kreisbrandrats Johann Brabetz. „Jetzt ist des sei Sach‘ und da misch‘ ich mich auch gar nicht mehr ein“, sagt Gfüllner. Es sind private Filmaufnahmen für das Archiv, dass er sich nach fünf Jahren wieder auf den Weg in die Kellerräume des Landratsamtes macht, wo 1995 das Archiv eingerichtet wurde. Nachfolger Brabetz freut sich über den seltenen Besucht. „Viel verändert hat sich nicht. Enger ist es halt geworden“, stellte Gfüllner inmitten von Raritäten und historischen Nachlässen fest. „Bei mir waren es 36.000 Fachschriften, Urkunden, Festschriften und Bücher, die ich fein säuberlich archiviert habe“, erinnert er sich. „Jetzt sind es 55.000 erfasste Urkunden“, ergänzte Brabetz. „Neu ist, dass ich mittlerweile alles digitalisiere, um wertvolle, aber schon arg zerfledderte Urkunden auch weiterhin der Nachwelt zu erhalten. Das mache ich aber alles von zu Hause aus auf meinem Computer. Jede Festschrift, jede Urkunde wird Seite für Seite eingescannt und abgespeichert.“ Viel Arbeit sei es schon, räumt Brabetz ein. Grob geschätzt kommen gut 200 Stunden im Jahr zusammen. Dazu diverse Anfragen aus ganz Europa, da es weltweit kein vergleichbares Archiv mehr gibt. Das platzt jedoch aus allen Nähten. „Wir sind total froh, dass wir diesen Kellerraum im Landratsamtes kostenlos nutzen dürfen. Aber a bißerl arg klein ist er halt schon geworden. Inzwischen habe ich noch eine Außenstelle in Söcking, um all‘ das Material einzulagern, die noch archiviert werden muss. Wäre schön, wenn wir mal ein eigenes Haus bekämen, egal auch in welcher Gemeinde. Auch deshalb, weil der Keller feucht ist, was den Niederschriften nicht guttut“. Eine der wertvollsten Urkunden ist beispielsweise ein Original-Telegramm von 1879 mit einem Dank für diverse Leistungen an den damaligen Starnberger Feuerwehrvorsitzenden Maurermeister Josef Fischhaber. Absender: Seine Majestät der König. Aber auch das komplett erhaltene Grundgesetz des bayerischen Landesfeuerverbandes von 1880 hat Seltenheitswert. Gfüllner bezeichnet es als Glücksfall, 1992 rechtzeitig mit dem Aufbau des Feuerwehrarchivs begonnen zu haben. „Damals hat es geheißen, weg mit dem oiden Graffl. Heute würden wir so wertvolle Dokumente gar nicht mehr bekommen“, weiß er. Was sich sowohl Gfüllner wie auch der 68-Jährige Brabetz wünschen, ist, dass es das Archiv auch die nächsten 50 Jahre noch gibt und dass es kontinuierlich erweitert wird. „Nachwuchs-Archivare sind leider Mangelware. Ich suche dringend jemanden, der Lust hat, mit mir zusammen das Archiv zu pflegen und später einmal zu übernehmen. Er oder sie sollte so ab 40 Jahre alt sein und Spaß daran haben, die Vergangenheit lebendig zu halten“, sagt Brabetz. Wer Interesse hat, kann sich mit Johann Brabetz unter der Telefonnummer 08151/89101 in Verbindung setzen. P. Polster

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