Aus dem Gericht: Angeklagter mit blauem Auge davon gekommen

Von Cousin reingelegt: Berger kauft 160.000 Euro teuren Sportwagen und bekommt ihn nicht

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Unter Einbeziehung eines Urteils des Münchner Amtsgericht aus Januar 2020 verhängte Richterin Christine Conrad eine zweijährige Bewährungsstrafe, ordnete einen Bewährungshelfer an sowie die Einziehung von 60.745 Euro Wertersatz.

Berg - Um seine marode Motorsportfirma zu retten, verfiel ein Münchner (34) einer wackeligen Idee. Die Bestellung eines 160.745 teuren Sportwagens bei BMW sowie der Weiterverkauf des Autos an den eigenen Cousin fanden nur als Scheingeschäft auf dem Papier statt. Der in Berg wohnhafte Cousin (45) bekam den schnittigen „BMW M4 DTM Champion Edition“ nie zu sehen, obwohl er dem Münchner den vollen Kaufpreis überwiesen hatte. Dieser Tage musste sich der 34-Jährige nun wegen Betrug und Urkundenfälschung vor dem Starnberger Schöffengericht verantworten.

„Die Vorwürfe stimmen. Es tut mir sehr leid, auch meinem Cousin gegenüber“, erklärte der Angeklagte gleich zu Beginn des Prozesses. Laut Auskunft des Münchners war der fingierte Geschäftsabschluss keineswegs eine lange geplante Sache. Vielmehr hoffte der angeklagte Unternehmer zunächst, seine in Schräglage befindliche Firma durch den sechsstelligen Geldfluss noch retten zu können. Glaubt man dem 34-Jährigen, so habe er den BMW zumindest anfangs tatsächlich besorgen wollen: „Ich war der Auffassung, ich könnte das Auto beziehen.“ Als der zweifache Vater merkte, dass er weder den BMW besorgen noch die Anfang Januar 2016 getätigte Kaufpreis-Überweisung seines Cousins zurückzahlen konnte, verfiel er auf die krumme Tour. Um seinen Cousin zu vertrösten, fälschte der Münchner verschiedene angebliche Dokumente rund um das fingierte Autogeschäft. Vergeblich. Sein Cousin entlarvte die Urkundenfälschung und kam hinter den Schwindel. Zu einem Familienzerwürfnis kam es dennoch nicht – die Verwandtschaft reagierte besonnen. „Mein Cousin hat mich Gott sei Dank nicht fallen gelassen. Er hat immer versucht, mir beizustehen. Es hat nicht zu einem Bruch in der Familie geführt“, so der Angeklagte. Um den beachtlichen Schaden zumindest teilweise wieder gut zu machen, verkaufte der 34-Jährige sein eigenes Auto und zahlte dem Cousin 100.000 Euro bereits wieder zurück. Die restlichen 60.745 Euro will der 34-Jährige ab Ende Februar 2020 nun ratenweise abstottern und sich deshalb in Bälde um eine Festanstellung bemühen. Nach Geschäftspleite, Bankrott und Insolvenzverschleppung hat der Angeklagte heute wieder Bodenhaftung: „Mittlerweile habe ich wieder einen Überblick über meine finanzielle Situation.“ Der geschädigte Berger Cousin gab sich im Zeugenstand versöhnlich: „Nachdem die Sache aufgeflogen war und klar wurde, dass er sich sehr verstrickt hat, hat er sich entschuldigt.“

Mit blauem Auge davon gekommen

Unter Einbeziehung eines Urteils des Münchner Amtsgericht aus Januar 2020 verhängte Richterin Christine Conrad eine zweijährige Bewährungsstrafe, ordnete einen Bewährungshelfer an sowie die Einziehung von 60.745 Euro Wertersatz. Nach Einschätzung der Amtsrichterin ist der Angeklagte mit einem blauen Auge aus der Sache herausgekommen: „Sein Bestreben war damals wohl, seine Firma aus der Insolvenz herauszuholen. Jetzt ist die Blickrichtung in eine straffreie Zukunft gerichtet.“ Während seiner dreijährigen Bewährungszeit muss der Münchner zudem 120 Sozialstunden ableisten.

Von Nilda Höhlein

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