Condrobs Starnberg: Angebot findet immer mehr Akzeptanz

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Landkreis – „Die Versorgung des Landkreises ist unser Auftrag und Job und dem kommen wir gut nach“, so Stefan Wenger, Leiter der Condrobs Abteilungen Starnberg und Landsberg. „Unser Angebot findet immer mehr Akzeptanz.“ Zusammen mit Psychologe Michael Hoffmann und Sozialpädagoge Wolfram Skasa-Weiß stellte er kürzlich den Jahresbericht für 2016 der Suchtberatungsstelle vor.

699 Klienten wurden im vergangenen Jahr von Condrobs betreut, 81 mehr als noch im Jahr davor. Michael Hoffmann erklärt sich die Steigerung zum einen damit, dass „die Hemmschwelle offenbar sinkt“ und zum anderen mit dem vermehrten Beratungsbedarf bei Eltern beziehungsweise Angehörigen. Aber auch die Erweiterung des Angebots in der Außenstelle Gilching habe dazu beigetragen. An drei Tagen unter der Woche werden dort die Räumlichkeiten der Bereitschaftspraxis Fünfseenland „help“ an der Römerstraße genutzt und „die Auftragsbücher dort sind gut gefüllt“, so Stefan Wenger. Einen signifikanten Anstieg bei den Beratungsanfragen hat Condrobs in 2016 vor allem in der Altersgruppe von 35 bis 49 Jahren festgestellt. Ein leichter Anstieg ist bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren zu verzeichnen. Einen leichten Rückgang - das erste Mal nach mehreren Jahren - hingegen gab es bei Menschen im Alter ab 65 Jahren. Traditionell hoch ist der Anteil bei der Beratung und Begleitung von Menschen mit einer Alkoholproblematik - im vergangenen Jahr betraf dies etwa 60 Prozent. Leicht gestiegen ist das Klientel mit Canabiskonsum (25 Prozent). Die dritthäufigste Diagnose als Beratungs- und Therapieanlass ist Opiatkonsum (fünf Prozent). Die restlichen zehn Prozent verteilen sich relativ gleich auf die Bereiche Seditiva, Kokain, Stimulanzien und Glückspielsucht. Die Befürchtungen der Condrobs-Mitarbeiter bezüglich des Konsums von synthetischen Drogen haben sich im Landkreis Starnberg nicht bewahrheitet. „Die Gefährlichkeit und Unberechenbarkeit dieser Substanzen hat sich rumgesprochen und keiner weiß, welche Langzeitfolgen diese Drogen haben“, erläuterte Wenger. Was die Altersstruktur betrifft, suchen überwiegend Personen ab 35 Jahren wegen einer Alkoholproblematik und vornehmlich die 14- bis 21-Jährigen wegen Canabis die Beratungsstelle auf - der höchste Anteil mit 40 Prozent liegt hier im Altersbereich der 15- bis 18-Jährigen. Auch diese Verteilung (Alkohol / Canabis) folgt laut Condrobs dem Trend der vergangenen zehn Jahre. Gut angenommen wird auch das Angebot des Ambulanten Betreuten Einzelwohnens (BEW), dessen Plätze im vergangenen Jahr deshalb auch von 16 auf 18 aufgestockt worden sind. Das BEW ist eine vom Bezirk Oberbayern finanzierte Maßnahme, die von Condrobs fachlich begleitet und moderiert wird, aber auch ein gewisses Maß an eigenverantwortlicher Mitarbeit des Klienten erfordert. Ziel des BEW ist es, eine Grundlage für ein unabhängiges suchtmittelfreies Leben zu schaffen und nachhaltige Perspektiven aufzubauen. Um das zu erreichen hat Condrobs ein eigenes vierköpfiges BEW-Team, das sich nur um dieses Projekt kümmert. Ein weiterer Schwerpunkt der Condrobs-Tätigkeit liegt auf der Suchtprävention, die die Mitarbeiter bereits mit auf das Alter der Mädchen und Buben abgestimmten Aktivitäten in Kinderkrippen, Kindergärten und Horten anbieten. „Kinder beobachten ihre Eltern sehr genau, wie diese ihre Stimmungen beeinflussen beispielsweise durch Zigaretten“, begründet Wolfram Skasa-Weiß den frühen Einstieg in die Präventionsarbeit. Kindertageseinrichtungen böten sehr gute Voraussetzungen, um schon frühzeitig den Condrobs-Ansatz zu multiplizieren, Erzieherinnen, Kinder und auch Eltern zu erreichen und somit auch die Familien im Landkreis für die suchtpräventiven Anliegen zu sensibilisieren. Und deshalb gibt es auch eine Zusammenarbeit mit den Schulen: 40 Maßnahmen wie Kooperationsprojekte, Fortbildungen, Infoveranstaltungen, P-Seminare, Elternabende und Austauschtreffen mit unterschiedlichen Zielgruppen wurden an den weiterführenden Schulen im Landkreis durchgeführt und werden auch in diesem Jahr wieder Bestandteil der Condrobstätigkeit sein. Dazu kommt in Kooperation mit dem Fachbereich Kinder, Jugend und Familie des Landratsamtes das Projekt „Schulterschluss“. Gefördert vom Bayerischen Gesundheitsministerium dient es der Vernetzung und Kommunikation von Fachkräften, die in ihrer Tätigkeit Kindern und Jugendlichen in suchtbelasteten Familien begegnen oder in der Suchthilfe Abhängige betreuen, die selbst Eltern sind. „Unser Ziel ist es, Kooperationen zu schaffen beziehungsweise diese zu fördern, die Handlungskompetenz aller Beteiligten zu verbessern und ein institutionsübergreifendes Netzwerk zu aktivieren“, beschreibt Condrobs-Einrichtungsleiter Matthias Taube in seinem Jahresbericht das Projekt. Und am 16. Oktober steht Condrobs dann selbst im Mittelpunkt des Geschehens, denn an diesem Tag feiert die Starnberger Suchtberatungsstelle ihr 25-jähriges Bestehen. S. berger

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